Rezension: The Girl Before | JP Delaney

Mittwoch, 31. Mai 2017 8 Kommentare

Ein ungewöhnlicher Psychothriller






Nach einem Schicksalsschlag braucht Jane dringend einen Neuanfang. Daher überlegt sie nicht lange, als sie die Möglichkeit bekommt, in ein hochmodernes Haus in einem schicken Londoner Viertel einzuziehen. Sie kann ihr Glück kaum fassen, als sie dann auch noch den charismatischen Besitzer und Architekten des Hauses kennenlernt. Er scheint sich zu ihr hingezogen zu fühlen. Doch bald erfährt Jane, dass ihre Vormieterin im Haus verstarb – und ihr erschreckend ähnlich sah. Als sie versucht, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, erlebt sie unwissentlich das Gleiche wie die Frau vor ihr: Sie lebt und liebt wie sie. Sie vertraut den gleichen Menschen. Und sie nähert sich der gleichen Gefahr. [© Text und Cover: Penguin Verlag]

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Das Erste, was mir auffällt, ist die ungewöhnliche Struktur des Buchs. Schon nach drei bis vier Seiten wechselt das Kapitel von Jane heute zu Emma, die ein paar Jahre zuvor im selben Haus gewohnt hat. Die Geschichten der beiden werden quasi gleichzeitig erzählt. Da beide aus der Ich-Perspektive geschrieben sind, ist es gar nicht so einfach, sie auseinanderzuhalten. Dass bei Emmas Teil die Anführungszeichen bei Gesprächen weggelassen wurden, hilft da nur bedingt weiter. Mit etwas Aufmerksamkeit geht das aber trotzdem.

Das Haus in der Folgate Street 1 ist ein besonderes: es wurde von dem Stararchitekten Edward Monkford entworfen und besticht durch einen minimalistischen Stil. Die Miete ist außergewöhnlich niedrig, was daran liegt, dass das Mietverhältnis durch zahlreiche Auflagen beschränkt wird. Beispielsweise ist es nicht erlaubt, eigene Möbel aufzustellen oder Bilder an die Wände zu hängen. Da der durchschnittliche Mietpreis in London ihr Budget sprengt, sind sowohl Jane wie auch Emma froh über diese Gelegenheit. Allerdings müssen sie sich erst bei Monkford für das Haus bewerben. Der Architekt hat dafür extra einen Fragenkatalog aufgestellt. Es ist eine nette Idee, das Buch hin und wieder mit einer davon aufzulockern. Die Bewerberinnen wundern sich anfangs, dass diese Fragen eigentlich nicht direkt zum Mietverhältnis passen, sie sind eher psychologischer Natur. Aber Monkford wird sich schon etwas dabei gedacht haben...












Zum Bewerbungsverfahren gehört auch ein persönliches Vorstellungsgespräch bei Edward Monkford. Sowohl Emma wie auch Jane sind sehr beeindruckt von seiner Persönlichkeit. Sie sind fasziniert davon, dass er sowohl bei seiner Arbeit als Architekt als auch als Mensch sein Ding durchzieht, ohne auf die Meinung der anderen Rücksicht zu nehmen. Ein Alphamann, wie Emma meint, und ihn damit mit ihrem eher sanften und durchschnittlichen Freund vergleicht. Dass der nicht annähernd so begeistert von ihm ist wie sie, ist verständlich. Seine kompromisslosen Ansichten teilt er nicht.

„Zwischenmenschliche Beziehungen, so wie das menschliche Leben insgesamt, neigen dazu, Überflüssiges anzuhäufen", sagt er leise. „Valentinskarten, romantische Gesten, bedeutungslose Kosenamen – die ganze Langeweile und Trägheit von Angst geprägter, spießiger Beziehungen, die abgelaufen sind, noch ehe sie richtig begonnen haben." (S. 91)





Zwei Faktoren machen die Spannung des Buchs aus: wir wissen zwar, dass Emma gestorben ist, allerdings nicht, wie genau. War es wirklich nur ein Unfall oder hat sie jemand auf dem Gewissen? Und vor allem: was passiert mit Jane? Wird es sie auch treffen? Steckt der charismatische Architekt dahinter? Wieso hat die Polizei nichts ermittelt nach Emmas Tod? Meisterhaft hat Delaney den Plot inszeniert und führt uns Stück für Stück an die Wahrheit heran. Es dauert zwar, bis sich die Spannung aufbaut, dranbleiben lohnt sich aber. Der Autor arbeitet auch die psychischen Störungen der Protagonisten sehr gut aus. Denn „normal" ist von denen eigentlich keiner. 

Persönliches Fazit

„The Girl Before" ist ein Psychothriller, der mich langsam aber sicher in seinen Bann gezogen hat. Die Beweggründe, die Schwächen und die Motivation der Charaktere hat Delaney sehr sorgfältig dargestellt und tragen gut zur Spannung bei. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen!

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


The Girl Before | JP Delaney | Penguin Verlag
2017, broschiert, 400 Seiten, ISBN: 9783328100997
Aus dem Englischen von Karin Dufner
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[marcus]

Rezension: Steirerpakt | Claudia Rossbacher

Montag, 29. Mai 2017 0 Kommentare

Mit Blut besiegelt  

Ein skurriler Leichenfund lässt die LKA-Ermittler Sandra Mohr und Sascha Bergmann zur Eisenstraße aufbrechen. Vom historischen Einser-Sessellift, der seit fast 70 Jahren vom Präbichl auf den Polster schaukelt, wurde eine nackte Leiche geborgen. Bald schon wird der tote Mann als Einheimischer identifiziert, der vor 15 Jahren nach Kanada auswanderte. Erst vor wenigen Tagen reiste der Arzt aus seiner Wahlheimat an, um dem Begräbnis seiner Mutter beizuwohnen. Sandra Mohr stößt auf so manche alte Wunde, die er dabei aufgerissen hat. Und auf weitere Leichen ... [Text & Cover: © Gmeiner Verlag]

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Man sollte meinen, nach sechs erfolgreich gelösten Fällen könnten allmählich erste Zeichen von Amtsmüdigkeit auftreten. Das Gegenteil ist bei Claudia Rossbacher und ihren beiden Ermittlern vom Landeskriminalamt Steiermark der Fall. Auch ihre mittlerweile siebte Zusammenarbeit führt Sandra Mohr und Sascha Bergmann in eine Region dieses Bundeslandes, auch diesmal werden dem Leser anhand einer kriminellen Geschichte deren Besonderheiten in einer Weise vermittelt, die den örtlichen Tourismusverband der Autorin zu Dank verpflichtet. Die Reise führt in die Region um den steirischen Erzberg, wo der Präblichl für den Wintersport erschlossen ist. Über 60 Jahre lang transportierte ein Ein-Personen-Sessellift die Gäste auf den Polster (so der Name des Berges). Im April 2016 - wie der Leser in der Vorbemerkung erfährt - wurde dessen Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Um den "Classic-Einser" dennoch als zentralen Schauplatz nutzen zu können, ist die Handlung des Romans im Mai 2014 angesiedelt. Zu eben dieser Zeit, also deutlich außerhalb der Schisaison, wird auf einem Sitz eine nackt zur Schau gestellte männliche Leiche aufgefunden. Mit dem schwelenden Konflikt zwischen Seilbahnbetreiber und einer Bürgerinitiative zur Erhaltung des Lifts wird auch gleich ein mögliches Tatmotiv präsentiert.

In inzwischen routinierter Weise wird der lokale Bezug des Romans zunächst über historische und politische Eckdaten hergestellt. Die zahlreichen ortsansässigen Persönlichkeiten artikulieren sich in einer Form der Umgangssprache, die zwar kaum als regionale Sprachvariante charakterisierbar ist, aber eine klare Grenze zwischen Haupt- und Nebenfiguren zieht. Letztere legen wenig Wert auf grammatikalische Korrektheit, lassen Silben und Wörter aus. Dabei wird auch der Umstand ausgenutzt, daß oft fälschlicherweise verbale mit intellektueller Kompetenz gleichgesetzt und der Sprecher unterschätzt wird. Mohr und Bergmann hingegen unterhalten sich überwiegend standardsprachlich. Zusätzlich zu ihrer Funktion als ermittelnde Beamte des Bundeslandes ergibt sich damit eine weitere Ebene, sie als überparteiliche Instanz zu qualifizieren, die in Doppelconference das Geschehen kommentiert.

Die Geschichte wird überwiegend in den zahlreichen Dialogen entwickelt, handlungsintensive Szenen werden äußerst sparsam eingesetzt. Von der Vorstellung der Gegend um den Präbichl bis zu neuen Erkentnnissen in den Verhören, der Roman funktioniert über weite Strecken wie ein Theaterstück. Dabei wird auch das Stilmittel des Botenberichts verwendet, mit dem Wendungen und Entwicklungen verbal in die jeweilige Szene hineingetragen werden. Dazwischen lockern sporadisch eingestreute Gedanken Sandra Mohrs sowohl Dialoge als auch narrative Elemente auf.

"Vom Chefinspektor ließ sich Siebenbrunner beihahe alles sagen, musste Sandra einmal mehr zur Kenntnis nehmen. Hätte er noch 'aber dalli' hinzugefügt, hätte er vermutlich sogar das widerstandslos hingenommen." (S. 58)

Mit diesen bewußt wertenden Kommentaren bezieht die Protagonistin Position zu ihren Mitmenschen, aber auch zu gesellschaftlichen oder politischen Gegebenheiten, was ihr - mehr als allen anderen Figuren - an Persönlichkeit verleiht. Über die Privatisierung der Verwaltung des in der Region gelegenen Schubhaftzentrums Vordernberg meint sie beispielsweise:

"... was immense Kosten für den Steuerzahler verursachte, der Gemeinde Vordernberg aber satte Einnahmen an Kommunalsteuern bescherte." (S. 44)

Die Autorin selbst scheint sich von Band zu Band stärker mit ihrer Hauptfigur zu identifizieren, nicht immer ist es nämlich klar, wessen Meinung - jene von Claudia Rossbacher oder jene von Sandra Mohr - sich in den Zeilen findet. Über die Freihandelsabkommen, die 2016 wesentlich deutlicher als zur Zeit der Handlung in der Berichterstattung präsent war, heißt es etwa:

"Wenn (...) TTIP und CETA (...) zustande kamen, würde die kleinstrukturierte heimische Landwirtschaft aufgrund des verstärkten Kostendrucks eher früher als später den amerikanischen Agrarriesen weichen müssen, die den heimischen Markt mit importierten Billigfleisch, -milch und Co überschwemmten." (S. 72)

Unabhängig von der geäußerten Meinung stärkt eine derartige Bindung der Autorin auch die Figur, läßt sie natürlicher, differenzierter wirken. Das Wiedersehen mit Sandra Mohr und Sascha Bergmann ist auch für den Leser eines mit alten Bekannten. Vom ersten Band an darf beobachtet werden, wie sich das zunächst von Gegensätzen geprägte Verhältnis der beiden in kleinen Nuancen wandelt, langsam immer privatere Züge annimmt. Wo sich zunächst noch jeder gezwungen sah, die eigene Position zu behaupten, ergänzen sie einander nun als eingespielte Partner. Außerdem leihen seit der Verfilmumg von "Steirerblut" die beiden Schauspieler auch den Figuren im Kopf ihre Gesichter. Und wie sehr Sandra Mohr ihrer Autorin bereits ans Herz gewachsen ist, zeigt auch der Kunstgriff, mit dem sie die Figur aus der Fiktion ein Stück weit in die Wirklichkeit holt. So gibt ein Gesprächspartner in "Steirerpakt" über seine Vorlieben in der Freizeit Auskunft: "Ich schau mir gern die Landkrimi-Reihe im Fernsehen an." (S. 260) Besagte Serie fungiert als Dachmarke des Österreichischen Rundfunks, unter der einheimische Krimis produziert und ausgestrahlt werden ... unter anderem auch "Steirerblut". Indem sie Mohr und Bergmann dezidiert außerhalb des Fiktionalen positioniert, impliziert die Autorin also charmant deren Wahrhaftigkeit.

Übrigens: Wie aktuell das Thema des Romans ist, verdeutlicht ein Bericht der steirischen Kleinen Zeitung vom 17.02.2017 über eine Initiative, die bis zum April die finanziellen Mittel aufbringen will, um den Polster-Sessellift erneut in Betrieb zu nehmen.

Persönliches Fazit

Durch das freudige Wiedersehen mit den immer besser aufeinander eingespielten Hauptfiguren könnte die Handlung des Romans eigentlich nebensächlich sein. Daß die persönliche Ebene und die Handlung einander sinnvoll ergänzen, gelingt der versierten Autorin durch viele charmante Ideen und Anspielungen.

© Rezension: 2016, Wolfgang Brandner


Steirerpakt | Claudia Rossbacher | Gmeiner Verlag
Sandra Mohrs siebter Fall
2017, Klappbroschur, 313 S. ISBN: ISBN 978-3-8392-2044-3
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[wolfgang]  

Rezension: Ragdoll - Dein letzter Tag (Ein New-Scotland-Yard-Thriller 1) | Daniel Cole

Mittwoch, 24. Mai 2017 2 Kommentare

Wolf im Regen



Der umstrittene Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf, ist nach seiner Suspendierung wieder in den Dienst bei der Londoner Polizei zurückgekehrt. Wolf ist einer der besten Mordermittler weit und breit. Er dachte eigentlich, er hätte schon alles gesehen. Bis er zu einem grausigen Fund gerufen wird. Sechs Körperteile von sechs Opfern sind zusammengenäht zu einer Art Lumpenpuppe, einer »Ragdoll«. Gleichzeitig erhält Wolfs Exfrau eine Liste, auf der sechs weitere Morde mit genauem Todeszeitpunkt angekündigt werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, doch der Ragdoll-Mörder ist der Polizei immer einen Schritt voraus. Und der letzte Name auf der Liste lautet: Detective William Oliver Layton-Fawkes ... [Text & Cover: © Ullstein Buchverlage]  

[trennlinie]

ACHTUNG: Diese Rezension enthält wesentliche SPOILER.


William-Oliver Layton-Fawkes ... was für ein sperriger Name für eine Hauptfigur. Praktisch, daß er mit seinen Initialen abgekürzt werden kann. Praktisch, daß der Autor den Leser damit gleich zu einem Tier führt, dessen Attribute implizit der Hauptfigur zugeschrieben werden. Nachdem er öffentlichkeitswirksam einen brualen Serienmörder beinahe zu Tode geprügelt hat, lebt Wolf, wie er genannt wird, nach seiner Wiederaufnahme in den Dienst der Londoner Polizei in einer "klaustrophobisch engen Schuhschachtel" (S. 21). Sein Äußeres ist verwahrlost, sein Umgangston ruppig, und an Regeln hält er sich nur, wenn sie seinen Methoden nicht zuwiderlaufen. "Gibt es eigentlich eine Vorschrift, gegen die dieser Mensch nicht verstoßen hat?" (S. 371), fragt da seine Vorgesetzte zurecht. Dennoch ist der vom Leben gezeichnete Veteran der einzige, der den titelgebenden Ragdoll-Fall lösen kann ... eine Rolle, die im Kino üblicherweise von Bruce Willis verkörpert wird.

Auf der Leinwand konzentriert sich für gewöhnlich auch die gesamte Aufmerksamkeit auf den Helden des Films, während die Welt um ihn herum verblasst. Nicht so im vorliegenden Roman:

"Wenn aufsehenerregende Fälle das Leben der Beteiligten zum Stillstand brachten, vergaß man leicht, dass der Rest der Welt ganz normal weitermachte." (S. 47)

Wiewohl der Fall um eine aus den Teilen von sechs Leichen zusammengenähte menschliche Puppe ungewöhnlich bizarr ist, stehen der Polizei für seine Aufklärung nicht unbegrenzte Ressourcen zur Verfügung. Etliche andere Delikte müssen untersucht, Verwaltungsstrafen bearbeitet werden. Wolfs Kollegen sind chronisch überarbeitet, reagieren gereizt und sind weit von ehrfürchtiger Heldenverehrung entfernt. Sie kämpfen mit gewöhnlichen Widrigkeiten wie Verkehrsstaus, Bröseln auf der Tastatur und Fertigerichten, deren Verfallsdatum überschritten ist. Alle Figuren, Orte, Situationen wirken verbraucht, angeschlagen, wie von einer Patina aus Alltagsfrust überzogen. Bei Daniel Cole gibt es keine Helden, die Polizeiarbeit ist kein ins Glorreiche verklärtes Detektivspiel, und bei weitem nicht unter jeder rauhen Schale steckt auch ein weicher Kern. Strömender Dauerregen unterstreicht außerdem in den nicht seltenen Momenten der Niederlage die auf die Figuren einprasselnde Bedrückung.

Auch unter den Figuren gibt es keine deklarierten Sympathieträger, keine von ihnen agiert durchgehend moralisch integer, jede von ihnen ist zuweilen des Lesers Liebling, in anderen Momenten hingegen abstoßend. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man jeden aus dem bekannten Personenkreis als Täter in Betracht gezogen hat. Wovon viele Autoren berichten, dürfte aber auch diesem widerfahren sein, nämlich daß Figuren sich gegen die Pläne ihrer Schöpfer zur Wehr setzen. Ganz offensichtlich sollte der vom Betrugsdezernat in Wolfs Team versetzte junge Detective Edmundsen vom ehrgeizigen Amateur-Profiler zum nervenstrapazierenden Musterschüler entwickelt werden. Das Vorhaben mißlingt, vermutlich, weil Edmundsen am besonnensten, am wenigsten cholerisch auf seine Kollegen reagiert.

Die im Klappentext beschriebene Ausgangssituation weckt eine initiale Neugier, die zum Buch greifen, sich in den Seiten verlieren läßt. Die größte Gefahr droht der Aufmerksamkeit des Lesers in jenem Moment, da der erste Sensationsdurst gestillt ist. Viele Autoren des Genres lassen an diesem Punkt ihren Serienmörder erneut zuschlagen. In "Ragdoll" kündigt er seine Taten anhand einer Liste an und erzeugt damit hohen Druck. Der nächste Mord ist nur eine Frage der Zeit. Zudem nimmt der Leser immer wieder an den Besprechungen der Ermittler teil, wird immer wieder mit der Aufstellung der tatsächlichen und potentiellen Opfer konfrontiert. Somit wird man bei der Lektüre förmlich zum Schlußfolgern und Mitraten gezwungen, möchte den Beamten Hinweise geben oder sie zur Vernunft auffordern, wenn sie sich wieder einmal gegenseitig anbrüllen anstatt ihre Kräfte zu bündeln.

Welch ein erhebendes Gefühl kann dem Leser zuteil werden, wenn seine Vermutung über den Täter sich schlußendlich als richtig herausstellt. Welche Bewunderung kann ihm ein geschickter Autor aber auch abringen, wenn die Hinweise so dezent plaziert werden und die Verwirrung so raffiniert gestiftet ist, daß der Leser rückblickend feststellt, wie präzise die einzelnen Puzzleteile ineinandergreifen. In diesem Fall verzeiht man sich auf der letzten Seite großzügig auch eine falschen Vermutung. In "Ragdoll" nimmt das Geflecht aus Personen und Motiven rund um den ursprünglichen Fall eines pyromanischen Mädchenmörders sukzessive konkretere Formen an, daß der Leser mit jedem neuen Indiz seinen aktuellen Verdacht neu bewertet. Dieses Geflecht dürfte für den Autor jedoch die Ausmaße eines gordischen Knotens angenommen haben, der nur mit einer Auflösung durchschlagen werden kann, die wie ein unerwarteter Themenwechsel wirkt: Der wahre Täter entpuppt sich nicht als ein Mitglied des bekannten Personenkreises und wird relativ spät eingeführt. Dazu verstärkt ein Abstecher ins Metaphysische den schalen Geschmack eines Stilbruchs.

Immerhin mündet die Jagd schließlich in einem filmreichen Showdown, der mit Symbolen überfrachtet aber gerade deshalb überaus passend ist.

Persönliches Fazit

"Ragdoll" ist ein hochspannender Debütroman, dessen Auflösung zwar nicht vollends befriedigt, der den Leser jedoch mit seiner bedrückenden Stimmung und einem verzwickten Fall zum Mitraten zwingt.

© Rezension: 2016, Wolfgang Brandner


Ragdoll | Daniel Cole | Ullstein Buchverlage
Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösch.
2017, Klappbroschur, 480 Seiten, ISBN-13 9783548289199
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[wolfgang]  

Rezension: Ist Fat Bob schon tot? | Stephen Dobyns

Freitag, 19. Mai 2017 2 Kommentare

Ein Kriminalroman mit besonderem Humor


In der idyllischen Kleinstadt New London, Connecticut, wird Connor Raposo zufällig Zeuge eines grässlichen Unfalls zwischen einem Laster und einem Motorrad, bei dem der Biker eindeutig den Kürzeren zieht. Und ohne recht zu wissen, warum, gerät Connor im Lauf der nun folgenden Ereignisse von einer Kalamität in die nächste. Morde geschehen, rätselhafte Frauen und rabiate Ganoven kreuzen seinen Weg – und er muss zusehen, wie er aus der ganzen Sache wieder heil herauskommt. [© Text und Cover: C.Bertelsmann Verlag]

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Stephen Dobyns Geschichte beginnt nicht gerade zimperlich. Im Gegenteil: die Schilderung des Unfalls ist ziemlich drastisch. Der arme Motorradfahrer verteilt sich großflächig auf der Straße, und ich bin froh, da nicht dabei zu sein. Mit diesem intensiven Anfang zieht das Buch jedenfalls gleich meine volle Aufmerksamkeit auf sich. 

Nachdem die Detectives Vikström und Streeter die Ermittlungen aufnehmen, wird schnell klar, dass das, was nach einem tragischen Unfall aussieht, keineswegs Zufall ist. Es beginnt eine klassische Krimigeschichte, in der wir wie die Polizisten über die wahren Hintergründe rätseln. Es sind recht viele Figuren in die Handlung verstrickt, die ständig in Bewegung sind. Das macht das Spiel interessant und wenig durchschaubar.



Es gibt zwei Dinge, die den Kriminalfall zu einem ungewöhnlichen machen. Zum einen sind das die Protagonisten. Wenn die Interessen von Möchtegern-Gangsterbossen, Kleinganoven, Obdachlosen, Fahndern und ihren Ehefrauen aufeinanderprallen, löst das jede Menge Konflikte mit Gewaltpotenzial aus. Für jeden einzelnen ist sein Ansinnen das absolut Naheliegende. Der Autor lässt sich die nötige Zeit, um die Beteiligten ausgezeichnet zu charakterisieren. Die Denkweisen und Schlussfolgerungen sind dabei sehr amüsant.

Das zweite Besondere ist Stephen Dobyns Schreibstil. Er verwendet immer wieder ungewöhnliche Sprachwendungen, die eine ordentliche Portion Humor mitbringen. Seine Gedankenspiele und Abschweifungen sind so ausgefallen wie clever. Gleichzeitig übertreibt er es damit aber nicht, er bringt damit durchaus auch die Handlung voran.










„Sie saßen im Vernehmungsraum: ein grauer Tisch, graue Plastikstühle, graue Wände und ein Glasfenster. Auf einer Skala von eins bis zehn würde man den Charme-Pegel dieses Zimmers unter null verorten. Das einzige Bild an der Wand war ein NO SMOKING-Schild. Es stammte nicht von Andy Warhol." (S. 356)

Von dem ulkigen Cover darf man sich übrigens nicht täuschen lassen: Katzen spielen im Buch keine Rolle. Da geht es eher um Hunde, Beagles, genaugenommen. Und nein, es kommen keine Tiere zu Schaden (soweit ich mich erinnere). 

Persönliches Fazit

„Ist Fat Bob schon tot?" erzählt eine interessante Kriminalgeschichte, besticht aber hauptsächlich durch eigenwillige Charaktere und vor allem durch einen ausgefallenen Schreibstil. Mir gefällt Stephen Dobyns Humor sehr, ich habe mich gut amüsiert. Wer etwas skurrile, nicht zu abgedrehte Geschichten mag, sollte einen Blick riskieren.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner

Ist Fat Bob schon tot? | Stephen Dobyns | C.Bertelsmann Verlag
2017, gebunden, 464 Seiten, ISBN: 9783570102305
Deutsch von Rainer Schmidt
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[marcus]



Rezension: Ein Festtag | Graham Swift

Montag, 15. Mai 2017 0 Kommentare



Jane, das junge Dienstmädchen von Beechwood, und Paul, der Spross aus begütertem Haus, haben ein Verhältnis. Heimliche Botschaften, verschwiegene Treffen, doch heute, an diesem sonnigen Märzsonntag 1924, darf Jane – Familie und Dienerschaft sind ausgeflogen – ihr Fahrrad einfach an die Hausmauer des Anwesens lehnen, durchs Hauptportal herein und ins Bett ihres Geliebten kommen. Ein erstes und ein letztes Mal, denn Paul wird bald – standesgemäß – heiraten. Später, gegen Mittag, wird sie leichtfüßig und nackt durch das weitläufige Haus streifen, beseelt von der rauschhaften Innigkeit dieses herausgehobenen Morgens und nicht ahnend, dass ihr Leben am Ende dieses Tages zu zerbrechen droht. [© Text und Cover: dtv Verlag]

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Neu ist die Geschichte über ein leidenschaftliches Verhältnis zwischen einem Gutsherrn und einer Bediensteten sicher nicht, aber das Tabu, der Reiz des Unmoralischen, bringt doch immer wieder prickelnde Spannung. Graham Swift fokussiert sich auf einen Tag, Muttertag in England, an dem die Familien außer Haus sind und die Dienerschaft ihre Familien besuchen können. Eine einmalige Gelegenheit, sturmfreie Bude. Und das auch noch bei schönstem Frühlingswetter. Ein glücklicher, ein perfekter Tag für Jane, die diese Gelegenheit mit Paul voll auskostet.

„Zu hören war nur das Vogelgezwitscher draußen und die merkwürdig vernehmbare, den Atem stocken lassende Stille des leeren Hauses, der schwache Luftzug, der über ihre Körper strich und sie daran erinnerte, während ihre Blicke zur Decke gerichtet waren, dass sie vollkommen nackt waren." (S. 39)

Die Bedeutung dieses Tages wird noch deutlich erhöht, weil klar ist, dass es keinen weiteren in dieser Art geben wird. Denn Pauls Hochzeit mit Emma steht kurz bevor, und die beiden werden danach nach London ziehen. Der Schatten der Vergänglichkeit schwebt über diesen gemeinsamen Stunden und sie wissen, dass nur das Hier und Jetzt zählt. Jane ist keineswegs naiv, sie weiß, dass sie keine Zukunft zusammen haben. 



Swift streut latent dramatische Ereignisse mit ein. Was ist damals mit Janes Mutter passiert? Wieso musste sie als Waise aufwachsen? Welche Auswirkung hatte der Tod von Pauls Brüdern im 1. Weltkrieg für die Familie? Das sind alles kleine Puzzleteile, die Auswirkungen auf Entscheidungen und Handlungen haben. 

Die soziale Diskrepanz zwischen den Ständen ist erheblich. Während Paul seine Kleidung im Ankleidezimmer aussuchen kann, passt Janes Habe in einen Karton. Eine offene Verbindung zwischen ihnen ist undenkbar. Und doch ist die Gesellschaft im Wandel. Die Gutshäuser tragen sich nicht mehr von alleine, viele Adelige haben bereits Personal entlassen müssen und Paul macht eine Ausbildung zum Anwalt, um das benötigte Einkommen zu sichern. 

„Die Dienenden dienten und die Bedienten, sie lebten. Aber manchmal schien es ehrlich gesagt genau andersherum zu sein. Das Dienstpersonal hatte ein Leben, und das war hart, während die Bedienten oft nicht zu wissen schienen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollten. Manche von ihnen waren ziemlich verloren …" (S. 98)

Graham Swift hat einen herrlichen Schreibstil, der die ganz besondere Atmosphäre dieses Tages trägt. Er ist einer jener Autoren, denen es mit Leichtigkeit zu gelingen scheint, Bilder im Kopf entstehen zu lassen, die durch Klarheit und Intensität bestechen. 

Persönliches Fazit

„Ein Festtag" hat mich mit einer intensiven und leidenschaftlichen Atmosphäre überzeugt, die Graham Swift mit seiner Schreibweise wunderbar eingefangen hat. Aber auch die dramatischen Untertöne tragen dazu bei, dass dieser Ausflug nach England ins Jahr 1924 ein lohnender ist.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Ein Festtag | Graham Swift | dtv Verlag
2017, gebunden, 144 Seiten, ISBN: 9783423281102
Aus dem Englischen von Susanne Höbel
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[marcus]



Rezension: Fuchsteufelsstill | Niah Finnik

Montag, 8. Mai 2017 7 Kommentare





Die siebenundzwanzigjährige Juli steht mitten im Leben – manchmal sogar ein bisschen zu sehr. Sie ist Autistin und jeder Tag bedeutet eine gewaltige Masse an Emotionen, die es zu meistern gilt. Als Juli nach einem missglückten Suizidversuch auf eine psychiatrische Station kommt, trifft sie dort auf die überschwänglich-herzliche Sophie und auf Philipp, der mal mehr und mal weniger er selbst, aber stets anziehend für Juli ist. Die drei nehmen Reißaus und verbringen ein gemeinsames Wochenende, nachdem nichts mehr so ist wie zuvor. [© Text und Cover: Ullstein Verlag]

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Einen geregelten Alltag mit einer dosierten Anzahl an Begegnungen, abends immer zu Hause, das ist das Leben, das Juli braucht, um ihre Ängste einigermaßen kontrollieren zu können. Zwei Monate nach ihrem Selbstmordversuch bekommt sie einen Platz in einer psychiatrischen Klinik, in der sie tagsüber an verschiedenen Therapieformen teilnehmen kann. Es fällt ihr besonders schwer, so etwas Neues und Unbekanntes mit vielen Fremden anzugehen. Juli funktioniert nicht so wie „normale" Menschen. Ihr Verstand folgt seiner eigenen Logik.

„Meine Gedanken rannten völlig kreuz und quer umher, kamen außer Atem, oft rempelten sie sich gegenseitig an, und wenn sie meinen Mund erreichten, sahen sie sich verwundert um und suchten ihr Ende, das längst auf der Strecke liegen geblieben war. Laut ausgesprochen, fanden sie das Ende manchmal wieder. Oder sie entdeckten etwas Neues." (Kap. 5)

In der Klinik lernt sie Sophie und Philipp kennen. Völlig gegen ihre Gewohnheiten macht sich Juli mit den beiden am therapiefreien Wochenende zu einem Trip durch Berlin auf. Eine Autistin, eine Bipolare und ein Schizophrener bilden ein sehr ungewöhnliches Trio. Genauso ungewöhnlich gehen sie miteinander und mit anderen um. Das ist erfrischend anders, aber kann das gutgehen?

Ich kann mir das kaum vorstellen wie es ist, wenn das Gehirn ständig Vollgas gibt. Niah Finnik schafft es mit ihrem Buch aber, mir die abstrakte Denkweise einer Autistin näherzubringen und mein Verständnis dafür zu vergrößern. Sie ist dabei eine nüchterne Beobachterin. Gerade dadurch, dass sie nichts romantisiert, wirkt der Text auf mich glaubhaft und echt. Wie schwer muss es schon als Kind sein, wenn man versucht, wie die anderen zu sein, das aber nicht schaffen kann, und seine eigenen und die Erwartungen der Familie zu enttäuschen? Es ist eine schwere Aufgabe, einen Weg zu finden, um mit dem Wissen, anders zu sein und dass andere die Denk- und Handlungsweisen nicht nachvollziehen können, zurecht zu kommen.










Wo ist die Grenze zwischen „normal" und „verrückt"? Das ist eine zentrale Frage, die die Autorin stellt. Gibt es „Normale" überhaupt? Wir agieren doch alle hin und wieder irrational. Es gibt zweifellos viel mehr Menschen mit psychischen Störungen, als man meint, ist das doch etwas, das man besser unter Verschluss hält, denn anders als bei körperlich sichtbaren Krankheiten fehlt dabei oft das Verständnis. Als wenn der Betroffene selber Schuld wäre daran. 

„Manchmal kam es mir auch so vor, als wären die Kranken die Gesunden. Die, die vor den Defiziten der Gesellschaft in die Knie gingen." (Kap. 6)

Herrlich entwaffnend, wie Niah Finnik mit einer Prise Humor den „Normalen" den Spiegel vorhält, in dem sie die weit verbreitete Krankheit mit der höchst wissenschaftlichen Bezeichnung „Intolerantitis" vorhält! 

Persönliches Fazit

„Fuchsteufelsstill" ist kein Buch, das man mal so eben kurz wegliest. Dafür sind die Julis Gedankengänge zu komplex. Niah Finnik hat aber eine Balance gefunden, dass ich denen durchaus folgen kann und einen Einblick in ihre Welt gewinne. Für mich ist ihr Roman eine Bereicherung!

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Fuchsteufelsstill | Niah Finnik | Ullstein Verlag
2017, ebook, 304 Seiten, ISBN: 9783843714921
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[marcus]

Rezension: Der Gentleman | Forrest Leo

Montag, 1. Mai 2017 0 Kommentare

Wenn der Teufel zu Besuch kommt…



London, Pocklington Place, um 1850: Lionel Savage, Dichter, gerade einmal 22 Jahre alt, hat beschlossen, Selbstmord zu begehen, da er des Geldes wegen geheiratet hat und danach feststellen musste, dass er seitdem keine Zeile mehr zu Papier bringen kann. Er zieht seinen Butler Simmons zurate, weil er nicht weiß, wie er den Selbstmord genau angehen soll. Der einfachste Weg scheint ihm der Tod durch Kopfschuss zu sein. Doch Simmons gibt zu bedenken, dass dabei allerlei Körperflüssigkeiten austreten würden, die jemand aufwischen müsste. Da Savage seinem treuen Butler eine solche Schweinerei nicht zumuten will, muss er eine andere Lösung für sein Problem finden. Just in dem Moment spaziert ein freundlicher Gentleman in sein Arbeitszimmer, der sich als der Teufel höchstpersönlich entpuppt. Und bevor er sich versieht, hat Savage seine Ehefrau an ihn verkauft. So glaubt er zumindest. Doch kaum ist die Ehefrau verschwunden, stellt Savage fest, dass sie die Liebe seines Lebens ist. Er muss sie wiederfinden. Nur wo zum Teufel soll die Hölle sein? [© Text und Cover: Aufbau Verlag]

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Lionel scheint ein typischer Vertreter der gehobenen Gesellschaft Londons Mitte des 19. Jahrhunderts zu sein. Leidlich erfolgreich als Dichter kann er trotz seiner Jugend scheinbar nichts mehr mit sich anfangen. Suizid aus Langeweile scheint die Krönung der Ideen dieses selbstbezogenen Fatzkes zu sein. Überhaupt beschäftigt er sich am allerliebsten mit sich selbst, es sei denn, andere können etwas für ihn tun. Trocken und stets aufgeräumt kontert ihm sein alter Butler Simmons bei jeder Gelegenheit – das sind sehr amüsante Dialoge. Überhaupt ist die Ausarbeitung der Charaktere sehr stimmig. Man merkt an der Intensität der auftretenden Personen, dass die Handlung zunächst für das Theater konzipiert wurde.

Zu Beginn habe ich mich noch gewundert, wieso da ständig Fußnoten angebracht worden sind. Die stören doch eigentlich den Lesefluss. Es sind Anmerkungen des (fiktiven) Herausgebers, der von Savage genötigt wurde, sein Buch zu veröffentlichen. Der gehört auch noch zur angeheirateten Verwandtschaft und ist kein Fan des Dichters. Dem gibt er bei jeder Gelegenheit in Form der Fußnoten Ausdruck und sorgt dadurch für einige Lacher. Ein Stilmittel, das viel zum Humor des Buchs beiträgt. 





Herrlich ist auch die affektierte Sprache, in der der Text gehalten ist. Die ist „very british" und macht die Zeit, den Ort und die Personen sehr lebendig. Diese Sicherheit in der Ausdrucksweise hätte ich von einem amerikanischen Autor nicht erwartet.

„Ich beschäftige mich mit Kunst, was zwar nicht unbedingt das ist, was ich gerade am liebsten tun würde, aber ich wurde sitzengelassen und hatte nichts zu tun, also hab ich die Dinge selbst in die Hand genommen. Und jetzt, da ich mich erklärt habe, wozu ich eigentlich nicht verpflichtet gewesen wäre, was ich aber aus der Erinnerung an die Zuneigung heraus getan habe, die ich einst für dich empfand, könntest du dich revanchieren und mir erzählen, wo du die ganze Nacht gesteckt hast." (S. 217)




Der Auftritt des Teufels ist in dieser Geschichte recht ungewöhnlich. Bei seinem Besuch gibt er den perfekten Gentleman. Trotz logischer Bedenken nimmt Savage ihm seine Identität ab, an einem so vollendeten Gentleman zweifelt man doch nicht! Diese Begegnung veranlasst ihn zu einem waghalsigen Abenteuer und liefert uns eine erheiternde, groteske Geschichte, in der es doch letztendlich, wie sollte es anders sein, um die große Liebe geht.

Persönliches Fazit

Einfach herrlich, wie Forrest Leo das London der damaligen Zeit durch die Sprache und durch das Verhalten seiner Charaktere wiederbelebt. Die Anmerkungen des Herausgebers und die trockenen Kommentare des Butlers sind sehr amüsant und machen die skurrile Geschichte zu einem großen Lesevergnügen.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Der Gentleman | Forrest Leo | Aufbau Verlag
2017, gebunden, 296 Seiten, ISBN: 9783351036737
Übersetzt von Cornelius Reiber
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[marcus]