Rezension: Halbe Helden | Erin Jade Lange

Montag, 19. September 2016 0 Kommentare

Eine ungewöhnliche Freundschaft.



So ganz kann Dane sich nicht erklären, wie er da hineingeraten ist: Gerade ging er noch (überwiegend) friedlich und unbescholten zur Schule, jetzt hat er einen Aufpasserjob. Dumm nur, dass Billy D., ein neuer Schüler mit Downsyndrom, nicht will, dass man auf ihn aufpasst – viel lieber ist ihm, wenn Dane ihm beibringt, wie man sich prügelt, oder wenn er ihm hilft, seinen Dad zu finden. Der hat Billy nämlich einen Atlas mit geheimnisvollen Hinweisen hinterlassen, und Billy ist überzeugt, dass sie ihn am Ende zu seinem Vater bringen werden. Dane kann den Ärger förmlich riechen, der ihm blüht, wenn er Billy einmal quer durchs Land kutschiert, aber dessen Enthusiasmus hat er wenig entgegenzusetzen. Wo ihr Weg sie schließlich hinführt, hat keiner von ihnen geahnt … [© Text und Cover: Magellan Verlag]

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Dane, der Ich-Erzähler dieser Geschichte, ist ein klassischer Schlägertyp. Prügeleien haben ihm den Respekt seiner Mitschüler und jede Menge Schwierigkeiten mit dem Disziplinarrat der Schule eingebracht. Für ihn ist Gewalt eine Lösung. Als Billy in seine Nachbarschaft zieht, hängt der sich an Danes Fersen. Schlau wie Billy ist, weiß er, dass ihm niemand etwas antut, wenn Dane dabei ist. Der ist wenig begeistert von dieser Idee, gegen Billys Sturheit kommt er aber nicht an, denn „solche wie Billy" schlägt er nicht.

Da man Billy das Downsyndrom nun mal ansieht, wird er von vielen angeglotzt oder sogar offen schikaniert. Das löst bei Dane mit der Zeit einen Beschützerinstinkt aus. Und obwohl er erst durch einige Konflikte lernen muss, wie er mit Billy umgehen muss, freunden sie sich an. Nicht zuletzt, weil der Disziplinarrat es gerne sieht, dass Dane sich sozial engagiert und ein drohender Schulverweis dadurch verhindert werden kann.

Eins haben Dane und Billy gemeinsam: sie wachsen ohne Vater auf. Und beiden ist der Grund dafür nicht klar. Billy ist davon besessen, seinen Vater zu finden und nimmt Dane das Versprechen ab, ihm dabei zu helfen. Mit Unterstützung von Seely, einer coolen Skateboardfahrerin, von der gleich beide Jungs begeistert sind, versuchen sie das Rätsel zu lösen, das Billys Vater in seinem Atlas hinterlassen hat. Dass es gute Gründe dafür gibt, dass Billys Mutter ihn von ihm fernhalten will, wissen sie noch nicht…

Eigentlich muss man Danes gewalttätiges Verhalten kritisieren, Gewalt sollte niemals eine Lösung sein. Trotzdem ist er mir nicht unsympathisch, dafür sorgt seine ehrliche und jugendlich-frische Erzählweise. Wie Billy, dem er sich doch eigentlich überlegen fühlt, ihn immer wieder auflaufen lässt, ist sehr amüsant.

Persönliches Fazit

Hinter dem cool designten Cover im Kartonlook steckt ein gelungener Jugendroman mit Tiefgang für Leser ab 14 Jahren. Die Charaktere sind mir sehr sympathisch, ihre Konflikte mal dramatisch, mal amüsant. Die Autorin behandelt die Themen Gewalt und Ausgrenzung in „Halbe Helden" so, dass ich zum Nachdenken angeregt und trotzdem gut unterhalten werde.

© Rezension: 2016, Marcus Kufner


Halbe Helden | Erin Jade Lange | Magellan Verlag
Ab 14 Jahren
Aus dem Englischen von Jessika Komina und Sandra Knuffinke
2015, gebunden, 336 Seiten, ISBN: 9783734850103
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[marcus]

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