Rezension: Die Rückkehr | Rebecca West

Sonntag, 21. August 2016 0 Kommentare



Ein englisches Landgut im Süden Londons während des Ersten Weltkriegs: Die zwei Frauen Jenny und Kitty Baldry kümmern sich um das Anwesen der Familie, während der Herr des Hauses, Kittys Ehemann und Jennys Cousin Chris, in Frankreich an der Front ist. Schon bald muss er versehrt nach Hause zurückkehren. Doch es ist keine der üblichen Kriegsverletzungen, die ihn in Mitleidenschaft gezogen hat: Er leidet unter einem Granatenschock, einem schrecklichen Trauma, das ihn glauben lässt, wieder zwanzig Jahre alt zu sein. Alles um ihn herum ist ihm fremd, selbst seine eigene Ehefrau. Obwohl Kitty diese Kränkung kaum ertragen kann, sucht sie gemeinsam mit Jenny und Margaret, einer alten Liebe von Chris, einen Weg, um ihren Mann ins Jetzt zurückzuholen. [© Text und Cover: dtv Verlag]

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Knapp einhundert Jahre alt musste der Roman werden, bis er jetzt erstmals auf Deutsch erscheint. Ich kann gleich vorwegnehmen: es war höchste Zeit!

Als Chris vorzeitig aus dem Krieg heimkehrt, ist sein Gedächtnis so in Mitleidenschaft gezogen worden, dass für ihn die Zeit um fünfzehn Jahre zurückgedreht wurde. Die Veränderungen im Haus seither machen ihn nervös, dass er selbst und die Menschen, die er kennt, älter aussehen als sie sein dürften, kann er nicht wahrhaben, und seine eigene Ehefrau Kitty kennt er nicht mehr. Mit Anfang zwanzig war Margaret seine große Liebe, und auf diesem Stand befindet er sich jetzt – er will sie unverzüglich wieder sehen.

Seine Cousine macht sich auf den Weg, Margaret abzuholen und zu Chris zu bringen. Die ist inzwischen verheiratet, ist aber gern bereit, ihm zu helfen. Wird diese alte Flamme wieder aufglimmen? Wie hält seine Frau Kitty dieses Vakuum aus? Gibt es eine Möglichkeit, ihn zu heilen, und wer will das überhaupt? Das sind die Fragen, die sich im Laufe des Buches ergeben. Eine Vierecksgeschichte mit Reibungspunkten.



Was mich an Rebecca Wests Debütroman am meisten begeistert ist die Sprache. Sie sprüht immer wieder vor Poesie.

„Der Wind, der aufkam, um die Sonne in Schach zu halten, hatte der Zeder die Würde ihrer ausladenden Form genommen, die dunklen Tannen dazu gebracht, gemeinsam mit den Armen zu schlagen, und den Himmel mit enorm grauen Wolken gefüllt, die das Leuchten der Krokusse dämpften." (S. 102)

Auch wenn der Text schon älter ist, wirkt er auf mich keineswegs angestaubt. Besonders bei der Beschreibung von Chris' und Margarets Kennenlernen vor fünfzehn Jahren fängt sie die Stimmung von Landschaft, Jahreszeit und erblühender Liebe wunderbar ein.

Persönliches Fazit

Rebecca Wests Roman aus dem Jahr 1918 ist ein literarisches Kleinod. Die poetische Ausdrucksweise hat mich begeistert und erschafft eine wunderbare Atmosphäre. Wer sich gerne in eine solche Sprache fallen lässt, ist bei diesem Buch gut aufgehoben.

© Rezension: 2016, Marcus Kufner



Die Rückkehr | Rebecca West | dtv Verlag
Aus dem Englischen von Britta Mümmler
2016, gebunden, 160 Seiten, ISBN: 9783423280808
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[marcus]

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