Rezension: Der Rabe | Lionel Davidson

Mittwoch, 4. Januar 2017 1 Kommentar


Ein eiskalter Spionagethriller








Inmitten der sibirischen Steppe liegt ein Geheimnis begraben, von dem nur eine Handvoll Menschen wissen: ein unterirdisches russisches Forschungslabor. Offiziell existiert es nicht, und wer einmal dort ist, wird es nie wieder verlassen. Doch der Biologe Rogatschow weiß, dass das, was dort geschieht, nicht im Eis verborgen bleiben darf. Er schickt einen verschlüsselten Hilferuf an den einen Mann, der die Wahrheit ans Licht bringen kann: Dr. Johnny Porter, eigenwilliger Einzelgänger indianischer Abstammung, Mikrobiologe und Sprachgenie, begibt sich auf die lebensgefährliche Mission nach Sibirien … [© Text und Cover: Penguin Verlag]

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Ein streng gehütetes Geheimnis im russischen Niemandsland versteckt – das macht neugierig! Aber auch wenn schon zu Beginn etwas Übermenschliches angedeutet wird, die wissenschaftlichen Forschungen stehen in diesem Thriller keineswegs im Mittelpunkt. Die spannende Frage ist, ob und wie es Porter alias „Der Rabe" hinbekommen kann, in dieses Labor einzudringen und wieder zu verschwinden, ohne dass jemand Alarm schlägt. 

Vergiss James Bond, Porter ist ein echter Spion! Die wahre Kunst dieses Metiers ist es, seine Ziele zu erreichen und dabei unauffällig zu bleiben. Wenn es wie im Film ständig knallen würde, wäre die Mission schnell gescheitert. Porter ist geradezu prädestiniert für diese Aufgabe: er ist wissenschaftlich ausgebildet und sprachbegabt. Er kann sich in Sprachen verständigen, von denen ich noch nie gehört habe. Mit Talent und Können mischt er sich so unters Volk, dass er nicht als Fremdkörper angesehen wird. Auf diese Weise nähert er sich Stück für Stück seinem Ziel.

Lionel Davidson lässt sich Zeit bei seiner Geschichte, wodurch lange kein schnelles Erzähltempo aufkommt. Sein Schreibstil ist zumeist nüchtern und reportageartig. Dadurch kann ich mir allerdings ein detailliertes Bild machen, wie akribisch und aufwendig die Vorbereitung und die Durchführung einer solchen Aktion sind. Jeder Schritt ist clever und durchdacht, und trotzdem riskiert er sein Leben. Denn nicht jedes Risiko ist kalkulierbar, und so manche Situation muss er spontan gerade biegen. 

So schwer wie es ist, sich in die Höhle des Löwen zu begeben, so unwirtlich ist das Szenario. Ich kann mir kaum vorstellen, dass man bei Temperaturen bis unter 60°C leben kann. Neben den Einheimischen, die das gewohnt sind, wurden aber auch viele von Rohstoffen wie Gold oder Öl angelockt. Eine extreme Umgebung, in der man im Winter am mobilsten ist, denn dann kann man die Flüsse als Straßen benutzen. Davidson beschreibt das sehr intensiv, da muss ich mich beim Lesen warm einpacken!

Persönliches Fazit 

„Der Rabe" ist ein Spionagethriller, der nicht auf Action und Tempo setzt, sondern durch Realismus und mit Akribie fasziniert. Porters Einfallsreichtum und das eiskalte Szenario haben mich sehr beeindruckt.


© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Der Rabe | Lionel Davidson | Penguin Verlag
Aus dem Englischen von Walter Ahlers und Christian Spiel
2016, Taschenbuch, 672 Seiten, ISBN: 9783328100027
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[marcus]

1 Kommentar:

  1. Hab das Buch grad beendet und war ebenfalls beeindruckt von den Beschreibungen Davidsons. Tolles Buch.

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