[Gastkolumne] Aufgelesen #31 | LBM2017: liest sich gut, auch aus der Ferne

Dienstag, 21. März 2017 3 Kommentare

Leipzig liest – und wir hören zu. Wir sind Studierende der Universität Leipzig aus unterschiedlichen Fächern, aber mit einer gemeinsamen Begeisterung für Bücher, für das Lesen und das Schreiben. Zur Leipziger Buchmesse schwärmen wir aus und berichten auf unserem Blog »Leipzig lauscht«. »Leipzig lauscht« gibt es seit 2015. Der Blog entsteht in Regie der Leipziger Buchwissenschaft und wird von der Leipziger Buchmesse und dem »kreuzer« unterstützt.

[Patricia, Redakteurin] Für alle, die nicht nach Leipzig fahren können und den Bücherfrühling von zu Hause aus erleben, kommt hier ein kleiner Ausblick auf das, was uns an Themen und Büchern erwarten wird. Ich gucke dabei durch die Brille von „Leipzig lauscht“ (leipziglauscht.de), dem Blog zu „Leipzig liest“. Wir sind eine große Redaktion von rund 70 Personen und haben uns schon vor einer Weile Bücher und Veranstaltungen ausgesucht. Jetzt sind grad alle mächtig am Lesen, denn in dieser Woche ist es soweit. Dann schwärmen wir zu den Veranstaltungen aus und besprechen sie. Wir gucken also nicht nur ins Buch, sondern auch auf die Performance, die Atmo und das Publikum.

Einige aus dem großen Team von „Leipzig lauscht“ 2017 © Juliane Seifert


Die neueste Nachricht: Lang Lang hat Grippe und kann nicht auf die Messe kommen. Der chinesische Tastenkünstler wollte dort seine Klavier-Lern-App vorstellen, und „Leipzig lauscht“ wollte ganz exklusiv dabeisein. Das wird also nix. Doch an Alternativen mangelt es natürlich nicht. Unsere Redakteurin Nina hat einen guten Ersatz gefunden: „Der Ursprung der Welt“, eine Kulturgeschichte der Vulva in Comic-Form, die sehr erheiternd sein soll. Das Buch von Liv Strömquist ist im Berliner avant-verlag erschienen. Wie viele andere Indie-Verlage stellt auch er seine Bücher auf der Leseinsel Junge Verlage vor, dem spannenden Zentrum der unabhängigen Kleinverlage auf der Messe. 

Doch viel schöner ist die Stimmung natürlich, wenn man sich die Neuerscheinungen der Unabhängigen irgendwo in der Stadt zu Gemüte führt. Schon am Donnerstagabend findet traditionsgemäß die Lange Leipziger Lesenacht in der Moritzbastei statt. Auf vier Bühnen gleichzeitig gibt es junge deutschsprachige Literatur im Stundentakt bis tief in die Nacht. Wir werden uns einige Autoren genauer ansehen, darunter Anke Stelling und ihren neuen Roman „Fürsorge“ (Verbrecher Verlag) über ein – sagen wir – ungewöhnliches Mutter-Kind-Verhältnis. 

Leipzig am Vorvorabend der Buchmesse. © Patricia Blume




Überhaupt gibt es aus den weniger bekannten Verlagen viele großartige Bücher zu entdecken – ganz passend zum Indiebookday letzten Samstag. Da wäre beispielsweise der Schweizer Verlag Der gesunde Menschenversand. Unsere Redakteurin Marie hat die Erzählungen von Michael Fehr ausgewählt. „Glanz und Schatten“ ist ein schmales Hardcover-Bändchen, dessen Gestaltung schon von Weitem auffällt. 

Einiges haben wir uns aus der Ecke Poetry Slam ausgesucht: Sandra Da Vina und Jan Philipp Zymny werden dabeisein (Lektora Verlag). Außerdem veranstaltet Voland & Quist mit Uli Hannemann, Kirsten Fuchs und André Herrmann einen großen Lesebühnen-Abend, den unsere Redakteurin Helen besuchen wird. Er findet in einem der ältesten Kinos Deutschlands statt, dem UT Connewitz. Dafür haben wir gleich mal ein Leseort-Porträt  (http://www.leipziglauscht.de/index.php/2017/03/20/leseorte-ut-connewitz/) geschrieben, weil es dort so einzigartig ist. Voland & Quist ist übrigens auch Mitveranstalter der Party der jungen Verlage. Die gibt es immer am Messefreitag nun schon eine ganze Weile, und alle sind inzwischen gar nicht mehr so jung. Aber egal. Gefeiert wird in diesem Jahr zum ersten Mal im hippen Leipziger Westen

Ein bisschen Mainstream darf es bei „Leipzig lauscht“ natürlich auch sein, denn die Buchmesse hat wieder einige hochkarätige Autoren im Gepäck. Zum Beispiel beim Großen Leipzig-liest-Abend in der frisch sanierten Kongresshalle am Zoo. Es kommen Thomas Brussig, Jostein Gaarder und Martin Suter. Außerdem in Leipzig: Benedict Wells, Arno Geiger, Christoph Hein und Adolf Muschg. Jussi Adler-Olsen stellt „Selfies“ vor, den siebenten Fall seines Kopenhagener Ermittlers, Sebastian Fitzek präsentiert – ziemlich oft im Messeprogramm – „AchtNacht“, Iny Lorentz bringen die „Wanderapothekerin“ mit und Markus Heitz „Des Teufels Gebetbuch“. Auch im Phantastik-Programm ist jede Menge los. Zum Beispiel kommt der US-amerikanische Fantasy-Star Brandon Sanderson und stellt sein neues Epos vor. Überhaupt wird das Segment Fantasy immer wichtiger auf der Messe. Das kann man auch daran ablesen, dass es eine neue Buchhandlung in Halle 2 geben wird, die nur Phantastik-Titel anbietet. 

Aber es geht auch eine Nummer realistischer. Clemens Meyer hat einen neuen Erzählband geschrieben, „Die stillen Trabanten“ (S. Fischer), Eva Menasse ist mit „Tiere für Fortgeschrittene“ (KiWi) dabei, Jochen Schmidt mit seinem Roman „Zuckersand“ (C. H. Beck), Olga Grjasnowa mit „Gott ist nicht schüchtern“ (Aufbau), Doris Knecht mit „Alles über Beziehungen“ (Rowohlt Berlin), Ronja von Rönne mit ihren Kolumnen „Heute ist leider schlecht“ und und und. Nicht zu vergessen die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse: Unsere Redakteurin Melanie wird „Hagard“ von Lukas Bärfuss besprechen. Ob der Wallstein Verlag bzw. sein Autor auch die Auszeichnung erhält? Die Auflösung gibt es gleich am Donnerstagnachmittag.

© www.leipziger-buchmesse.de


Natürlich sollte ich an dieser Stelle zwei der großen Themen dieser Messe nicht vergessen. Einmal ist das die Reformation, ein hochinteressantes, aber nicht immer leicht zu vermittelndes Thema. Unser Redakteur Kilian hat sich ein Sachbuch aus der Evangelischen Verlagsanstalt ausgesucht, das einen konkreten Bezug zur Region herstellt: „Der Lutherweg in Sachsen“. Aber auch im Bereich Belletristik wird man fündig, zum Beispiel bei Feridun Zaimoglus neuem Buch. Es ist der Luther-Roman „Evangelio“ (KiWi). Dazu kann man auf „Leipzig lauscht“ morgen direkt ein Interview mit dem Autor nachlesen. 

Und das zweite große Thema ist das Schwerpunktland Litauen. Dazu bietet das dortige Kulturministerium zahlreiche interessante Veranstaltungen an, aber auch einige Verlage machen sich mit Engagement um die Vermittlung der litauischen Literatur verdient. Hier will ich unbedingt den Guggolz Verlag (http://www.leipziglauscht.de/index.php/2017/03/13/fuenf-fragen-fuer-sebastian-guggolz/) erwähnen, der am Messefreitag nicht nur mit dem Förderpreis der Kurt Wolff Stiftung ausgezeichnet wird, sondern auch den wichtigen litauischen Autor Antanas Škėma auf deutsch verlegt. Im Mitteldeutschen Verlag erscheinen gleich drei interessante Titel, darunter der Band „Ein glücklicher Mensch“ mit litauischen Märchen. „Kein Streicheln“, eine Anthologie mit Erzählungen der jüngeren litauischen Autorengeneration, wird unsere Redakteurin Madeleine besprechen, und Franziska hat sich die Erzählungen von Alvydas Šlepikas ausgesucht, die unter dem Titel „Der Regengott“ erscheinen. 

Was hier jetzt noch ein bisschen zu kurz kam, sind die vielen neuen Sachbücher. Es kristallisieren sich in den Neuerscheinungen bestimmte Schwerpunkte heraus, zum Beispiel immer noch das Thema Flüchtlinge und Willkommenskultur wie in der Sozialreportage „Kaltland“ von Jasna Zajcek (Droemer). Einige Titel beschäftigen sich mit dem Rechtsruck in Deutschland und Europa, so etwa „Bürgerliche Scharfmacher. Deutschlands neue rechte Mitte“ (Orell Füssli) oder „Unter Sachsen. Zwischen Wut und Willkommen“. Der Sammelband aus dem Ch. Links Verlag sorgte schon im Vorfeld für Aufmerksamkeit, weil seine Berliner Premiere nicht in der Sächsischen, sondern in der Thüringischen Landesvertretung stattfinden wird. 

© Patricia Blume
So viel mehr schöne und interessante Bücher und Veranstaltungen könnte ich noch erwähnen. Aber die Zeit drängt, denn morgen geht es ja eigentlich schon los. Abends wird die Buchmesse im Gewandhaus feierlich eröffnet mit der Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung. Der großartige Mathias Énard erhält ihn in diesem Jahr. Und nach der gediegenen Eröffnung folgt das Messegewusel der nächsten vier Tage. 

Also: Klar, Ihr verpasst eine Menge in Leipzig. Aber hey, es gibt leipziglauscht.de! Wir halten Euch auf dem Laufenden. 

Einstweilen danke ich dem BücherKaffee-Team ganz herzlich. Wir finden es toll, dass wir die Kolumne vertretungsweise übernehmen dürfen.

Patricia und die LauscherInnen aus Leipzig

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Kommentare:

  1. Ein toller Beitrag! Auch wenn ich selber nicht nach Leipzig fahren kann, habe ich durch die vielen tollen Berichte auf den unterschiedlichsten Blogs gar nicht das Gefühl etwas richtig zu verpassen. Natürlich ist es schade und ich setze alles daran, dass ich nächstes Jahr mit dabei bin, aber ich fühle mich schon jetzt mit vielen Informationen gefüttert ;).
    Liebe Grüße,
    Cora

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  2. Das ist ja eine tolle Kolumne. Da ich die LBM nicht besuchen kann, werde ich gerne mal auf Leipziglauscht.de vorbei schauen :)

    Liebe Grüße
    Nanni

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  3. Danke für die Blumen, die ich in Sachen Kolumne gern an Bücherkaffee weiterreiche!

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