REZENSION: WALKING HOME | ERIC WALTERS

Mittwoch, 11. Mai 2016 0 Kommentare


Der 13-jährige Muchoki und seine jüngere Schwester Jata leben in einem kleinen kenianischen Dorf, gehen zur Schule und spielen mit Freunden Fußball. Doch dann wird bei einem plötzlichen Bürgerkriegsausbruch ihr Vater getötet und ihr Zuhause zerstört. Aufnahme finden die Geschwister und ihre todkranke Mutter in einem überfüllten Flüchtlingslager. Und so wagen die beiden Kinder den langen Weg zu ihren einzigen lebenden Verwandten, 200 km zu Fuß durch die Wildnis. Ein Marsch voller Hoffnung und Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten. © Text und Cover: Knesebeck Verlag

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[mk] Was macht einen Helden aus? Wie auch immer man das definiert, Muchoki ist für mich einer. Mit viel Glück ist er mit seiner Schwester und seiner Mutter dem gewalttätigen Mob in seiner Heimatstadt entkommen und konnte in einem großen Lager in einem Zelt unterkommen. Seine Mutter ist an Malaria erkrankt und Muchoki muss sich zu dieser Zeit bereits um die Versorgung der Familie kümmern. Statt zu spielen und eine sorglose Kindheit zu verbringen, sieht er sich in der Verantwortung vor allem seiner kleinen Schwester gegenüber und besorgt Feuerholz, Wasser und Nahrung. Kein Wort davon, dass ihm das zu viel wäre oder er dazu keine Lust hätte.

Als seine Mutter stirbt sollen die beiden getrennt und in verschiedenen Waisenhäuser untergebracht werden. Für Muchoki ist es undenkbar, seine Schwester allein zu lassen. Daher beschließt er, mit ihr das Lager heimlich zu verlassen und die Reise zu den Eltern seiner Mutter anzutreten. Ob die die beiden allerdings aufnehmen ist unklar, denn seit der unerwünschten Heirat von Muchokis und Jatas Eltern ist der Kontakt abgebrochen. Mit einem Kanister mit Wasser, ein paar Essensvorräten und ohne Geld starten die beiden in eine ungewisse Zukunft.

Ende des Jahres 2007 kam es in Kenia nach vermuteten Wahlmanipulationen zu Unruhen. Verschiedene ethnische Bevölkerungsgruppen gingen aufeinander los, es gab viele Tote und hunderttausende Flüchtende. Solange die nicht zu uns kommen, sind die Nachrichten über solche Ereignisse für uns meist recht abstrakt. Eine Geschichte wie die von Muchoki und Jata bringt mir aber nahe, was das für den Einzelnen bedeutet.


Erich Walters machte 2012 mit einer Gruppe von Kenianern und Kanadiern eine Wanderung von fast 200 Kilometern durch Kenia. Diese Reise hat ihn zu „Walking Home" inspiriert. Zum Buch gibt es noch eine Internetseite mit vielen Informationen und Eindrücken dieser Wanderung (s. www.walkinghome-buch.de). Im Buch gibt es immer wieder Symbole am Seitenrand, die darauf hinweisen, dass dort ergänzende Texte, Fotos, Karten oder Videos zu finden sind. Dieses Material ist komplett in Walters Muttersprache Englisch, mit meinem Schulenglisch verstehe ich es aber gut. Anfangs habe ich parallel beim Lesen reingeschaut, dann aber beschlossen, das Buch erst mal allein zu beenden. Der Text ist in einer sehr guten, bildhaften Sprache gehalten, sodass ich kein Begleitmaterial benötigte. Um das Gelesene zu vertiefen und Eindrücke von den tatsächlichen Gegebenheiten zu bekommen, eignet sich die Internetseite aber sehr gut.

PERSÖNLICHES FAZIT


Das Schicksal von Muchoki und Jata hat mich sehr berührt. Aber nicht nur Traurigkeit bestimmt die Emotionen, auch die Hilfsbereitschaft der Leute, denen sie begegnen ist beeindruckend – und das unabhängig der Stammeszugehörigkeit. Das macht Hoffnung, dass die Spirale der Gewalt durchtrennt werden kann und die Saat des Friedens aufgehen wird. Ein sehr lesenswertes Jugendbuch für Leser ab zwölf Jahren.

© Rezension: 2016, Marcus Kufner


Aus dem Englischen übersetzt von Annika Loose
ab ca. 12 Jahren
16.03.2016, gebunden, 288 Seiten, ISBN: 9783868739268


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[marcus]

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