Rezension: Dark Noise | Margit Ruile

Montag, 27. März 2017 1 Kommentar

Spannender Thriller in Hightech-Setting


Die Fenster sind geschlossen, der Bildschirm nur von einer grünen Schreibtischlampe beleuchtet. Tag für Tag sitzt Zafer am Rechner und bearbeitet Bilder. Das ist sein Job. Er geht nie aus dem Haus, ernährt sich von Pizza und Multivitaminsaft. Seit einiger Zeit erhält er anonyme Aufträge. Er soll Videos von Überwachungskameras retuschieren – und wir völlig unvermittelt in einen Mordfall verwickelt ... [© Text und Cover: Loewe Verlag]

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„Dark Noise" hat ein sehr aktuelles Grundthema: der Ruf nach mehr Kameras in der Öffentlichkeit ist laut. Man erhofft sich damit mehr Sicherheit und Schutz vor Terrorismus. Aber gibt es dabei nicht auch Risiken? Wer kontrolliert die Verwendung der Bilder? Kann man den Aufnahmen überhaupt vertrauen?

Genau da setzt Margit Ruile mit ihrem Thriller an. Die Firma, die die Kameras aufstellt und betreibt, ist eng mit den Behörden vernetzt. Die Macht, die sie durch den technischen Fortschritt haben, nutzen sie skrupellos für ihre Zwecke aus. Eine kleine Gruppe von Hackern versucht, gegen diese Machenschaften vorzugehen. Doch haben die eine Chance bei einem so mächtigen Gegner?

Zafer gerät durch Unachtsamkeit in die Fänge der Firma. Für ihn war es nur eine kleine Herausforderung, die Bilder zu manipulieren. Mal eine Abwechslung zu den alltäglichen Arbeiten. Erst als er Emily trifft, dämmert ihm langsam, wie gefährlich die Handlanger der Firma sind. Emily gehört zu der Hackergruppe und steht eigentlich auf der Gegenseite von Zafer. Aber beide sind nach ihrer ersten kurzen Begegnung sehr angetan voneinander. Zafer will sie auf jeden Fall wiedersehen.






Die beiden Hauptcharaktere haben mir gleich gut gefallen. Zafer ist ein richtiger Antiheld. Er haust zurückgezogen in einer kleinen, dunklen Wohnung, geht nur raus, wenn es sich nicht vermeiden lässt und lebt nur am Computer richtig auf. Als er Emily trifft passiert genau das, was er unbedingt vermeiden will, nämlich eine Bindung einzugehen. Emily ist da nicht viel anders. Sie hält sich für einen Freak, weil sie nicht so ist wie die anderen. Die beiden scheinen wirklich füreinander bestimmt.

„Wir stecken in uns drin, jeder in sich selbst hinter dicken Mauern, und stellen uns auf die Zehenspitzen, um aus den Augenschlitzen in die Welt zu blicken. In meinem Fall sind es schmale Schießscharten und ich bin jederzeit bereit, mich wieder in mich selbst zu verkriechen, wenn mir das, was ich da draußen sehe, nicht gefällt." (Emily, S. 183)

Spannend ist es, wie Zafer immer tiefer in die Machenschaften der Firma gerät. Je mehr er über sie erfährt, desto klarer wird ihm, dass die Drahtzieher auch über Leichen gehen. Als Experte am Computer kennt er die Möglichkeiten und Risiken der modernen digitalen Systeme. Margit Ruile spielt gekonnt mit den Ängsten vor einem unkontrollierten technischen Fortschritt.

Persönliches Fazit

Ein spannender und gut eingefädelter Plot, zwei angenehm unkonventionelle Protagonisten und eine klassische David-gegen-Goliath-Story haben mich sehr gefesselt. Ein Thriller für Leser ab 14 Jahren, der mich als Erwachsenen aber auch sehr gut unterhalten hat.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Dark Noise | Margit Ruile | Loewe Verlag
2017, broschiert, 288 Seiten, ISBN: 9783785584460
ab 14 Jahren
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[marcus]

Rezension: Unsere Seelen bei Nacht | Kent Haruf

Mittwoch, 22. März 2017 1 Kommentar

Eine Plädoyer für Selbstbestimmung im Alter.



Holt, eine Kleinstadt in Colorado. Eines Tages klingelt Addie, eine Witwe von 70 Jahren, bei ihrem Nachbarn Louis, der seit dem Tod seiner Frau ebenfalls allein lebt. Sie macht ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag: Ob er nicht ab und zu bei ihr übernachten möchte? Louis lässt sich darauf ein. Und so liegen sie Nacht für Nacht nebeneinander und erzählen sich ihre Leben. Doch ihre Beziehung weckt in dem Städtchen Argwohn und Missgunst. [© Text und Cover: Diogenes Verlag]

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Auf den ersten Blick wirkt es kurios: die Nacht nebeneinander mit einem Menschen verbringen, den man kaum kennt. Aber Addie nimmt ihren Mut zusammen und fragt Louis, ob er da mitmacht. So können sie beide ihre Einsamkeit überwinden, und zwar nachts, wenn sie am schlimmsten ist. Es funktioniert ganz ausgezeichnet, sie sind beide sehr zufrieden damit. Ich denke, das ist doch eine prima Idee. So ähnlich wie eine Senioren-WG, nur etwas intimer. Es geht ja nicht einmal um das Körperliche.

Es gibt aber Leute, denen das nicht passt. Schnell geht es um in der Kleinstadt, manche finden es gut und hätten auch gern einen solchen Partner, viele schütteln aber den Kopf und meinen, dass sich das in dem Alter nicht gehörten würde. Manche rufen sogar Louis' Tochter an, um sie auf diese Schande hinzuweisen. Die und Addies Sohn sind auch vehement gegen diese Treffen. Man müsse doch auf seinen Ruf achten!

„Ich habe mir das genau überlegt – es ist mir egal, was die Leute denken. Viel zu lange habe ich darauf geachtet, mein ganzes Leben lang. Aber damit ist jetzt Schluss." (S. 13)

Wie erfrischend ist es doch von Addie, dass sie jetzt mit ihren siebzig Jahren darübersteht. Ihr ganzes bisheriges Leben hat sie immer darauf geachtet, was die anderen meinen. Ich finde, sie hat jedes Recht dazu, ihre Zeit wie und mit wem sie möchte zu gestalten. Sie schadet doch niemandem damit. Wie kommen die Nachbarn und Kinder dazu, ihr dieses Recht auf Selbstbestimmung abzuerkennen? Das ist doch die eigentliche Schande.






Kent Haruf erzählt von Addie und Louis ganz unaufgeregt. Da gibt es keine dramatischen Einschnitte oder schwerwiegende emotionale Erschütterungen. Haruf ist ein feinsinniger Beobachter, der die Hoffnungen und Erwartungen ganz dezent verpackt. Die Weisheit und Gelassenheit, die die beiden dabei an den Tag legen, machen sie mir sehr sympathisch. Letztendlich ist es auch ein beruhigender Gedanke, dass man als älterer Mensch nicht zwangsweise allein und einsam in seinem Alltag festsitzen muss. Wer wünscht sich dafür nicht Gesellschaft so wie Addie?

Persönliches Fazit

Addie und Louis sind zwei wunderbare Charaktere, die sich mit der Selbstgerechtigkeit und Engstirnigkeit von Familie und Kleinstadtbürgern auseinandersetzen müssen. Kent Haruf erzählt davon in einer sehr angenehmen, unaffektierten Sprache und erschafft damit ein glaubhaftes Plädoyer für Selbstbestimmung im Alter.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Unsere Seelen bei Nacht | Kent Haruf | Diogenes Verlag
2017, gebunden, 208 Seiten, ISBN: 9783257863086
Aus dem Amerikanischen von pociao
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[marcus]

[Gastkolumne] Aufgelesen #31 | LBM2017: liest sich gut, auch aus der Ferne

Dienstag, 21. März 2017 3 Kommentare

Leipzig liest – und wir hören zu. Wir sind Studierende der Universität Leipzig aus unterschiedlichen Fächern, aber mit einer gemeinsamen Begeisterung für Bücher, für das Lesen und das Schreiben. Zur Leipziger Buchmesse schwärmen wir aus und berichten auf unserem Blog »Leipzig lauscht«. »Leipzig lauscht« gibt es seit 2015. Der Blog entsteht in Regie der Leipziger Buchwissenschaft und wird von der Leipziger Buchmesse und dem »kreuzer« unterstützt.

[Patricia, Redakteurin] Für alle, die nicht nach Leipzig fahren können und den Bücherfrühling von zu Hause aus erleben, kommt hier ein kleiner Ausblick auf das, was uns an Themen und Büchern erwarten wird. Ich gucke dabei durch die Brille von „Leipzig lauscht“ (leipziglauscht.de), dem Blog zu „Leipzig liest“. Wir sind eine große Redaktion von rund 70 Personen und haben uns schon vor einer Weile Bücher und Veranstaltungen ausgesucht. Jetzt sind grad alle mächtig am Lesen, denn in dieser Woche ist es soweit. Dann schwärmen wir zu den Veranstaltungen aus und besprechen sie. Wir gucken also nicht nur ins Buch, sondern auch auf die Performance, die Atmo und das Publikum.

Einige aus dem großen Team von „Leipzig lauscht“ 2017 © Juliane Seifert


Die neueste Nachricht: Lang Lang hat Grippe und kann nicht auf die Messe kommen. Der chinesische Tastenkünstler wollte dort seine Klavier-Lern-App vorstellen, und „Leipzig lauscht“ wollte ganz exklusiv dabeisein. Das wird also nix. Doch an Alternativen mangelt es natürlich nicht. Unsere Redakteurin Nina hat einen guten Ersatz gefunden: „Der Ursprung der Welt“, eine Kulturgeschichte der Vulva in Comic-Form, die sehr erheiternd sein soll. Das Buch von Liv Strömquist ist im Berliner avant-verlag erschienen. Wie viele andere Indie-Verlage stellt auch er seine Bücher auf der Leseinsel Junge Verlage vor, dem spannenden Zentrum der unabhängigen Kleinverlage auf der Messe. 

Doch viel schöner ist die Stimmung natürlich, wenn man sich die Neuerscheinungen der Unabhängigen irgendwo in der Stadt zu Gemüte führt. Schon am Donnerstagabend findet traditionsgemäß die Lange Leipziger Lesenacht in der Moritzbastei statt. Auf vier Bühnen gleichzeitig gibt es junge deutschsprachige Literatur im Stundentakt bis tief in die Nacht. Wir werden uns einige Autoren genauer ansehen, darunter Anke Stelling und ihren neuen Roman „Fürsorge“ (Verbrecher Verlag) über ein – sagen wir – ungewöhnliches Mutter-Kind-Verhältnis. 

Leipzig am Vorvorabend der Buchmesse. © Patricia Blume




Überhaupt gibt es aus den weniger bekannten Verlagen viele großartige Bücher zu entdecken – ganz passend zum Indiebookday letzten Samstag. Da wäre beispielsweise der Schweizer Verlag Der gesunde Menschenversand. Unsere Redakteurin Marie hat die Erzählungen von Michael Fehr ausgewählt. „Glanz und Schatten“ ist ein schmales Hardcover-Bändchen, dessen Gestaltung schon von Weitem auffällt. 

Einiges haben wir uns aus der Ecke Poetry Slam ausgesucht: Sandra Da Vina und Jan Philipp Zymny werden dabeisein (Lektora Verlag). Außerdem veranstaltet Voland & Quist mit Uli Hannemann, Kirsten Fuchs und André Herrmann einen großen Lesebühnen-Abend, den unsere Redakteurin Helen besuchen wird. Er findet in einem der ältesten Kinos Deutschlands statt, dem UT Connewitz. Dafür haben wir gleich mal ein Leseort-Porträt  (http://www.leipziglauscht.de/index.php/2017/03/20/leseorte-ut-connewitz/) geschrieben, weil es dort so einzigartig ist. Voland & Quist ist übrigens auch Mitveranstalter der Party der jungen Verlage. Die gibt es immer am Messefreitag nun schon eine ganze Weile, und alle sind inzwischen gar nicht mehr so jung. Aber egal. Gefeiert wird in diesem Jahr zum ersten Mal im hippen Leipziger Westen

Ein bisschen Mainstream darf es bei „Leipzig lauscht“ natürlich auch sein, denn die Buchmesse hat wieder einige hochkarätige Autoren im Gepäck. Zum Beispiel beim Großen Leipzig-liest-Abend in der frisch sanierten Kongresshalle am Zoo. Es kommen Thomas Brussig, Jostein Gaarder und Martin Suter. Außerdem in Leipzig: Benedict Wells, Arno Geiger, Christoph Hein und Adolf Muschg. Jussi Adler-Olsen stellt „Selfies“ vor, den siebenten Fall seines Kopenhagener Ermittlers, Sebastian Fitzek präsentiert – ziemlich oft im Messeprogramm – „AchtNacht“, Iny Lorentz bringen die „Wanderapothekerin“ mit und Markus Heitz „Des Teufels Gebetbuch“. Auch im Phantastik-Programm ist jede Menge los. Zum Beispiel kommt der US-amerikanische Fantasy-Star Brandon Sanderson und stellt sein neues Epos vor. Überhaupt wird das Segment Fantasy immer wichtiger auf der Messe. Das kann man auch daran ablesen, dass es eine neue Buchhandlung in Halle 2 geben wird, die nur Phantastik-Titel anbietet. 

Aber es geht auch eine Nummer realistischer. Clemens Meyer hat einen neuen Erzählband geschrieben, „Die stillen Trabanten“ (S. Fischer), Eva Menasse ist mit „Tiere für Fortgeschrittene“ (KiWi) dabei, Jochen Schmidt mit seinem Roman „Zuckersand“ (C. H. Beck), Olga Grjasnowa mit „Gott ist nicht schüchtern“ (Aufbau), Doris Knecht mit „Alles über Beziehungen“ (Rowohlt Berlin), Ronja von Rönne mit ihren Kolumnen „Heute ist leider schlecht“ und und und. Nicht zu vergessen die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse: Unsere Redakteurin Melanie wird „Hagard“ von Lukas Bärfuss besprechen. Ob der Wallstein Verlag bzw. sein Autor auch die Auszeichnung erhält? Die Auflösung gibt es gleich am Donnerstagnachmittag.

© www.leipziger-buchmesse.de


Natürlich sollte ich an dieser Stelle zwei der großen Themen dieser Messe nicht vergessen. Einmal ist das die Reformation, ein hochinteressantes, aber nicht immer leicht zu vermittelndes Thema. Unser Redakteur Kilian hat sich ein Sachbuch aus der Evangelischen Verlagsanstalt ausgesucht, das einen konkreten Bezug zur Region herstellt: „Der Lutherweg in Sachsen“. Aber auch im Bereich Belletristik wird man fündig, zum Beispiel bei Feridun Zaimoglus neuem Buch. Es ist der Luther-Roman „Evangelio“ (KiWi). Dazu kann man auf „Leipzig lauscht“ morgen direkt ein Interview mit dem Autor nachlesen. 

Und das zweite große Thema ist das Schwerpunktland Litauen. Dazu bietet das dortige Kulturministerium zahlreiche interessante Veranstaltungen an, aber auch einige Verlage machen sich mit Engagement um die Vermittlung der litauischen Literatur verdient. Hier will ich unbedingt den Guggolz Verlag (http://www.leipziglauscht.de/index.php/2017/03/13/fuenf-fragen-fuer-sebastian-guggolz/) erwähnen, der am Messefreitag nicht nur mit dem Förderpreis der Kurt Wolff Stiftung ausgezeichnet wird, sondern auch den wichtigen litauischen Autor Antanas Škėma auf deutsch verlegt. Im Mitteldeutschen Verlag erscheinen gleich drei interessante Titel, darunter der Band „Ein glücklicher Mensch“ mit litauischen Märchen. „Kein Streicheln“, eine Anthologie mit Erzählungen der jüngeren litauischen Autorengeneration, wird unsere Redakteurin Madeleine besprechen, und Franziska hat sich die Erzählungen von Alvydas Šlepikas ausgesucht, die unter dem Titel „Der Regengott“ erscheinen. 

Was hier jetzt noch ein bisschen zu kurz kam, sind die vielen neuen Sachbücher. Es kristallisieren sich in den Neuerscheinungen bestimmte Schwerpunkte heraus, zum Beispiel immer noch das Thema Flüchtlinge und Willkommenskultur wie in der Sozialreportage „Kaltland“ von Jasna Zajcek (Droemer). Einige Titel beschäftigen sich mit dem Rechtsruck in Deutschland und Europa, so etwa „Bürgerliche Scharfmacher. Deutschlands neue rechte Mitte“ (Orell Füssli) oder „Unter Sachsen. Zwischen Wut und Willkommen“. Der Sammelband aus dem Ch. Links Verlag sorgte schon im Vorfeld für Aufmerksamkeit, weil seine Berliner Premiere nicht in der Sächsischen, sondern in der Thüringischen Landesvertretung stattfinden wird. 

© Patricia Blume
So viel mehr schöne und interessante Bücher und Veranstaltungen könnte ich noch erwähnen. Aber die Zeit drängt, denn morgen geht es ja eigentlich schon los. Abends wird die Buchmesse im Gewandhaus feierlich eröffnet mit der Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung. Der großartige Mathias Énard erhält ihn in diesem Jahr. Und nach der gediegenen Eröffnung folgt das Messegewusel der nächsten vier Tage. 

Also: Klar, Ihr verpasst eine Menge in Leipzig. Aber hey, es gibt leipziglauscht.de! Wir halten Euch auf dem Laufenden. 

Einstweilen danke ich dem BücherKaffee-Team ganz herzlich. Wir finden es toll, dass wir die Kolumne vertretungsweise übernehmen dürfen.

Patricia und die LauscherInnen aus Leipzig

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#Indiebookday 2017 - ich habe ein Blinddate!

Samstag, 18. März 2017 1 Kommentar

Heute ist es wieder soweit - heute werden die tollen Buchperlen aus den unabhängigen Verlagen gefeiert! Diese schöne Aktion wurde schon im Jahr 2013 ins Leben gerufen und findet seither von Jahr zu Jahr mehr Anklang - und das nicht nur in Deutschland. 
Aber wie funktioniert das nun mit dem #Indiebookday und was soll damit eigentlich bezweckt werden? Alle Informationen rund um diesen Tag findet ihr auf der offiziellen Seite www.indiebookday.de. Der Indiebookday ist eine Initiative des mairisch Verlags: www.mairisch.de. Übrigens gibt es auch in diesem Jahr wieder eine Facebook-Veranstaltung zu diesem schönen Ereignis. Aber auch auf allen anderen sozialen Kanälen könnt ihr euch mit dem Hashtag #indiebookday informieren und eure Beiträge/Bilder/Kommentare mit anderen teilen. 

Geht am 18.03.2017 in einen Buchladen Eurer Wahl und kauft Euch ein Buch. Irgendeines, das Ihr sowieso gerade haben möchtet. Wichtig ist nur: Es sollte aus einem unabhängigen/kleinen/Indie-Verlag stammen.
Danach postet Ihr ein Foto des Covers, des Buches, oder Euch mit dem Buch (oder wie Ihr möchtet) in einem sozialen Netzwerk (Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat) oder einem Blog Eurer Wahl mit "#indiebookday". Wenn Ihr die Aktion gut findet, erzählt davon.

Ich habe in diesem Jahr dank der wunderbaren Sarah vom Blog Pinkfisch.net ein Blinddate mit Büchern aus unabhängigen Verlagen. Sarah ist eine Buchhändlerin mit Herz und Seele im Buchladen am Freiheitsplatz in Hanau und ich konnte ihrem Geschmack schon immer vertrauen. Und da ich niemanden kenne, der sich besser und intensiver auf den #indiebookday vorbereitet wie sie, kam mir dieses Jahr die Idee mit dem Blinddate. Einem Blinddate mit Büchern! Ich nannte Sarah einen Betrag x, den ich ausgeben mag und überlies es völlig ihr, welche Bücher sie mir dafür sendet. :) 

Ich habe nun vor zwei Tagen diese wundervoll verpackte Post aus dem Buchladen am Freiheitsplatz bekommen und bin immer drumherum geschlichen - aber ich habe tapfer ausgeharrt bis heute. 

Heute morgen nun habe ich es mir gemütlich gemacht mit einer schönen Tasse Kaffee und ganz gespannt die Päckchen geöffnet. 
Und wie ich es mir schon gedacht habe - ich bin begeistert! Sarah, ich danke dir für diese tolle Auswahl und du hast es wieder einmal zu 100% meinen Geschmack getroffen! Danke, dass du für die Idee Feuer & Flamme warst. 


Die Küche der Achtsamkeit | Tainá Guedes


Zum Inhalt: Handfestes Kochbuch, persönliche Geschichte und Ernährungsphilosophie in einem: Dieses wunderschöne Buch zelebriert eine achtsame Küche, die viel mehr bedeutet als sich irgendwie zu ernähren. Aufmerksam sein, sich verbunden fühlen - und das Leben auskosten bis aufs kleinste Reiskorn...
Mottainai – das ist ein zentraler Begriff in Tainá Guedes’ Küche der Achtsamkeit. Er stammt aus dem Buddhismus und meint den Respekt vor den Dingen und das Bestreben, entsprechend mit ihnen umzugehen und nichts zu verschwenden. Tainá Guedes begegnete ihm, als sie – ihr Gastronomie-Diplom und mehrere Jahre Kocherfahrung in einem japanischen Restaurant im Gepäck – nach Japan reiste, um dort die traditionelle buddhistische Shojin-Ryori-Küche, die »Küche der Hingabe«, zu studieren und zu erlernen.  In diesem Buch zeigt Tainá Guedes in 50 Rezepten, was achtsam kochen, was Mottainai für sie bedeutet und wie sie diese Idee mit ihren eigenen Vorstellungen einer gesunden, zeitgemäßen und glücklich machenden Küche kombiniert: In zehn Kapiteln mit poetischen Fotos und Illustrationen nimmt sie uns mit auf eine inspirierende und sehr persönliche Reise durch ihr Küchen-Universum, in dem sich bewusste Ernährung und Kreativität, Gesundheit und lustvolles Essen nicht im Wege stehen, sondern aufs Schönste ergänzen.




Mein Vater ist Putzfrau | Sophia Azzeddine


Zum Inhalt: Was macht ein vierzehnjähriger Pariser Vorstadtjunge aus prekären Verhältnissen abends in der Bibliothek? Er hilft seinem Vater, der den Lebensunterhalt der Familie als Putzkraft verdient, und wischt Staub von den Büchern. Hin und wieder schlägt er eines auf, lernt neue Wörter und lacht sich kaputt.
Eigentlich gibt es nichts zu lachen in der Pariser Banlieue. Paul, genannt Polo, ist ziemlich klein, hässlich, weiß und arm. Seine Mutter klebt krank und bewegungslos vor dem Fernseher, die ältere Schwester sorgt sich um ihre Fingernägel und träumt davon, einen Schönheitswettbewerb zu gewinnen. In der Schule sind alle cooler als Paul und wenn schon nicht reich, dann wenigstens arabisch, jüdisch oder schwarz. Mit dem Vater, der sich nie beklagt und alle Demütigungen mit geradem Rücken wegsteckt, kann Paul gut reden – und schweigen. Von Priscilla erzählt er lieber nichts und auch nicht von Sylvie, die seinen Kopf und seine Hände beschäftigen … Auch dass er sich längst nicht mehr um den Staub auf den Büchern kümmert, sondern begonnen hat, sie zu lesen, behält Paul vorerst für sich.




Die Sommer der Porters | Elisabeth Graver


Zum Inhalt: Seit Generationen sucht die wohlhabende Familie Porter Zuflucht in ihrem Sommerhaus auf der felsigen Halbinsel Ashaunt vor Massachusetts, wo die Tage endlos und unbeschwert sind. Als dort im Sommer 1942 ein Militärstützpunkt entsteht, hat die Idylle ein jähes Ende. Ein Sohn zieht in den Krieg, eine Tochter wird ihrer Unschuld beraubt, ein Kindermädchen muss sich zwischen ihrer Liebe zu einem Soldaten und ihren Schützlingen entscheiden. Erst in den kommenden Jahrzehnten, in denen die Kinder und Enkelkinder der Porters erwachsen werden und die Ausläufer von neuen Kriegen und Krisen Ashaunt erreichen, wird sich erweisen, dass der Sommer der Soldaten trotz allem nur einer von vielen war.Mit großer Empathie und in brillanter Prosa erzählt Elizabeth Graver in ihrem Generationenroman von einer Familie und einem vom Meer umspülten Landstrich - und entwirft dabei ein berührendes und zugleich entwaffnend gelassenes Bild vom Leben.


Ich bin  sehr gespannt auf eure Buchschätze zum Indiebookday 2017. Welches Buch habt ihr gekauft bzw. werdet ihr heute kaufen?

[alexandra]

Eine Buchperle: Der dritte Mann | Graham Greene | Illustriert von Annika Siems

Donnerstag, 16. März 2017 2 Kommentare

Ein Klassiker in edlem Gewand.



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Graham Greene (1904-1991) schrieb das Buch „Der dritte Mann" für die Verfilmung mit Orson Welles, die 1949 in die Kinos kam. Regie führte damals Carol Reed. In seinem Vorwort erzählt Greene, dass er den Text als Erzählung konzipiert hat, um im Gegensatz zu der üblichen Kurzform eines Drehbuchs mehr Stimmung und Atmosphäre einzufangen. Obwohl es nicht vorgesehen war erschien dann das Buch erstmals im Jahr 1950.




Die Geschichte

Rollo Martins kommt auf Einladung seines alten Freundes Harry Lime nach Wien. Dort erfährt er zu seinem Entsetzen, dass Harry von einem Auto angefahren wurde und starb. Er kommt gerade noch rechtzeitig zu Harrys Beerdigung. So mir nichts dir nichts will Rollo aber nicht wieder abreisen. Als er sich bei den Beteiligten über die Details des Unfalls erkundigt, fallen ihm kleine Ungereimtheiten auf und er glaubt bald schon nicht mehr an einen Unglücksfall. Er gerät in ein tödliches Spiel zwischen Schiebern und Ermittlern.



Ich habe auch schnell das Gefühl, dass man nichts von dem, was die Zeugen berichten, glauben kann. Das erschafft einen ganz klassischen Spannungsbogen, der Schritt für Schritt zur Wahrheit führt. Greene zieht mich mit der starken Charakterisierung seiner Protagonisten, seiner stimmigen Erzählform und dem Setting in seinen Bann. Gerade die Umstände in Wien kurz nach dem Zweiten Weltkrieg tragen dazu bei. Die Stadt ist unter den vier Siegermächten in Zonen aufgeteilt. Vieles läuft unter der Hand, es gibt Verhaftungen und Entführungen. Das Vertrauen zwischen Russen und Engländern, Amerikaner und Franzosen schwindet. Wer keine Papiere hat kann sich kaum in den Straßen bewegen. Vieles läuft verdeckt und im Untergrund. Dieses ungewöhnliche Umfeld verstärkt das Gefühl der Unsicherheit enorm.



Dass das Buch als Drehbuch diente, merke ich daran, wie es Bilder wie von einem Film in meinem Kopf erzeugt. Ich sehe es praktisch vor mir, wie Rollo durch das winterliche Wien stapft mit dem Gefühl, verfolgt zu werden. Wie er den Hut tiefer zieht und den Mantelkragen aufstellt. Greene fängt die typische Atmosphäre eines Film Noir perfekt ein.


Die Illustrationen

Das geheimnisvolle und düstere der Vorlage sollte sich auch in den Illustrationen wiederfinden. Mit den in Sepiafarben gehaltenen Tuschezeichnungen verstärkt Annika Siems die Stimmung des Buchs nochmal. Die zumeist auf Doppelseiten gedruckten Bilder von dunklen Winkeln und angespannten Gesichtern sind großartig gemacht und ziehen mich förmlich in die Zeit der vierziger Jahre. 



Diese Ausgabe von „Der dritte Mann" ist eine ganz besondere und ein Must-have für Freunde des klassischen Thrillers.

© 2017, Marcus Kufner









Der dritte Mann | Graham Greene | Edition Büchergilde
Illustriert von Annika Siems
Aus dem Englischen von Nikolaus Stingl
2017, gebunden, 200 Seiten, ISBN: 9783864060762
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[marcus]

Rezension: Der Fluch des Wüstenfeuers | A.S. Bottlinger

Montag, 13. März 2017 2 Kommentare

Spannendes Abenteuer in mystisch-orientalischer Atmosphäre.


Von klein auf ist Iaret mit der verbotenen Magie der Wüste begabt. Ein Siegel auf ihrer Stirn soll den Zauber bannen, wie bei allen Frauen im Reich. Als Iaret versucht, das Siegel zu brechen und dem Harem des Herrschers zu entfliehen, wird sie in den Kerker von Niat geworfen. Noch nie ist es jemandem gelungen, von dort auszubrechen. [© Text und Cover: Klett-Cotta Verlag]

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Eine Geschichtsschreiberin besucht zwei sehr alte Beduinen in der Wüste. Sie möchte Informationen über Ereignisse, die schon viele Jahre zurückliegen. Die beiden sind die letzten Lebenden, die damals dabei waren. Also setzen sie sich ans Lagerfeuer und beginnen zu erzählen. Das ist der stimmungsvolle Rahmen um die mystische Geschichte, die dann folgt, da kommt gleich eine schöne orientalische Stimmung auf.

Achtzehn Jahre ist Iaret alt, als sie in den Harem des großen Herrschers Secham aufgenommen wird. Wenn es nach ihrer Mutter geht, sollte sie sich geehrt fühlen, ihm dienen zu dürfen. Sie passt aber so gar nicht in diese demütige Rolle. Secham behandelt seine Frauen sehr unwürdig, was bei meinem Sinn für Gerechtigkeit gleich Empörung hervorruft.

„Mächtige Söhne. Das bin ich für ihn. Jemand, der ihm Söhne gebärt." (S. 27)

Die tapfere Iaret will sich mit diesem Schicksal nicht abfinden. Beim Versuch, das Siegel zu brechen um die Macht des Wüstenfeuers freizusetzen, wird sie erwischt und landet in den Tiefen des Kerkers.

Dort spielt sich der größte Teil der Handlung ab. Die Autorin verzichtet auf weitere Schauplätze. Dadurch wird die Geschichte geradlinig und erzeugt einen angenehmen Lesefluss und einen guten Spannungsbogen. Auch wenn zu Beginn schon klar ist, dass die beiden Erzähler überleben, sind die Ereignisse packend, geht es doch ständig um Leben und Tod. Das, kombiniert mit mystischen Kräften und geheimnisvollen Wesen, ergibt ein fesselndes Abenteuer.

„Ihr seid eine Plage. Ihr glaubt, die Götter haben die Welt nur für euch geschaffen. Ihr denkt, ihr könnt damit tun, was ihr wollt." (S. 264)

Nicht nur der Herrscher Secham geht zur Erhaltung seiner Macht über Leichen. Gerade im Kerker ist ein Menschenleben nicht viel wert. Es gibt dort keine Zellen, er besteht aus weit verzweigten Stollen und Hallen. Um Nahrung wird hart gekämpft, sie wird von den Wächtern einfach in die Grube geworfen. Hunger ist ein ständiger Begleiter. Iaret geht es durch ihr beschädigtes Siegel nicht gut, sie kämpft nicht nur für ihre Freiheit, sondern auch um ihr Leben. Aber sie findet mutige Freunde, nur gemeinsam haben sie eine Chance, den Gefahren in ihrem Gefängnis zu trotzen.

Persönliches Fazit

„Der Fluch des Wüstenfeuers" bietet eine unkomplizierte aber spannende Geschichte in einer mystisch-orientalischen Atmosphäre. Die schlummernden gewaltigen Kräfte, die gelungenen Charaktere und die flotte Schreibweise haben mich sehr gut unterhalten.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Der Fluch des Wüstenfeuers | A.S. Bottlinger | Klett-Cotta Verlag
2016, Klappenbroschur, 367 Seiten, ISBN: 9783608960273
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[marcus]

10x3 Dinge über ... Jan vom Blog lost pages

Sonntag, 12. März 2017 11 Kommentare

Wir möchten euch gerne tolle Blogs aus den verschiedensten Bereichen vorstellen und haben dabei unser Augenmerk besonders auf die Personen hinter diesen schönen Blogseiten gelegt. WER schreibt denn da eigentlich, wessen Beiträge begeistern uns da immer wieder? Wir blicken hinter die Kulissen - kurz und prägnant. Wir freuen uns sehr, dass sich Jan vom Blog lost pages der Herausforderung gestellt und unsere > 10x3 Dinge über... < beantwortet hat.





Auf seinem Blog lost pages finden sich Meinungen zu Büchern ganz unterschiedlicher Genre. Zu seiner Anfangszeit lag der Schwerpunkt im Bereich der Jugendliteratur, mittlerweile liest Jan aber sehr gerne querbeet, häufig auch auf Englisch und freut sich über jeden neuentdeckten Buchschatz – besonders auf Vielfältigkeit versucht er momentan viel Wert zu legen. Neben seinen Rezensionen finden sich gelegentlich Plauderposts zu unterschiedlichen Themen, dort schreibt er u.a. auch über Filme. Unter der Rubrik "Memories" findet ihr Rückblicke und Erinnerungen zu den jährlichen Besuchen auf den Buchmessen. Schaut vorbei und macht euch selbst ein Bild - es lohnt sich wirklich sehr! 

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3 Eigenschaften, die dich besonders gut beschreiben

→ ruhig
→ spaßig
→ harmonisch

3 Romane, die dir in diesem Jahr gut gefallen haben.

All the Ugly and Wonderful Things von Bryn Greenwood
Pusteblumentage von Rebecca Westcott
Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster von Susann Pásztor

3 Sach-/Fach-/Hobbybücher, die dich überzeugten und großen Mehrwert für dich hatten.

Wohnen in Grün – Dekorieren und stylen mit Pflanzen
One Pot Wonders – Alles in einem Topf gekocht
Klartraum – Wie Sie Ihre Träume bewusst steuern können

3 Filme/Serien, die du gerne geschaut hast/gerne schaust.

→ Shameless
→ How to get away with Murder
→ Nashville

3 Songs von deiner Lieblings-Playlist.

→ Avril Lavigne – I'm with You
→ Rihanna - Firebomb
→ Sara Bareilles - Gravity

3 Blogs, deren Posts dich besonders inspirieren.

Die Liebe zu den Büchern
reading tidbits
Influenza Bookosa

3 Insta-/Pinterest-Accounts, denen du mit Begeisterung folgst.

→ @missgoldblatt
→ @margo.hupert.art
→ @damarisliest

3 Länder, die du gerne bereisen möchtest.

→ Grönland
→ Island
→ Irland

3 Dinge, die du unbedingt einmal ausprobieren/tun möchtest.

→ Reise mit Nostalgiezug
→ Ein Instrument lernen (vorzugsweise Gitarre oder Klavier)
→ Tauchen (lernen)

3 Fotos aus deinem (Blogger)Leben.




© Alle Bilder dieses Beitrags unterliegen dem Copyright von Jan F. / lost pages

[alexandra]

Rezension: Das Licht und die Geräusche | Jan Schomburg

Donnerstag, 9. März 2017 0 Kommentare



Es ist Johanna schleierhaft, warum sie und Boris kein Paar sind. Klar, eigentlich ist Boris mit Ana-Clara zusammen, aber die ist weit weg in Portugal, während Johanna und Boris jede freie Minute miteinander verbringen und über alles reden, außer darüber, warum sie sich noch nicht geküsst haben. Johanna versteht das nicht, und das nervt sie. Und sie will auch verstehen, warum Marcel sich auf der Klassenfahrt nach Barcelona einen Mitschüler wie einen Knecht hält, warum Boris die ganze Zeit kichern muss, während ihn vier Typen auf der Tanzfläche eines Clubs zusammenschlagen wollen, und warum er nach dieser Nacht am See plötzlich verschwunden ist. Gemeinsam mit Ana-Clara und Boris' Eltern sucht Johanna in Island nach Boris und findet heraus, dass viele Dinge ihr Wesen verändern, je länger man sie betrachtet. Und dass Ana-Claras Augen doch nicht so ausdruckslos sind, wie sie immer gedacht hat. [© Text und Cover: dtv Verlag]

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Wie verwirrend ist doch das Dasein für einen Teenager! So geht es zumindest Johanna, die uns als Ich-Erzählerin ein Stück weit an ihrem Leben teilhaben lässt. Im Mittelpunkt steht ihre Beziehung zu ihrem Mitschüler und besten Freund Boris. Er ist ein besonderer Mensch, und Johanna versucht immer wieder, ihn zu verstehen. Und auch zu verstehen, wieso sie noch kein Paar sind. Ist die Verbindung zu seiner im fernen Portugal lebenden Freundin wirklich so ernst? 

„Wenn ich Ana-Clara lieben kann, wenn ich etwas Liebenswertes an ihr entdecken kann, dann kann ich Boris weiter lieben. Wenn ich nichts finde, was sich lieben lässt, kann ich Boris nicht mehr lieben. So einfach ist das, sage ich mir." (S. 16)

Immer wieder gibt es Sprünge in der Zeit zurück, beispielsweise als Boris neu in Johannas Schule kam oder zur Klassenfahrt nach Spanien. Das verlangt meine Aufmerksamkeit, damit ich weiß, wo und wann wir uns gerade befinden, dient aber gut der Charakterisierung der Protagonisten. Jan Schomburg geht dabei tief in die Psyche seiner Darsteller, die sich ihr Verhalten oft selbst nicht so richtig erklären können. Das ist so fesselnd, dass die Handlung selbst eher vernachlässigt werden kann.






Dazu passt der Sprachstil: Johanna umschreibt den Kern ihrer Überlegungen ganz gerne. Das führt häufig zu Verschachtelungen, bei denen sie sich im Kreis zu drehen scheint. In Verbindung mit ihrer jugendlichen, etwas abgerissenen Ausdrucksweise hat mir dieser ungewöhnliche Stil sehr gut gefallen. 

„Ich kann nur verlieren, wenn ich jetzt etwas sage. Und das liegt daran, dass ich eigentlich verstehen müsste, was gerade passiert. Zumindest habe ich das Gefühl, dass Boris voraussetzt, dass ich Bescheid weiß. Und obwohl ich überhaupt nicht Bescheid weiß, sage ich lieber nichts, damit wenigstens die Möglichkeit bestehen bleibt, ich würde es wissen. Aber ich habe echt keine Ahnung, was gerade in Boris vorgeht." (S. 134)

Persönliches Fazit

„Das Licht und die Geräusche" ist ein Roman, der weniger von einer dramatischen Geschichte, dafür aber von der feinsinnigen Charakterisierung der Darsteller getragen wird. Die Wirrungen und Irrungen der Jugend hat Jan Schomburg in eine dazu passende Sprache umgesetzt, die ausgesprochen gut die Gedanken und Gefühle der jungen Erzählerin vermittelt.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Das Licht und die Geräusche | Jan Schomburg | dtv Verlag
2017, gebunden, 256 Seiten, ISBN: 9783423431897
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[marcus]

Rezension: Ein fauler Gott | Stephan Lohse

Montag, 6. März 2017 6 Kommentare

Ein toller Debütroman!


Sommer 1972. Benjamin ist vor einigen Wochen elf geworden. Im nächsten Schuljahr wird er ein Herrenrad bekommen, eine Freundin und vielleicht eine tiefe Stimme. Doch dann stirbt sein kleiner Bruder Jonas. Nachts sitzt Bens Mutter auf einer Heizdecke und weint. Ben kommt nun extra pünktlich nach Hause, er spielt ihr auf der C-Flöte vor und unterhält sich mit ihr über den Archäopteryx. An Jonas denkt er immer seltener. Ben hat mit dem Leben zu tun, er muss für das Fußballtor wachsen, sein bester Freund erklärt ihm die Eierstöcke, und sein erster Kuss schmeckt nach Regenwurm. Mit seiner neuen Armbanduhr berechnet er die Zeit. [© Text und Cover: Suhrkamp Verlag]

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Gute Bücher gibt es viele. Einige unterhalten mich gut, andere sind spannend oder erzählen eine gute Geschichte. Dann gibt es - sehr viel seltener - welche, die aus dieser Reihe hervortreten und mich beeindrucken. „Ein fauler Gott" ist ein solches Exemplar, das ich zu diesen Buchschätzen zähle.

Dabei geht es doch um ein tieftrauriges Thema. Jonas stirbt im Alter von acht Jahren. Wie sollen sein Bruder Ben und seine geschiedene Mutter Ruth mit diesem unfassbaren Schicksalsschlag zurechtkommen? Da helfen die tröstenden Worte des Pfarrers oder Phrasen wie „Die Zeit heilt alle Wunden" kaum weiter. Es gibt keine Anleitung zum Trauern. Die beiden versuchen, zusammen und doch jeder für, sich mit ihrem Leben, ihrem Alltag weiterzumachen und den Verlust darin zu integrieren. Eine schwere Aufgabe.

„Mami geht zum Weinen in ihr Schlafzimmer. Sie denkt, dass Ben sie dort nicht hört. Doch Ben hört alles. Er hört ihr murmelndes Schluchzen, das Zittern in der Luft, wenn sie nach Atem ringt, ihr Schniefen, während sie ein Taschentuch sucht, er hört ihr Wimmern, hört, wenn sie auf »Nein« weint oder auf »O Gott« oder auf »Bitte nicht«. Er hört, wenn sie müde wird und still und sich schnäuzt und »Gut jetzt« sagt und aufsteht und aus dem Schlafzimmer kommt und mit ihrem Leben weitermacht." (S. 94)



Stephan Lohse lässt mich aber keineswegs in Trauer versinken. Die meisten Teile des Buchs beschreiben die Dinge aus Bens Sicht, und der beschäftigt sich hauptsächlich mit Schule, Freunden oder Nachbarn. Gerade durch die Fokussierung auf Nebensächlichkeiten und Details wird mir seine enorme psychische Belastung bewusst, die immer knapp unter der Oberfläche zu liegen scheint. Obwohl Lohse aus der dritten Person schreibt, benutzt er dabei die Ausdrucksweise eines Kindes. Das bringt mich sehr nah ran an Ben und ich kann gut nachfühlen, was in ihm vorgeht. Abgesehen davon macht mir dieser Schreibstil einfach auch Spaß.

„Gott ist zu beschäftigt. Er wohnt gleichzeitig auch in allen anderen Kirchen der Erde. Er hört dort den Menschen beim Beten zu. Er hört auch die Menschen, die es nicht in die Kirche geschafft haben und zu Hause beten oder bei der Arbeit. Er soll sogar auf die Menschen hören, die überhaupt nicht beten. Wie soll das gehen?" (S. 193)



Gott findet sich nicht nur im Buchtitel, auch Ben beschäftigt sich mit ihm und stellt sich Fragen, auf die schon viele vor ihm Antworten gesucht haben. Stephan Lohse beweist bei diesem und weiteren Themen, die Ben umtreiben, großes Feingefühl. Das bettet er unaufdringlich in eine Zeit ein, in der es die DDR noch gab und „Ostzone" genannt wurde und in der so wie Ruth vielen die Erinnerung an den Krieg noch gegenwärtig waren. Auch das trägt zu einem stimmigen Gesamtbild bei.

Persönliches Fazit

Ich bin begeistert von der subtilen Art, mit der Stephan Lohse den Verlust von Sohn und Bruder behandelt. Vor allem durch die Verwendung der Perspektive und der Sprache des elfjährigen Bens wird das Buch sehr lebendig und lebensnah. Für mich ein echtes Highlight und ein tolles Debüt!

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Ein fauler Gott | Stephan Lohse | Suhrkamp Verlag
2017, gebunden, 336 Seiten, ISBN: 9783518425879
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[marcus]

Rezension: William Wenton und die Jagd nach dem Luridium | Bobbie Peers

Freitag, 3. März 2017 2 Kommentare












Niemand kann Rätsel besser lösen als William Wenton! Doch als er einen angeblich unlösbaren Code knackt, wird er von geheimnisvollen Fremden ans Institut für Posthumane Forschung entführt. Hier erfährt er, dass er zu den sogenannten Kandidaten gehört, deren Aufgabe es ist, die Welt vor dem gefährlichen Luridium zu beschützen. Dabei soll ihm ein Orbis helfen, eine Art fliegende Kugel, deren Form und Größe sich ständig verändert. Doch William hat scheinbar übermächtige Gegner und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. [© Text und Cover: Carlsen Verlag]

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Rätselhaft geht es los: Wieso ist Williams Opa vor acht Jahren spurlos verschwunden? Wieso hat William mit seinen Eltern damals England verlassen und sich in Norwegen verstecken müssen? Er kennt die Antworten auf diese Fragen nicht. Er weiß aber, dass er gut Codes knacken kann. Das sind Zylinder voll mit Elektronik, die nur schlaue Köpfe öffnen können. Als der schwerste Code der Welt nach Norwegen kommt, zieht er William magisch an. Schon bald nehmen die Dinge damit ihren Lauf.

Er landet im Institut für Posthumane Forschung. Eine Einrichtung, die sich mit Kybernetik und Robotertechnik beschäftigt. Für William ist das wie ein Internat, allerdings kein normales, sondern eines das vollgestopft ist mit wundersamer Technik. Es gibt Roboter mit allen möglichen Funktionen, egal ob die Sinn machen oder nicht. Das ist eine Welt, in der sich William so richtig wohl fühlt. Er ist äußerst begierig, alles darüber zu erfahren. 



William freundet sich mit Iscia an, die wie er zu der Gruppe der Kandidaten gehört. Und Freunde und Helfer kann er schon bald gebrauchen, denn irgendetwas macht Jagd auf ihn. Bald schon ist es mit der Ruhe vorbei und die Story nimmt wieder richtig Fahrt auf.

Die Geschichte von William Wenton ist Bobbie Peers sehr gut gelungen. Die Zusammenhänge zwischen dem Verschwinden des Großvaters und dem, was seinem Enkel passiert, sind gut überlegt. Das Gleichgewicht zwischen ruhigen Passagen, in denen es viel zu entdecken gibt, und temporeicher Action passt. Die kurzen Kapitel fliegen nur so dahin, und eine Prise Humor erhöht auch noch den Lesespaß.



In Norwegen ist vor Kurzen bereits der zweite Band von William Wenton erschienen, und die Filmrechte sind auch schon vergeben. Prima, denn damit werden wir auch in Zukunft noch von ihm hören. 

Persönliches Fazit 

Eine clevere Geschichte, ein schlauer Hauptdarsteller, viel fesselnde Technik und ordentlich Action machen „William Wenton und die Jagd nach dem Luridium" zu einer spannenden Lektüre. Leser ab 10 Jahren, die von Robotern und ähnlichem technischen Schnickschnack fasziniert sind, sind bei diesem Buch bestens aufgehoben.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


William Wenton und die Jagd nach dem Luridium | Bobbie Peers | Carlsen Verlag
Aus dem Norwegischen Gabriele Haefs
2017, gebunden, 240 Seiten, ISBN: 9783551553676
ab 10 Jahren
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[marcus]

Ankündigung || Die LESEPARTY zur Leipziger Buchmesse - das Alternativprogramm für alle Daheimgebliebenen!

Donnerstag, 2. März 2017 3 Kommentare

 Teilt mit uns 4 Tage lang die Bücherliebe.


Bald schon ist es wieder soweit und hunderte Bücherliebhaber - Autoren, Verlagsmitarbeiter und Blogger - treffen sich auf der Leipziger Buchmesse, um sich über das auszutauschen, was sie alle gemeinsam haben: tolle Bücher. Manchmal schafft man es aber auch nicht zur Messe und für all diejenigen, die diesmal nicht dabei sein können, haben wir wieder ein Alternativprogramm:


Bisher wurde die Leseparty von Petzi von Die Liebe zu den Büchern und Jess von primeballerina’s books organisiert. Da Jess in diesem Jahr aber live vor Ort in Leipzig ist (und natürlich trotzdem ein wenig mit uns feiert), springen diesmal Evi von Literat(o)ur und wir vom BücherKaffee mit ins Boot und unterstützen Petzi  - und zusammen schmeissen wir für alle Daheimgebliebenen die große Leseparty

Wir wollen wieder mit euch zusammen lesen, bloggen und kreativ sein und uns vor allem mit euch über Bücher austauschen. Damit der Messeblues nicht allzu schlimm wird haben wir natürlich auch wieder ein paar Gewinnspiele geplant – lasst euch überraschen. 

Unsere Leseparty startet am Donnerstag, 23. März um 13 Uhr und endet am Sonntag, 26. März, um 20 Uhr. Der Einstieg ist selbstverständlich jederzeit möglich, natürlich auch dann, wenn ihr selbst auch auf der Messe wart. 

Folgt unserer Veranstaltung auf Facebook um nichts zu verpassen. Mit dem Hashtag #Leseparty darf aber natürlich auch fleißig getwittert werden. Wer während der Leseparty tolle Fotos bei Instagram hochladen möchte, darf gerne denselben Hashtag benutzen, damit wir eure Beiträge auch finden. Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr euch unserer Leseparty anschließt und vier Tage lang mit uns die Bücherliebe feiert.

Bild © kaboompics.com

[alexandra]