Rezension: Walter Nowak bleibt liegen | Julia Wolf

Mittwoch, 28. Juni 2017 1 Kommentar






Jeden Tag schwimmt Walter Nowak seine Bahnen im Freibad. Eines Morgens bringt eine Begegnung ihn aus der Fassung, mit fatalen Folgen: Der Länge nach ausgestreckt findet er sich wenig später auf dem Boden seines Badezimmers wieder, bewegungsunfähig und auf sich allein gestellt. »Von nun an geht es abwärts, immer abwärts«, schießt es ihm durch den Kopf. Zunehmend verliert er die Kontrolle, Gedankenfetzen, Bilder aus der Vergangenheit stürzen auf ihn ein: das Weihnachtsfest mit seiner ersten Frau Gisela, ihr Schweinebraten, ihre Tränen; der Blick seines Sohnes Felix, als er von der Trennung erfährt; Erinnerungen an seine eigene Kindheit als unehelicher Sohn eines GIs; und, vor kurzem, eine Diagnose seiner Ärztin. Während nach und nach alles vor seinen Augen verschwimmt, ziehen seine Gedanken immer engere Kreise, nähern sich einem verborgenen Zentrum, dem Anfang, dem Ende ... [© Text und Cover: Frankfurter Verlagsanstalt]

[trennlinie]

Walter Nowak erscheint mir wie ein typisches Exemplar eines deutschen Rentners: zufrieden kann er auf sein Berufsleben zurückblicken, er genießt seine freie Zeit, er ist mit sich im Reinen. Und der Achtundsechszigjährige ist stolz auf seine Fitness, denn jeden Tag steht er pünktlich zur Öffnungszeit am Freibadtor, um seine eintausend Meter im Schwimmbecken zu absolvieren. Er folgt seinem täglichen Trott und macht sich nicht zu viele Gedanken. 



Das ändert sich allerdings, als er unverhofft zuhause auf dem Boden zum Liegen kommt, unfähig aufzustehen. Hier beginnt Julia Wolfs Roman, wir tauchen ein in Walters Gedankenwelt, die sich mehr und mehr seiner Kontrolle entzieht. Verschiedene Fragmente aus seinem Leben drängen sich ihm ins Bewusstsein. Wie kam es damals so weit, dass er sich von seiner ersten Frau getrennt hat? Dass er mit ihr auch seinen Sohn verlassen hat? Und noch weiter zurück geht die Reise, als er in seiner Kindheit von seinen Mitschülern als Bastard beschimpft wurde. Das hat er doch damals weggesteckt, oder? Da war man doch nicht so empfindlich wie heute. Ihm war nicht klar, welche Spuren solche Vorgänge bei ihm hinterlassen haben.






Aber auch die letzten Tage lässt die Autorin nochmal Revue passieren. Walters zweite Frau Yvonne reist zu einem Kongress, nicht ohne einen Essensplan für ihn da zu lassen. Walter hat aber so gar keine Lust auf Graupenrisotto, da war doch noch ein Wildschwein in der Tiefkühltruhe. Das kann er doch mal kurz auftauen und irgendwie essbar machen. Es hat schon komische Züge, wie ihm eine Idee nach der anderen misslingt. Da fallen mir so einige Kandidaten ein, die ohne ihre Frau ebenso überfordert wären.

„Mein Glück ist mir wichtiger als ihr beide, denn ihr beide, ihr seid nicht mein Glück, auch wenn ich das lange gedacht habe. Mein Glück zerrt in mir und reißt, das gibt keine Ruhe, das verstummt nicht, egal, wie lange ich warte, stillhalte, weitermache." (S. 12)

So fragmentiert wie Walters Gedanken ist auch die Schreibweise von Julia Wolf. Wer denkt denn auch in ganzen Sätzen? Die sprachliche Raffinesse, die sie auffährt, wirft oft nur Andeutungen auf, die ich selber in den Kontext bringen muss. Knappe Gedanken umgesetzt in knappe Sätze. Das erzeugt ein Konzentrat, mit dem die Autorin fast ein ganzes Leben auf 160 Seiten bringt. Ich fand das sehr stimulierend, beinahe ansteckend. Sicherlich ist dieser Stil nicht jedermanns Sache, ich habe mir auch erst mal eine Leseprobe angesehen, um festzustellen, ob ich damit zurecht komme.

Persönliches Fazit

Julia Wolf gelingt es durch ihre außergewöhnliche Schreibweise, ein ganz normales deutsches Leben zu einer literarischen Besonderheit zu machen. Ich habe mich in Walter Nowaks Gedankenwelt sehr wohl gefühlt.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Walter Nowak bleibt liegen | Julia Wolf | Frankfurter Verlagsanstalt
2017, gebunden, 160 Seiten, ISBN: 9783805250856
Buch bestellen bei Amazon.de (Affiliate Link) 


09.08.2017 - Ergänzender Nachtrag:

Julia Wolf erhält den Nicolas-Born-Debütpreis 2017

Wir gratulieren der Autorin Julia Wolf zum diesjährigen Nicolas-Born-Debütpreis! Dieser renommierte Förderpreis, vergeben vom Land Niedersachsen auf Empfehlung der Nicolas-Born-Jury, zeichnet ein »herausragendes Werk eines Autors/einer Autorin aus, der/die noch am Anfang einer literarischen Karriere steht«. Der Preis ist mit 10.000 € dotiert, die Verleihung findet am 14. September im Sprengel Museum in Hannover statt.

Begründung der Jury:

In dem Roman »Walter Nowak bleibt liegen«, dem zweiten Teil ihrer Amerika-Trilogie, gibt die 1980 in Groß-Gerau geborene Schriftstellerin einem Rentner aus der hessischen Provinz eine unverwechselbare Stimme. Dem inneren Monolog des verletzt in seinem Badezimmer liegenden Walter Nowak gewinnt sie wortgewaltige und zarte, komische und unversöhnliche Töne ab. Die literarischen Kraulzüge dieser Geschichte, die ihren Anfang im Schwimmbad nimmt, zeugen von Julia Wolfs großem sprachlichen Talent. Ihr Roman kreist um eine verzockte Wende und die Konsequenzen eines Lebens unter falschen Vorzeichen. Dabei gelingt es ihr meisterhaft, aus der höchst eigenwilligen, schrulligen Binnenperspektive ein bundesrepublikanisches Sittenstück zu entwerfen. >> Link zur Pressemitteilung

Julia Wolf erhielt für ihr Debüt »Alles ist jetzt« (FVA 2015) den Kunstpreis Literatur 2015 der Brandenburg Lotto GmbH sowie zahlreiche Stipendien. Beim Ingeborg-Bachmann-Wettlesen 2016 verlieh ihr die Jury für einen Auszug aus »Walter Nowak bleibt liegen« den 3sat-Preis, im Frühjahr 2018 wird sie das Spreewald-Literatur-Stipendium antreten.

[marcus]

Rezension: Abschlussball | Jess Jochimsen

Samstag, 24. Juni 2017 4 Kommentare

Eine Außenseitergeschichte mit ruhigen Tönen







Für Marten ist der Friedhof der richtige Ort: Friedhöfe sind ruhig, gut ausgeschildert und bieten ausreichend Schatten. Schon als Kind hat er die Befürchtung, nicht in diese Welt zu passen – und als sich die Möglichkeit auf ein Dasein frei von Unwägbarkeiten bietet, greift er zu: Er wird Beerdigungstrompeter auf dem Nordfriedhof in München und spielt den Toten das letzte Lied. Als Marten die Bankkarte seines soeben zu Grabe getragenen Klassenkameraden Wilhelm findet, beginnt eine groteske Irrfahrt. Ohne eigenes Zutun wird er in einen Strudel merkwürdiger Ereignisse gezogen und lernt all das kennen, wovon er sich Zeit seines Lebens so mühsam ferngehalten hat: andere Menschen, Geld, Abenteuer, die Liebe. [© Text und Cover: dtv Verlag]

[trennlinie]

Wie kann man denn nur jahrelang in der Bibliothek arbeiten und selber keine Bücher lesen? Eigentlich ist das typisch für Marten, ihm ist das viel zu anstrengend. Alles was er will, ist ein bescheidenes, aufgeräumtes Leben. Er macht nicht mit bei dem ewigen Wettstreit um das größte Haus, das nobelste Auto oder den spektakulärsten Urlaub. Er ist zufrieden mit seiner winzigen Wohnung, obwohl die noch nicht mal ein Bad hat. Und auch sein erster Job ist perfekt für ihn: als Bibliothekarassistent hat er selbst kaum Verantwortung und wenig mit anderen Menschen zu tun. Alles folgt einer peniblen Ordnung. So mag er es am liebsten. Ich schwanke hin und her, ob ich diesen Minimalismus beneiden oder ihn doch eher bemitleiden soll.

In der Ich-Form erzählt Marten uns von seinem Leben. Vom zu frühen Tod seiner Mutter und die Auswirkungen auf seine Familie. Er blickt zurück auf die Schulzeit, wo er als Freak angesehen wurde und keine Freunde hatte. Das Besondere an ihm ist, dass ihm diese Isolation nichts ausmacht. Er hat zwar immer mal wieder Erschöpfungszustände, die ihn tagelang lähmen. Diese Depressionsphasen sind für ihn aber nie ein Grund, aufzugeben. Er hält sie durch und macht weiter. 

„»Das Leben muss weitergehen« war der eine Satz, den ich zu dieser Zeit oft hörte und dem ich immer weniger Glauben schenkte, der andere lautete: »Du schaffst das allen schon, Marten.«" (S. 68)

Ein wichtiger Faktor in Martens Leben ist die Musik. Auch wenn er im Trompetenunterricht oft gar nicht spielen will, beschäftigt er sich intensiv mit seinem Instrument. Gerade später als Friedhofstrompeter beobachtet er, wie gut Musik Emotionen tragen und vermitteln kann. Durch die ständige Konfrontation mit dem Tod macht Marten sich Gedanken, was das Leben ausmacht. Macht überhaupt etwas Sinn? Wer gestaltet sein Leben wirklich bewusst? Was bereut man auf dem Sterbebett? Es gibt viele Ansätze im Buch, die zum Philosophieren anregen.






In einer Welt voller Geschwätz und Lärm ist einer, der nur Ruhe sucht, sehr angenehm. Der Ton des Buchs würde ich als „bluesig" beschreiben. Jess Jochimsen verfällt trotz der wenig erbaulichen Themen nie in Gejammer oder Verzweiflung. Er zeigt durch die Sichtweise seines Protagonisten, dass der Tod zum Leben gehört und man mit ihm umgehen kann. Und dass man seine Existenz nicht nach der Meinung anderer ausrichten muss, sondern seinen eigenen Weg finden sollte.


Persönliches Fazit

Wer Außenseitergeschichten mag und auch mal über das Leben und den Tod philosophieren will, ist bei „Abschlussball" gut aufgehoben. Mich hat die Geschichte des Friedhofstrompeters sehr angesprochen.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Abschlussball | Jess Jochimsen | dtv Verlag
2017, gebunden, 312 Seiten, ISBN: 9783423281164
Buch bestellen bei Amazon.de*


*Affiliate Link


[marcus]






Rezension: Ein bisschen wie Unendlichkeit | Harriet Reuter

Freitag, 23. Juni 2017 4 Kommentare

»So ist es, wenn man jemanden liebt.
So ist es, wenn man um jemanden trauert.
Ein bisschen wie Unendlichkeit.«


Als die Ferien anfangen, möchte Gottie eigentlich nur unter dem Apfelbaum liegen, in die Sterne schauen und über das Universum nachdenken. Sie kennt jede Theorie zu Raum und Zeit und kann alles mit einer Formel erklären. 
Außer, warum ihr bester Freund Thomas, der vor einigen Jahren weg­gezogen war, plötzlich wieder auftaucht. Warum niemand ihre Verzweiflung über den Tod ihres Großvaters Grey versteht. Und warum sie in Flashbacks ganze Szenen ihres Lebens erneut durchlebt. Verliert sie den Verstand oder wird sie wirklich in die Vergangenheit versetzt? Und wie kann sie in der Gegenwart bleiben – bei Thomas, dessen Küsse ihr Universum verändern? [Text & Cover: © S. Fischer Verlag]

[trennlinie]

Der erste Gedanke: „Dieses Buch geht ans Herz.“ Eine zauberhaft erzählte Geschichte eines jungen Mädchens, welches erwachsen wird, mit ihren Gefühlen kämpft und sich quer durch die Zeit bewegt. Ab der ersten Zeile war ich gefangen von der Geschichte, der bildhaften Erzählung, mittendrinn halt. Mittendrinn in der schmerzhaften Schönheit des Lebens. Mein zweiter Gedanke galt direkt der Autorin. Ich hoffe sehr, dass sie weiterhin ihren Gedanken und Geschichten freien Lauf lässt und sie zu Papier bringt. Ich hoffe auf Nachschub. Für mich ist dieses Debüt durchaus gelungen. Chapeau. 

Auf dem Cover durfte natürlich die Schleife der Unendlichkeit nicht fehlen und somit ist die Gestaltung des Schutzumschlags bezaubernd schön, überwiegend in blau und weiß gehalten. Das Buch selbst ist lila eingefasst und der Buchrücken mit silberner Schrift verziert. Auch hier noch einmal die Schleife der Unendlichkeit.
Mit jedem Kapitel entfernt sie sich mehr und mehr von dem Tag - vor einem Jahr - als ihr geliebter Großvater Grey starb.

Ich fange an, mir Pi bis in die hundertste Dezimalstelle vorzusagen. Doch mein Hirn spielt nicht mit, es verheddert sich irgendwie: Und ich frage mich: Was wäre passiert, wenn Thomas mich vor fünf Jahren geküsst hätte? Oder wenn er niemals weggegangen wäre? Seite 151

Die Figuren sind passend gewählt und, wie ich finde, kann sich jeder Leser sehr gut in Gottie und ihr Umfeld hineinversetzen. Gottie ist fasziniert von der Welt der physikalischen Gesetze und der Mathematik, se setzt alles in Gleichungen, ein kleines Genie. Als ihr bester Freund Thomas sie von einen Tag auf den anderen verlässt und wegzieht bricht für sie eine kleine Welt zusammen. Sie hat leider schon sehr früh, wenige kostbare Momente nach ihrer Geburt, ihre Mam verloren, vor fünf Jahren ihren besten Freund und Nachbarn Thomas und nun vor einem Jahr ihren geliebten Großvater. Im letzten Sommer hatte sie einen heimlichen Freund von dem bisher keiner weiß, auch er trennt sich von ihr. Für Gottie läuft es also echt nicht gut. In der Schule bekommt sie für den kommenden Sommer eine Hausaufgabe, welche sie fortan beschäftigt. Auch Thomas kehrt nach Jahren plötzlich zurück. Alles fängt an sich zu verkomplizieren. Gottie findet sich immer wieder in der Vergangenheit wieder und verpasst dadurch die Gegenwart. Sie stellt sich die Frage nach dem Warum dies passiert und ob es Wurmlöcher gibt durch die man hin und her reisen kann. Sie ist traurig und einsam, obwohl sie nicht allein ist. Gottie zweifelt an sich und ihrem Verstand. Sie stellt Gleichungen auf um das was um sie herum und mit ihr geschieht zu verstehen.



Dieses Buch ging mir sehr nah. Ich glaube, nein ich weiß, jeder von uns Lesern dieses Buches wird seine eigene Trauer um einen geliebten verlorenen Menschen aus einer anderen Sicht betrachten. Mit anderen Augen. Ich habe leider schon sehr vielen Menschen Adieu sagen müssen, bzw. sind viele nicht mehr hier auf dieser Welt. Doch weiß ich, dass die Begegnungen, die Ereignisse und Erinnerungen, Berührungen und Umarmungen für immer mein sind. Tief in meinem Herzen. Diese Erinnerung an wundervolle Zeiten, diese Liebe kann mir keiner nehmen.

Ein Vater, der mal an-, dann wieder anwesend ist und eine Mutter, die ich niemals kennen werde. So ist es, wenn man jemanden liebt. So ist es, wenn man um jemanden trauert. Es ist ein bisschen wie ein Schwarzes Loch. Ein bisschen wie Unendlichkeit. Seite 377

Persönliches Fazit 

Die Jugend, die Liebe, die verzwickten Gefühle und das ganze Universum. Kurz, mal wieder eine ganz andere Liebesgeschichte. Ein Muss ist dieses Buch, ein Muss für jede Lesemaus ab 14 Jahren. Aber Achtung, Suchtgefahr. 
Ein Debüt, welches mich überrascht und überzeugt hat. Für mich ist es schon jetzt ein kleiner Buchschatz und ich weiß, dass ich es noch weitere Mal in die Hand nehmen und lesen werde. Lasst euch einfach verzaubern, lest dieses Buch und schwelgt in Erinnerungen.

© Rezension: 2017, Susa


Ein bisschen wie Unendlichkeit | Harriet Reuter Hapgood | S. Fischer Verlag GmbH
ab ca. 14 Jahren
23. Februar 2017 | Jugendbuch | 384 Seiten | ISBN 13: 978-3-7373-4033-5
Buch bestellen bei Amazon*


*Affiliate Link
[susa]

Die Welt des Kaffees || "Das Kaffeebuch" von Johanna Wechselberger und Tobias Hierl

Mittwoch, 21. Juni 2017 0 Kommentare

Die Pflichtlektüre für Kaffee-Enthusiasten










                                                                                                                     © Cover: braumüller Verlag


Bücher und Kaffee, das gehört für uns vom Bücherkaffee zusammen. Da komme ich natürlich um ein Buch, das sich mit unserem Lieblingsgetränk beschäftigt, nicht vorbei. Mal sehen, ob es wirklich „für Anfänger, Profis und Freaks" geeignet ist.

Nach einigen Erläuterungen zur Kaffeepflanze und ihren Sorten machen wir uns auf zu einer Reise um den Globus und besuchen die Kaffeeproduzenten. Von Süd- und Mittelamerika über Afrika und Asien bis in den pazifischen Raum werden alle beteiligten Länder und ihre Bedeutung für den Weltmarkt beschrieben. Ich probiere sehr gern neue Sorten aus, was vor allem bei kleineren Röstereien gut möglich ist. So wohlklingende Sorten wie „Sulawesi Kalossi Grade 1" gehören zu meinen Favoriten. Durch den kleinen Atlas im Buch kann ich solche Röstungen noch besser ihrer Herkunft zuordnen und ihren Wert besser einschätzen.






Es finden sich noch viele detaillierte Informationen über Themen wie die Kaffeeverarbeitung, den Handel, das Rösten, die richtige Lagerung, Kaffeemaschinen, das richtige Aufschäumen der Milch und vieles mehr. Neu war für mich beispielsweise, dass es Röstmaschinen für zu Hause gibt. Ich denke, das werde ich aber trotzdem weiterhin den Röstmeistern überlassen. Das Kapitel über Latte Art und Etching zur Verschönerung des Milchschaums ist auch eher etwas für Profis, da gehört sicher einiges an Übung dazu, um ein vorzeigbares Ergebnis zu erreichen. Es sieht auf den Bildern aber beeindruckend aus. 






Sehr gut gefällt mir die Rezeptsammlung. Dort werden Klassiker wie Cappuccino oder Milchkaffee aber auch aufwändigere Kreationen mit und ohne Alkohol aufgeführt. Ich fand „Elisabeth" mit weißer Schokosauce und Amaretto richtig lecker! Da werde ich noch das eine oder andere Rezept ausprobieren.

Johanna Wechselberger lässt viel von ihrem Expertenwissen als Master Baristi in dieses Buch einfließen. Zusammen mit Tobias Hierl hat sie ein Buch kreiert, das mich sowohl inhaltlich wie auch qualitativ mit vielen tollen Fotos überzeugt hat. Eine Empfehlung für jeden, der über den Kaffeebecherrand hinaussehen möchte.

© 2017, Marcus Kufner














AA 



*Affiliate Link










[marcus]

Rezension: Mein Wille geschehe | Jennifer Benkau

Montag, 19. Juni 2017 0 Kommentare

Stilistische Experimente als Stalking-Story


Derya steckt nach der Scheidung von ihrem grausamen Mann in einer Krise. Immer mehr zieht sie sich in ihre eigene Welt zurück und lässt kaum jemanden an sich heran - bis eines Tages ihre Jugendliebe Jakob wieder vor ihr steht. Auch nach all den Jahren hat er nichts von seinem damaligen Charme eingebüßt, und zum ersten Mal seit langer Zeit ist Derya endlich wieder glücklich. Aber zeitgleich mit Jakobs Auftauchen beschleicht sie immer öfter eine unbestimmte Angst. Sie hat das Gefühl, beobachtet zu werden, und bald ist sie sich sicher, dass jemand sie verfolgt. Ist ihr Ex-Mann hinter ihr her? Doch dann offenbart Jakob Derya ein furchtbares Geheimnis, das sie daran zweifeln lässt, ob sie ihn wirklich kennt ... [Text & Cover: © Bastei Lübbe]

[trennlinie]

Ganz offensichtlich empfindet die Autorin Vergnügen am Spiel mit der Sprache. So ist der Haupterzählstrang immer wieder von Textpassagen unterbrochen, die keinen unmittelbaren Zusammenhang zu diesem aufweisen, sich jedoch als Fragmente fiktiver Romane entpuppen. Diese unterscheiden sich in ihrer Sprachführung merklich von der Erzählung um die Hauptfigur Derya: Wie Masken legt sich die Autorin verschiedene Persönlichkeiten an, die sich in den individuellen Stilen manifestieren. Der flapsige, regional gefärbte Plauderton der zentralen Handlung legt als roter Faden jedoch den Schluss nahe, dass hier das wahre Gesicht der Autorin zu erkennen ist.

Viele Ereignisse werden nur angedeutet, bestenfalls kurz gestreift, sodass die Erzählung wie eine rasche Zugfahrt zwischen vorgegebenen Stationen wirkt, auf der die Konturen der draußen vorbeihuschenden Landschaft nur verwaschen erkennbar sind. Die Oberfläche der Geschichte wird dadurch zu glatt, als dass sich die Gedanken des Lesers daran festhalten könnten und Figuren und Situationen distanziert bleiben.

Andererseits stellt die Autorin eintönigen Wortwiederholungen sehr wohl kreative Metaphern ("Ihre Nevern hängen in Fetzen ...", "Hirnschalen voller Asche") gegenüber und widerlegt damit den Verdacht eines eingeschränkten Vokabulars. Sie reflektiert immer wieder über ihren eigenen Beruf der Schriftstellerin, erweist sich vertraut mit stilistischen Werkzeugen. Auch die Figuren, von denen ihre Protagonistin Derya flankiert ist, wirken in ihrer sorgfältigen Zeichnung beinahe allegorisch und repräsentieren die inneren Dialoge in einer äußeren Form.  Ihre Nachbarin, die den Spitznamen "Sonne" trägt, steht für Optimismus und Lebenslust. Eine junge obdachlose Ausreißerin verkörpert sowohl den auf das Notwendigste reduzierte Überlebensinstinkt, als auch eine vorsichtig warnende Stimme. Die Verlegerin schließlich spiegelt Derys Pflichtbewusstsein.

Die entstehende Ambivalenz zwischen schriftstellerischer Versiertheit und einem oft ungelenk erscheinenden Sprachduktus verleiht dem Roman stellenweise experimentellen Charakter. Die Geschichte selbst - eine junge Frau sieht sich von einem Unbekannten verfolgt - bietet wenig Originelles und wirkt unnötig in die Länge gezogen. Das Finale löst zwar alle aufgetretenen Ungereimtheiten auf, vermag aber die zuvor vermisste Spannung nicht zu kompensieren.

Persönliches Fazit

"Mein Wille Geschehe" wirkt wie eine Sammlung stilistischer Etüden im Gewand einer zeitgeistgeschuldeten Stalker-Geschichte.

© Rezension: 2016, Wolfgang Brandner


Mein Wille geschehe | Jennifer Benkau | Bastei Lübbe
2017, Paperback, 334 Seiten, ISBN: 978-3-431-03981-8
Buch bestellen bei Amazon.de*


*Affiliate Link
[wolfgang]  

Rezension: Drei Meter unter Null | Marina Heib

Sonntag, 18. Juni 2017 2 Kommentare

Des Menschen Wölfin


Sie beobachtet ihre Opfer. Sie plant ihre Morde. Nichts will sie dem Zufall überlassen. Sie schlägt den Weg der Gewalt jedoch nicht ohne Grund ein. Ihr Leben lang bemühte sie sich um ein normales Leben. Doch die Hülle der Normalität umschloss eine tiefe Verzweiflung, die sie zu verbergen wusste. Bis zu einem nebligen Donnerstag im November. Dem Tag, an dem sie beschließt, eine Mörderin zu werden. Sie will die Dämonen vernichten. Sie will Rache. Sie empfindet kein Mitleid. Sie sollen leiden. Genau wie sie. [Text & Cover: © Heyne Encore]  

[trennlinie]

Als "Psychogramm einer Mörderin" wird der neue Roman von Marina Heib von Rezensenten bezeichnet. Aber was bedeutet das genau? In erster Linie bedeutet es ein Ungleichgewicht zwischen Figurenzeichnung und der Handlung des Romans. Letztere gestaltet sich weitgehend schnörkellos und ist rasch erzählt: Eine Serienmörderin zieht eine blutige Spur auf dem Weg der Selbsterkenntnis. Die Handlung dient also als Aufhänger für den Entwurf einer kontroversiellen Persönlichkeit.

Die namenlose Ich-Erzählerin entblättert sich vor dem Leser zwiebelschalenartig, in der Hoffnung, in ihrem Kern so etwas wie eine unverwechselbares Ich vorzufinden. Zunächst präsentiert sie sich in ihrer Kindheit als noch ungeformte Persönlichkeit, die anhand ihrer umfangreichen Bibliothek Identitäten wie Winnetou oder Pippi Langstrumpf ausprobiert. Sie nutzt "Bücher als Lianen" (S. 21) mit denen sie sich durch fremde Leben schwingt, bis eine traumatische Erfahrung sie aus der Spur und in eine neue Laufbahn wirft: die der Mörderin.

"Das, was Ich glaubte zu sein, aber nie gewesen war, verging." (S. 17)

Wie eine Schlange häutet sie sich, wirft alles von sich, was sie charakterisiert. Das "Ich" in dieser Passage der Transformation ist großgeschrieben und unterstreicht somit die Ambivalenz aus erster und dritter Person. Die Erzählerin nimmt sich zugleich von außen und von innen wahr, zugleich als Subjekt und Objekt. Die Depersonalisierung ist so umfangreich wie irgend möglich, reicht bis zur Selbstverleugnung: "Ich war noch nie diejenige, die ich war." (S. 25), erinnert an Arthur Rimbauds Zitat "Ich ist ein anderer". Am Abend des sechsten Tages ist die Transformation abgeschlossen, erzeugt somit eine Verbindung zur biblischen Genesis. Aus dem Menschen wird eine Wölfin, Schöpfung auf kleinstmöglichem Raum.

Mit jedem Mord, den sie begeht, offenbart sich schließlich Zwiebelschale für Zwiebelschale ihr wahres Motiv. Jeweils auf ein Stichwort setzen Rückblenden ein, aus denen sich die Zusammenhänge erschließen. Sie füllen die Lücken der Haupthandlung mit Kontext, dichten wie der notwendige Mörtel das Mauerwerk der Geschichte ab. Aus der ursprünglichen Lust am Töten schält sich schließlich das konkrete Motiv hervor. Der Nebel des Blutrausches lichtet sich, gibt den Blick frei auf das nackte Ich.

Der Moment der Erkenntnis stellt sich in einer tiefbewegenden Begegnung der Erzählerin mit ihrer sterbenden Mutter ein. Die Autorin verdichtet ein umfassendes Spektrum an Emotionen auf wenige bedruckte Seiten. Sie sperrt diese Emotionen in ein Gefäß aus Worten, die dem Leser mit Überdruck in die Eingeweide explodieren, wenn er es öffnet. Und die Scherben dieses Gefäßes, die von den Schmerzen der Erzählerin zerschundenen Wörter fügt sie zu neuen Sinneinheiten zusammen, verändert, verstärkt ihre Bedeutung. Der Text ist so stark komprimiert, daß auf jeder dieser Einheiten das Gewicht des gesamten Romans lastet.

In ihrem chamäleoniden Auftreten gibt sich die Erzählerin zuweilen "putinesk", auf der Beerdigung werden "Worte aus Papier und Sand" gesprochen, und die ursprünglichen kindlichen Wertvorstellungen werden so nachhaltig getilgt, daß es keinen passenderen Begriff dafür gibt als "zernichtet". Schließlich befindet sie in einem Moment der Resignation:

"Der Tod ist ein Schlaf ohne Dämonen" (S. 136)

Persönliches Fazit

Falls es so etwas wie eine Vermählung aus Poesie und Thriller gibt, ist Marina Heib die Trauzeugin.

© Rezension: 2016, Wolfgang Brandner


Drei Meter unter Null | Marina Heib | Heyne Encore
2017, Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 256 Seiten, ISBN: 978-3-453-27111-1
Buch bestellen bei Amazon.de*


*Affiliate Link
[wolfgang]  

Rezension: Die Reise | Murray Bail

Donnerstag, 15. Juni 2017 0 Kommentare



Frank Delages Ziel ist Wien, die Stadt, die er mit seinem Flügel im Sturm zu erobern hofft. Delage ist Australier, und er hat mit einer revolutionären Erfindung dem Klang des Instrumentes zu einer ungekannten Klarheit, einer einzigartigen Brillanz verholfen. Und wo, wenn nicht in Wien, der Stadt von Mozart und Mahler, wird man das Ausmaß seiner Erfindung begreifen und zu würdigen wissen, so die Hoffnung des Manns von Down Under.
Doch weit gefehlt – die Wiener Gesellschaft dreht sich um sich selbst, frönt dem dekadenten Wohlleben in Salons und Caféhäusern. Am Ende reist Frank auf dem Containerschiff Romance nach Hause, die junge Adlige Elisabeth von Schalla im Gepäck. [© Text und Cover: Dörlemann Verlag]

[trennlinie]

Das hat sich Frank Delage einfacher vorgestellt. Völlig überzeugt von seinem Produkt geht der Pianofabrikant aus Sydney davon aus, dass er Europa im Sturm erobern wird. Doch weit gefehlt: er bekommt keinen Fuß in die Tür. Das liegt nicht nur daran, dass er nicht Deutsch kann. Die Wiener Kunstszene ist satt und selbstzufrieden. Ein Konzertflügel aus Australien? Die haben da unten doch überhaupt keine Kultur! So bleiben ihm die Türen verschlossen.






Bis er zufällig die Bekanntschaft von Amalia von Schalla macht. Sie gehört zu einer der einflussreichsten Familien der Stadt und ist eine Kunstmäzenin. Aus Gründen, für die selbst Delage keine Erklärung hat, nimmt sie sich ihm an und möchte ihn unterstützen. Er ist ganz fasziniert von dieser charismatischen Frau, der die Schönheit ihrer Jugend noch immer anzusehen ist. Allerdings ist es die Tochter Elisabeth, die ihm die Sehenswürdigkeiten Wiens zeigt und ihm ihre Aufmerksamkeit schenkt. So gerät Frank unversehens zwischen die beiden Damen der High Society. 

Es ist ein Rätsel, wann genau die Geschichte spielt. Heute würde man von Wien nach Sydney fliegen, es muss also zu einer Zeit sein, als man die Ozeane noch mit dem Schiff überquert hat. Von der sprachlichen Seite her und so wie die Personen miteinander umgehen hätte ich auf bestimmt 100 Jahre zurück getippt. Es gibt aber vereinzelt Hinweise, wie beispielsweise dass ein Krieg (nur welcher?) vorbei ist, die darauf hindeuten, dass die Ereignisse doch noch nicht so lange her sind. Ein interessanter Effekt dabei ist, dass sich das Bild, das ich mir im Kopf von der Stadt und den Menschen mache, praktisch in Luft auflöst und sich neu formt.

„Es gibt immer einen Führer, der die Zaghaften, die Konventionellen um sich versammelt, so hat die politische und die Piano-Welt in Europa seit Jahrhunderten funktioniert, zu ihrem eigenen Nachteil, Delage sah hinab auf seine Schuhe, sah auf zu den jungen Männern, die ihn beobachteten, die Mehrheit versammelt sich hinter dem etabliertesten Piano-Namen, dem am wenigsten progressiven, zu ängstlich, eigene Wege zu bestreiten, und so ist es mit allem in der Welt." (S. 87)





Murray Bail scheint kein Freund von Kapiteln und Abschnitten zu sein, die gibt es im Buch einfach nicht. Auch Punkte verwendet er selten, statt dessen aber viele Kommas. Das verlangt beim Lesen zwar mehr Aufmerksamkeit, erzeugt aber gleichzeitig einen fast schon musikalischen Rhythmus. Das passt ganz ausgezeichnet zu dem Thema und zu dem prächtigen Wiener Umfeld. So fließend wie der Text sind auch die eingebauten Zeitsprünge. Gerade sind wir noch mit Frank und Elisabeth auf der Rückreise mit dem Containerschiff, da finden wir uns manchmal noch im selben Satz wieder in Wien, als Delage Amalia sein Piano vorstellt. Erstaunlicherweise konnte ich diesen übergangslosen Wechseln ohne Probleme folgen.

Persönliches Fazit

„Die Reise" ist eher ein Buch für Genuss- als für Schnellleser. Für mich war es jedenfalls ein Genuss, diesem besonderen Sprachrhythmus und der scheinbar erfolglosen Reise des Australiers nach Austria und zurück zu folgen.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Die Reise | Murray Bail | Dörlemann Verlag
2017, gebunden, 288 Seiten, ISBN: 9783038200420
Aus dem Englischen von Nikolaus Hansen
Buch bestellen bei Amazon.de*


*Affiliate Link


[marcus]

Rezension: Magnus Chase (2) - Der Hammer des Thor | Rick Riordan

Montag, 12. Juni 2017 3 Kommentare

Zurück in der Welt der Wikingergötter


Der Donnergott Thor hat mal wieder seinen Hammer verloren – die stärkste Waffe in allen Neun Welten! Und diesmal ist er zu allem Übel in Feindeshände geraten. Magnus und seine Freunde müssen den Hammer so schnell wie möglich zurückholen, denn ohne ihn ist die Welt der Sterblichen einem Angriff der Riesen wehrlos ausgeliefert. Der Weltuntergang Ragnarök droht! Als Verbündeten braucht Magnus ausgerechnet den gerissenen Gott Loki – doch der Preis für seine Hilfe ist hoch … [© Text und Cover: Carlsen Verlag]

[trennlinie]

Magnus Chase und seine Freunde sind wieder gefragt! Nach „Das Schwert des Sommers" müssen sie ein zweites Abenteuer in der Welt der Wikingergötter bestehen. Wobei ich mich schon frage, was an denen so göttlich ist. Der schusselige Thor kriegt es einfach nicht gebacken, auf seinen so wichtigen Hammer aufzupassen. Und dann schafft er es auch nicht, ihn selbst zurück zu holen. Gut für uns: nach dem gelungenen ersten Teil können wir wieder actionreiche Spannung erwarten.

Rick Riordan enttäuscht dabei nicht. Seine ausgefallenen Einfälle bringen mich immer wieder zum Staunen. Ob Bowling mit Riesen oder Kämpfe mit Wesen aus Wasser, ständig geht es um Leben und Tod. Da müssen unsere Helden schon all ihre besonderen Fähigkeiten einsetzen, um zu bestehen. Dass dabei der Gott Loki versucht, die Ereignisse in seinem Sinne zu steuern, macht die Geschichte spannend. Denn nur nach und nach wird mir und den Beteiligten klar, was sein Ziel ist. Vor allem muss aber der Hammer zurück, denn wenn die Riesen mitbekommen, dass Thor praktisch machtlos ist, werden sie zum Angriff übergehen. Die Zeit drängt!






Was mir in diesem Teil besonders aufgefallen ist, ist die Einbindung von Helden, die im echten Leben oft ausgegrenzt werden. Die Walküre Samirah ist Muslimin, die ihren Glauben auch aktiv ausübt. Oder der taube Hearthstone, mit dem über Gebärdensprache kommuniziert werden muss. Und der bzw. die Neue in der Truppe, Alex, der/die sich mal als Mädchen und mal als Junge fühlt. Während solche Eigenheiten in anderen Büchern hervorgehoben und als problematisch thematisiert werden, integriert Riordan sie in der Gruppe. Keiner zeigt mit dem Finger auf sie (das würde Alex sich auch nicht gefallen lassen), jeder Einzelne ist stattdessen eine Bereicherung und wichtig für die Gemeinschaft. Sehr gut, wie selbstverständlich das funktioniert.








„Manche mögen Energydrinks. Ich dagegen finde, dass die Gefahr unmittelbarer Enthauptung mich ebenfalls wunderbar wach macht." (S. 361)

Wie schon beim Vorgänger gefällt mir auch hier wieder die flapsige, jugendliche Sprache. Rick Riordan verpackt das Chaos bei den Göttern mit einer ordentlichen Portion Humor, was einfach Spaß macht und für viel Schmunzeln bei mir gesorgt hat. Wer den ersten Band mit dem Untertitel „Das Schwert des Sommers" noch nicht kennt, sollte auf jeden Fall mit dem beginnen. Nicht nur, weil es schade wäre, den zu verpassen, sondern auch weil sonst einige Bezüge auf die Ereignisse dort nicht verständlich wären.

Persönliches Fazit

Nachdem mich der erste Teil schon begeistern konnte, bin ich auch vom zweiten nicht enttäuscht worden. Eine actionreiche Geschichte mit tollen Einfällen und viel Humor und mit mutigen und treuen Helden machen die Reihe um Magnus Chase zu einem großen Lesespaß für junge und jung gebliebene Leser.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner

Magnus Chase – Der Hammer des Thor | Rick Riordan | Carlsen Verlag
2017, gebunden, 512 Seiten, ISBN: 9783551556691
Aus dem Englischen von Gabriele Haefs
Ab 12 Jahren
Buch bestellen bei Amazon.de*


*Affiliate Link


[marcus]


Rezension: Ein Mann der Tat | Richard Russo

Dienstag, 6. Juni 2017 0 Kommentare

Ein entlarvender Blick hinter die Fassaden einer Kleinstadt


In North Bath passiert normalerweise nicht viel. Die Einwohner der Stadt gehen ihrer Arbeit nach und abends in die Kneipe. Ihr Leben verläuft geordnet, und ein Tag ohne besondere Ereignisse ist ein guter Tag. Doch an diesem Memorial-Day-Wochenende ist alles anders. Ein Gebäude stürzt ein, eine Giftschlange entkommt, ein Grab wird geschändet. Die Stadt ist in Aufruhr – und Chief Raymer versucht, Ordnung in das verheerende Chaos zu bringen. [© Text und Cover: Dumont Verlag]

[trennlinie]

Bath ist eine ziemlich durchschnittliche Kleinstadt in den USA. Nachdem ihre gesundheitsfördernden Quellen versiegt sind, ist sie in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht. Neidisch schauen die Einwohner auf die Nachbarstadt Schuyler, die mehr zu bieten hat und einfach hipper ist. Genau das macht auch die Bewohner von Bath aus, zumindest die, die wir kennenlernen. Sie sind nicht gerade auf der Gewinnerstraße unterwegs. Sie scheinen eher durchs Leben zu stolpern, unter ständigem Bemühen, sich über Wasser zu halten.

So geht es auch dem Polizeichef Douglas Raymer. In so einer Position erwartet man einen gestandenen, selbstbewussten Mann. Was nach außen so scheinen mag, sieht in seinem Inneren ganz anders aus. Er ist ein verunsicherter Mann voller Selbstzweifel, der sich in seinem Job überfordert fühlt. Über den Tod seiner vor einem Jahr gestorbenen Frau ist er noch lange nicht hinweggekommen. Was aber wirklich an ihm nagt ist, dass sie eine Affäre hatte, und er nicht weiß, mit wem. Es zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch, dass er herausfinden will, wer der Kerl ist. Die Entscheidungen, die er dabei trifft, sind nicht immer die klügsten, aber er macht das aus voller Überzeugung.








Donald Sullivan bekommt vom Arzt die vernichtende Diagnose, dass er maximal noch zwei Jahre zu leben hat. Zeit für den ehemaligen Soldaten, sein Leben zu hinterfragen. Hätte er mehr daraus machen müssen? Eigentlich war er doch immer zufrieden damit, nach einem Arbeitstag mit seinem Kumpel Rub abends in der Kneipe ein paar Biere zu heben. Seinen Gesundheitszustand behält er für sich, nicht einmal seinem Sohn oder seinem Enkel erzählt er davon. Typisch für ihn: als er unerwartet ein Haus erbt, lässt er seinen Sohn dort wohnen, ihm selbst genügt ein Wohnwagen. Aber völlig selbstlos ist er dann doch nicht: die Affäre mit einer verheirateten Frau schadet dann doch wohl zumindest ihrem Ehemann. Ob das gutgeht?






Spätestens nach der Hälfte des Buchs fällt mir auf, dass nicht so sehr die Handlung im Mittelpunkt steht, sondern die vielfältigen Charaktere, ihre inneren Konflikte und ihre Beziehungen zueinander. Ob mehr oder meist weniger schlaue Kleinkriminelle, ein Frauenheld und erfolgloser Bauunternehmer, der den Anforderungen seiner Eroberungen nicht mehr gerecht werden kann oder die Mutter, die ihre Tochter vor ihrem gewalttätigen Exmann schützen will – alle kämpfen sie sich durch ihren Alltag als Glücksritter der meist eher erfolglosen Art. 

„Sie hatte Jahre gebraucht, um zu begreifen, dass sich die meisten anderen Leute auch nicht gut fühlten, dass der Gang der Welt offenbar darauf abzielte, einem das Gefühl zu geben, man sei eine einzige Enttäuschung, dass man nie wirklich irgendwelche Erwartungen erfüllen könne." (S. 469)

Wie Richard Russo seinen Protagonisten in die Köpfe und Herzen sieht, ist von beeindruckender Intensität. So nah fühle ich mich den Helden eines Buchs nur selten. Er lässt mit seiner unkomplizierten aber präzisen Sprache die Stadt zum Leben erwachen, mit allem was dazu gehört: Hoffnungen, Ängste, Leidenschaften, Resignation etc. Das ganze wird mit einer Prise Humor und einigen philosophischen Anwandlungen abgerundet.

Persönliches Fazit

Richard Russo ist ein feinsinniger Beobachter und großartiger Erzähler. Trotz des Umfangs des Buchs wurde es mir zu keinem Zeitpunkt langweilig. Ich konnte mich kaum davon lösen, die scheinbar so gewöhnlichen und doch so interessanten Bewohner seiner Kleinstadt zu begleiten. 


© Rezension: 2017, Marcus Kufner

Ein Mann der Tat | Richard Russo | Dumont Verlag
2017, gebunden, 688 Seiten, ISBN: 9783832198428
Aus dem Englischen von Monika Köpfer
Buch bestellen bei Amazon.de*


*Affiliate Link


[marcus]



Gedankensammelsurium #2

Sonntag, 4. Juni 2017 18 Kommentare



Zu Ostern habe ich euch in meinem ersten Gedankensammelsurium berichtet, dass ich ein wenig Internetmüde geworden war. Auch das lesen viel mir sehr schwer, denn ich hatte den Kopf voller Gedanken und Aufgaben des Alltags, die es zu bewältigen galt. 
Letztlich führten meine Gedanken dazu, dass ich mir nun eine längere Auszeit gönnte. Quasi von heute auf morgen hatte ich damit begonnen, denn wenn man beschließt, erst doch noch dies und das und jenes fertig zu bearbeiten, dann wird es - zumindest bei mir - doch nichts mit der Pause. Also legte ich Bücher, Notizbücher und alles was dazugehört, zur Seite und habe abgeschaltet. Ich merkte, dass die Batterie leer war, dass ich mich gedanklich im Kreis drehte und ich einfach keine Ideen mehr hatte. Texte hörten sich gleich an, meine Sätze kamen mir einfallslos und banal vor und ich konnte mich selbst nicht damit vom Hocker hauen. Wie könnte ich denn so andere begeistern? Gar nicht. Eben. 
Ich war etwas müde und ich merkte, dass ich dem Inhalt der Bücher so nicht gerecht werde. 
Also zog ich mich etwas zurück - hier auf dem Blog und auch in den Social Media - und konzentrierte mich bewusst auf mein Privatleben, war und bin sehr viel in der Natur unterwegs und nun merke ich langsam, dass mein Akku wieder seinen aufgeladenen Zustand erreicht. 
Ich habe den Kopf bewusst freigehalten, um mich nicht selbst zu blockieren. Jetzt merke ich, wie die Ideen langsam wieder zu sprudeln beginnen, die Motivation Schritt für Schritt zurückkehrt und ich wieder Lust bekomme. Nach fast 4-wöchiger Bücherabstinenz habe ich nun in der vergangenen Woche gleich drei Bücher hintereinander gelesen und endlich wieder die Begeisterung dafür gespürt. 
Eine wunderbare Freundin sorgte die Tage durch gemeinsames Brainstorming auch dafür, meine Motivation anzufachen und ich glaube, sie entzündete das Feuer in der Tat wieder. Danke dir von Herzen dafür! 

Und ein ganz, ganz großes DANKESCHÖN an dieser Stelle natürlich an das ganze BücherKaffee-Team, die fleissig weitergelesen und geschrieben haben. Ihr seid toll! 

Also. Da bin ich wieder. Ich schreibe schon wieder an einer Buchvorstellung, habe ein Interview mit einer tollen Bloggerin in Vorbereitung, war Büchershoppen und treffe mich heute auch mit Marcus, um in den neuen Vorschauen zu stöbern. Ich bin happy! 

Happy machte mich auch die neue Ausgabe des Flow Magazins. In dieser Juniausgabe findet ihr ein Interview mit mir zum Thema "Die Bücher meines Lebens
Ich berichte hier über fünf Bücher, die aus persönlichen Gründen zu ganz besonderen Büchern in meinem Leben wurden. Habt ihr es schon entdeckt? 



Ein großes Dankeschön an das FLOW Team, insbesondere Frau Dietrich, für da schöne Gespräch und diese tolle Möglichkeit und an Yvonne Seidel für das spannende Fotoshooting! 

Ich habe mir auch wieder neue Bücher gegönnt, zu denen mich liebe Bloggerinnen in der letzten Zeit inspirieren. Die möchte ich euch natürlich auch gern zeigen. 

"Ebbe und Blut" aus dem GU Verlag habe ich bei Petzi vom Blog Die Liebe zu den Büchern entdeckt und sie konnte ich wirklich dafür begeistern, da mich das Thema auch sehr interessiert. Ich habe es mir daraufhin gleich bestellt. HIER könnt ihr Petzis Rezension zu dem Buch lesen. 

Diese vom Piper Verlag neu aufgelegten Bücher von Margaret Atwood begegneten mir in letzter Zeit recht oft und ich wurde neugierig. Die Aufmachung ist einfach toll und ich begann, nach Besprechungen zu schauen. Besonders Karin vom Blog Little Words konnte mich begeistern. HIER findet ihr Karins tolle Rezension zu "Lady Orakel" und HIER geht es zur Vorstellung des Buches "Der Report der Magd".
Aber auch auf Instagram begegneten mir die Bücher oft, unter anderem bei Mareike von Herzpotential. Ich wurde schwach und gestern trafen die Bücher dann bei mir ein. #happyalex



Ich wünsche euch ein wundervolles und entspanntes Pfingstwochenende. Was habt ihr denn für Pläne? Welches Buch lest ihr denn über die Feiertage? 



Bildmaterial Beitragsheader "Thoughts, notes & more" - kaboompics.com
[alexandra]