Rezension: Soko Graz - Steiermark | Claudia Rossbacher

Dienstag, 1. August 2017 1 Kommentar

Kurzgeschichten zur Criminale 2017


Gekommen, um zu morden  Beschauliches Graz? Idyllische Steiermark? Das Böse ist bekanntlich immer und überall. Davon wusste schon die steirische Popgruppe EAV ein Lied zu singen. Und das gilt erst recht, wenn an die 200 Krimiautoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Graz einfallen, um dort die CRIMINALE 2017 zu veranstalten. Doch damit nicht genug. Ihre literarisch-kriminellen Spuren führen weiter durch die Steiermark, zu jenen Tatorten, die in spannenden Kurzkrimis verewigt wurden. [Text & Cover: © Gmeiner Verlag]

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Vom 02. bis zum 07. Mai 2017 fand die Criminale, eine Veranstaltungsreihe für Leser, primär jedoch Autoren von Kriminalromanen in der steirischen Landeshauptstadt Graz statt und gipfelte in der Gala zur Verleihung des Friedrich Glauser-Preises. Begleitend dazu ist, herausgegeben von Claudia Rossbacher der Band "SOKO Graz - Steiermark" erschienen, in dem in einer Reihe von Kurzgeschichten die Eignung der Region als Schauplatz für Literatur aus dem Genre demonstriert wird.

Ein Teil der Criminale war auch die vom Grazer Autor Robert Preis organisierte Nacht des Krimis mit dem Titel "Fine Crime". Dabei nutzte jeder der teilnehmenden Schreiber exakt sechs Minuten, um aus seinen Werken vorzugtragen. Und von diesem Gedanken scheint auch die vorliegenden Anthologie inspiriert zu sein: Die ausgewählten Kurzgeschichten vermitteln einen Eindruck von Stil, Themenwahl und Figurenzeichnung des jeweiligen Erzählers, ermöglichen auf diese Weise Vergleiche und motivieren zu einem vertiefenden Kennenlernen.

  • Beate Maxian führt an eine Burgruine, wo jährlich zum Fest der heiligen Anna die Personalsituation in der örtlichen Gastronomie gewaltsam neu strukturiert wird.
  • Mit Alexander Pfeiffer weht ein Hauch von organisiertem Verbrechen durch das radfahrerfreundliche Gleisdorf, wenn die Frühlingssonne das Gemüt eines Auftragstäters erhellt.
  • Bei Klaudia Blasl verzweifelt eine Frau beim Einparken vor einem Grazer Einkaufszentrum - bis die Aussicht auf die Versicherungsleistung beim Ableben des Gatten lockt.
  • In "Helloweenberg" läßt Carsten Sebastian Henn erahnen, wie wohl Quentin Tarantino das nächtliche Abernten eines Weinbergs inszenieren würde.
  • Reinhard Kleinl komprimiert auf engem sprachlichen Raum exemplarisch und intensiv das Schicksal geflüchteter Menschen, die in Kulturunterschieden aufgerieben werden.
  • Mit tiefschwarzem Humor schildert Isabella Archan den immer wieder mißlingenden Mord an einem lärmempfindlichen Grantler, schließlich mit einer Sterbeszene in Zeitlupe.
  • Die Aufklärung eines in der Redaktion der auflagenstarken "Kleinen Zeitung" verübten Mordes wird von Christine Brand aus mehreren Perspektiven geschildert, kurzweilig, spannend, wendungsreich.
  • Die Bluttat eines eifersüchtigen Bauern nutzt die Herausgeberin selbst, um das Naturell der Bewohner des steirischen Weinlandes bei Schilcher und Brettljause zu erproben.
  • Ein aktuell beliebtes Motiv bei Krimiautoren, der Stalker, belauert sein Opfer bei Christiane Franke in einer Grazer Wohnsiedlung ... am Ende ist das Küchenmesser blutverschmiert.
  • Robert Preis läßt eine Figur aus dem Umfeld seines Serienhelden Armin Trost in Eigeninitiative in einem Blumenladen ermitteln, ein Spin-Off wie eine Einstiegsdroge.
  • Wie Stalker sind auch Verschwörungstheoretiker prädestinierte Figuren, vor allem, wenn sie wie bei Elke Pistor ihre Überzeugungen mit tödlicher Vehemenz unterstreichen.
  • Constanze Denning führt den Leser auf eine Alm nördlich von Graz, wo ein wettergegerbter Eremit behördlich enteignet werden soll.
  • Bei Günther Neuwirt ist die Täterin sofort geständig, die Zeit ansonsten langwieriger Ermittlungen wird für Amouren, Archäologie und Amtsstubengeplauder lebendig genutzt.
  • Welch sprudelnde Quelle an Inspiration im finalen Umgang mit seinen Mitmenschen die Kriminalliteratur bietet, darüber weiß Christiane Dieckerhoff zu anekdotisch zu berichten.
  • Herbert Dutzler, sonst erzählerisch im Ausseerland beheimatet, läßt schließlich nach einer Verkostung in der Schokoladenmanufaktur Zotter die Bremsseile eines Oldtimers versagen ...

Persönliches Fazit

Fünfzehn kreative Persönlichkeiten, fünfzehn Geschichten ... manche von ihnen mögen den individuellen Lesergeschmack weit verfehlen, manche hingegen ihn genau treffen. Mit dieser kurzweiligen Kartographierung des kernölgetränkten Krimi-Kosmos' etabliert der auf Regionalkrimis spezialisierte Gmeiner-Verlag eine Region als literarische Bühne, die vielfach für Thermen, Wein und Wintertourismus bekannt ist.

© Rezension: 2017, Wolfgang Brandner


Soko Graz - Steiermark | Claudia Rossbacher (Hrsg.) | Gmeiner Verlag
2017, Paperback, 320 Seiten, ISBN: 978-3-8392-2078-8
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[wolfgang]  

1 Kommentar:

  1. Das mit den 15 Protagonisten finde ich spannend!

    Neri
    www.leselaunen.net

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