REZENSION: EIN MONAT AUF DEM LAND | J.L. CARR

Mittwoch, 20. Juli 2016 0 Kommentare


Sommer 1920 im nordenglischen Oxgodby: Als auf dem Bahnhof ein Londoner aus dem Zug steigt, weiß gleich das ganze Dorf Bescheid: Er ist der Restaurator, der das mittelalterliche Wandgemälde in der örtlichen Kirche freilegen soll. Doch was steckt hinter der Fassade des stotternden und unter chronischen Gesichtszuckungen leidenden Mannes? Tom Birkin hat im Ersten Weltkrieg gekämpft, als traumatisierter Veteran wurde er von seiner Frau verlassen. Er hofft, in der Ruhe und Einfachheit Yorkshires zu gesunden. Und tatsächlich: Langsam gelingt es ihm, sich der Welt um sich herum zu öffnen, vielleicht sogar der Liebe … [© Text und Cover: DuMont Verlag]

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[mk] Joseph Lloyd Carr (1912-1994) schrieb diese Geschichte bereits 1980. 1987 wurde sie mit Colin Firth verfilmt. Leider wurde der Film nicht übersetzt, der Roman ist jetzt aber erstmals auf Deutsch erschienen.
Tom Birkin erinnert sich als alter Mann zurück an den Sommer im Jahr 1920, ein für ihn unvergesslicher Sommer. Sein Leben steckt zu der Zeit in einer schwierigen Phase. Seine Frau hat ihn für einen anderen verlassen und er kämpft mit den psychischen Auswirkungen seiner Erfahrungen als Soldat im Ersten Weltkrieg. Der Auftrag aus der Provinz, das Kirchengemälde freizulegen, kommt für ihn deshalb gerade richtig, um mal abzuschalten und Kraft zu tanken.

Die meisten Leute aus dem Dorf sind neugierig auf den Künstler aus London, auch die Frau des Pfarrers besucht ihn hin und wieder. Es drängt sich ihm die Frage auf, wie eine solch junge Schönheit an einen so knurrigen Kerl geraten ist. Er ist durchaus fasziniert von ihr, respektiert jedoch die Ehe und drängt sich ihr nicht auf.

Im Mittelpunkt des Romans steht aber nicht diese Verbindung, vielmehr geht es primär um Tom selbst und wie er durch seine Arbeit, das ländliche Umfeld und die neuen Bekanntschaften allmählich wieder die Füße auf den Boden bekommt. Immer wieder blitzen Erinnerungen an die brutalen Kämpfe des Krieges auf. Und doch gelingt es dem Autor, alles mit einer ganz besonderen Leichtigkeit zu beschreiben. Wer hat nicht auch schon einen solchen Sommer erlebt, der nie enden sollte. Diese Stimmung ist perfekt eingefangen mit einer stilsicheren und schnörkellosen Sprache.

PERSÖNLICHES FAZIT


Ein Roman wie ein kurzer Sommer: sehr stimmungsvoll mit viel Leichtigkeit, getragen von einer anmutigen Sprache. Ein zeitloses Lesevergnügen.

© Rezension: 2016, Marcus Kufner





Aus dem Englischen von Monika Köpfer
19.07.2016, gebunden, 160 Seiten, ISBN: 9783832198350



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