Rezension: Das Ohr des Kapitäns | Gisbert Haefs

Montag, 28. August 2017 4 Kommentare

Schlacht in der Karibik







Nach dem Ende des Spanischen Erbfolgekriegs im Jahr 1713 erhalten englische Händler das Monopol für die Belieferung des spanischen Kolonialreichs in Südamerika mit schwarzen Sklaven. Eines Tages weigert sich der »Händler« Jenkins (de facto wohl Schmuggler), sich von der spanischen Küstenwache vor Kuba kontrollieren zu lassen, worauf der spanische Kapitän dem Zeternden kurzerhand das linke Ohr abschneidet. Als Jenkins das Beweisstück in London vorlegt, ist das in der aufgeheizten Stimmung für England Grund genug, mit dem größten Flottenaufgebot seit der Armada zu reagieren. Es kommt zum Kolonialkrieg in der Karibik. Der später berühmte Romanautor Tobias Smollett nimmt als junger Assistenzarzt an Bord eines britischen Linienschiffs an der Unternehmung teil. [© Text und Cover: Heyne Verlag]

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Es brodelt zwischen England und Spanien auf politischer Ebene Mitte des achtzehnten Jahrhunderts. Ungern beobachten die Engländer, wie die Spanier Mittel- und Südamerika ausbeuten und Unmengen von Edelmetallen und anderen wertvollen Gütern einsacken. Da braucht es nicht viel, um ein militärisches Eingreifen zu veranlassen, vor allem, wenn man sich überlegen fühlt. Da werden gern auch Dinge aufgebauscht, wie eben die Geschichte mit dem Ohr des englischen Kapitäns, um die Abneigung gegen den Rivalen zu schüren. Die Wahrheit biegt sich da schon sehr auf dem langen Weg über den Atlantik. So wird ein Ohr zum Politikum.

„Sie alle, dachte er, mochten von grausamen Spaniern, Schmähungen englischer Ehre und anderen Phantasmen faseln, bis ihnen der Geifer ihre Rüschenhemden durchtränkt hatte, aber er wußte, worum es ihnen wirklich ging: Geld. Sie gierten danach, den Reichtum von Spaniens Kolonien in die Hände zu bekommen." (S. 54)

Viele Jahre später trifft der spanische Kapitän Belmonte den irischen Fischer O'Leary, der ihm von einem Schatz aus Gold und Edelsteinen erzählt, den Schmuggler in der Nähe von Cartagena versteckt haben sollen. Ist das nur Seemannsgarn oder gibt es ihn wirklich? Sie suchen den Dichter Smollett in der Hoffnung auf, Details dazu zu erfahren. Denn der war damals bei der Schlacht um Cartagena als Arzt dabei und hat O'Learys Vater, der zu den Schmugglern gehörte, behandelt. Um die Erinnerungen aufzufrischen, erzählen sich Belmonte und Smollett von ihren Kriegserfahrungen. So erfahren wir als Leser sowohl von der spanischen wie auch von der englischen Seite von diesem entscheidenden Kampf um die Festung von Cartagena.






Für mich ist es bei einem historischen Roman wichtig, dass ich mir hineinversetzen kann in die Zeit und in die Gegebenheiten der jeweiligen Epoche. Gisbert Haefs gelingt das mit einer akkuraten und fundierten Art. Er erklärt die Zusammenhänge größtenteils angenehm straff und keineswegs lehrerhaft. Einzig der Bericht Belmontes über die Verteidigung Cartagenas war mir zu sachlich. Die seitenweise Aufzählung der Anzahl der vorhandenen Kanonen und anderen Details war mir etwas zu langatmig. Umso anregender ist dagegen das Treffen mit Smollett. Mit seiner schroffen Art macht er keinen Hehl daraus, dass er weder Spanier noch Iren leiden kann. Das führt zu einem herrlichen Schlagabtausch. Solche lebhaften Dialoge und die gut gezeichneten Persönlichkeiten machen den Roman lebendig.

Persönliches Fazit

„Das Ohr des Kapitäns" ist ein historischer Roman, der mit einigen guten Zutaten aufwartet: Intrigen, große Schlachten und sogar eine Schatzsuche findet statt. Trotz ein paar Längen konnte er mich mit seinen spitzfindigen Dialogen gut unterhalten und mit seiner geschichtlichen Genauigkeit überzeugen.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Das Ohr des Kapitäns | Gisbert Haefs | Heyne Verlag
2017, gebunden, 400 Seiten, ISBN: 9783453269309
Buch bestellen bei Amazon.de  (Affiliate Link)

[marcus]

Kommentare:

  1. Lieber Marcus,

    deine Rezi trifft bei mir mal wieder genau ins Schwarze. Das Buch klingt nach guter, abenteuerlicher Unterhaltung und darf getrost auf meinem Wunschzettel verharren, bis ich es befreie ;)

    Liebe Grüße,
    Nanni

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    1. Liebe Nanni,

      dann straffe die Takelage und setze bald die Segel. Jetzt wo der Sommer sich wohl verabschiedet ist die Karibik doch ein attraktives Ziel :)

      Herzliche Grüße,
      Marcus

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  2. Moin Marcus,

    dieses Buch hatte ich bisher so gar nicht auf dem Schirm, aber es hört sich so an als ob es genau mein Ding wäre. Wobei ich ja eigentlich bis zur Buchmesse keine Bücher mehr kaufen wollte...

    LG
    Lena

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  3. Hallo Marcus, eine sehr liebevoll von Dir gestaltete Rezension ! Schau doch mal bei mir vorbei. Dort findest du meine Meinung,,,,
    LG Angela

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