Rezension: Die Insel der Freundschaft | Durian Sukegawa

Freitag, 29. September 2017 2 Kommentare



Der junge Ryosuke, der seine Stelle als Koch verloren hat, nimmt einen Job als Bauarbeiter an – auf einer Insel mitten im Pazifik. Die Arbeit ist hart und einzig die Freundschaft zu zwei seiner Kollegen stellt einen Lichtblick dar. Doch dann trifft er den alten Hashi, der eine kleine Ziegenherde besitzt, selbst Käse herstellt und sich zudem als Fischer verdingt. Durch ihn bekommt Ryosuke eine Ahnung davon, wie ein Leben aussehen könnte, das ihn erfüllt: ein Leben mit einer Aufgabe, im Einklang mit der Natur und ohne das stetige Hadern mit sich. Aber ist ein Neuanfang möglich, wenn die Verletzungen der Vergangenheit noch nicht verwunden sind? [© Text und Cover: Dumont Verlag]

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Nachdem mich Durian Sukegawa mit „Kirschblüten und rote Bohnen" begeistern konnte, war ich schon sehr auf sein neues Werk gespannt. Auch bei „Die Insel der Freundschaft" stehen Außenseiter im Mittelpunkt. Als ein solcher sieht sich Ryosuke, den wir auf eine kleine Pazifikinsel begleiten. Bald ist klar, dass der Job, den er dort angenommen hat, eine Flucht für ihn darstellt. Es ist spürbar, dass er etwas mit sich herumschleppt, das ihn belastet. Kann er dieser Pein entfliehen oder vielleicht sogar seinen Frieden finden, indem er das gewohnte Leben in der Großstadt hinter sich lässt? Aber nicht nur diese Fragen ziehen ihn zu diesem Eiland, er ist auf der Suche nach einer bestimmten Person, die sich dort niedergelassen haben soll und wohl etwas mit seiner Vergangenheit zu tun hat. 

„Man glaubt, eine Insel im Süden, das muss doch das Paradies sein, aber das stimmt ganz und gar nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Wir leben hier außerhalb der Gesellschaft, als Außenseiter. Fast jeder auf der Insel ist auf irgendeine Art und Weise gescheitert." (S. 113)

Ryosuke ist ein stiller Mensch. Nur zögerlich öffnet er sich seinen Kollegen und so bildet sich auch nur langsam eine Freundschaft mit ihnen. Er fühlt sich den Ziegen, die frei auf der Insel leben, wesentlich mehr verbunden. Deshalb kommt ihm die Idee, aus Ziegenmilch Käse herzustellen. Bald merkt er aber, dass dieses Vorhaben wesentlich schwieriger umzusetzen ist, als er es sich vorstellt. Ich bewundere seine Beharrlichkeit, dieses Ziel trotzdem zu verfolgen. Er zieht den Unwillen der Bewohner auf sich, die durch ihn ihre Traditionen gefährdet sehen. Auf einer solch kleinen Insel herrscht eine besondere soziale Ökonomie, in die er nicht hineinzupassen scheint. Soll er sich dem stellen oder die Insel doch lieber wieder verlassen?




Durian Sukegawa erweist sich auch bei diesem Buch wieder als Meister der ruhigen Töne. Es ist bemerkenswert, wie er sich dem Seelenleben seiner Figuren nähert und uns Leser hinter die Fassaden blicken lässt. Wie im echten Leben sind es auch in seiner Geschichte nicht immer nur die großen, schicksalhaften Momente, die von Bedeutung sind, sondern auch die kleineren, die einem nur mit der notwendigen Aufmerksamkeit nicht entgehen. 

Persönliches Fazit

Wer gerne Geschichten über Leute liest, die normalerweise nicht im Mittelpunkt stehen, ist bei „Die Insel der Freundschaft" genau richtig. Durian Sukegawa beweist ein besonders feines Gespür für seine Figuren und schreibt in einer angenehm unaufgeregten Art.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Die Insel der Freundschaft | Durian Sukegawa | Dumont Verlag
2017, gebunden, 350 Seiten, ISBN: 9783832198619
Aus dem Japanischen von Luise Steggewentz


[marcus]

Kommentare:

  1. Das Buch hört sich fantastisch an. Und das Cover ist auch schon super gelungen.

    Neri, Leselaunen

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    1. Liebe Neri,
      das Cover finde ich auch sehr gut. Aber nicht nur das, das Buch liegt mit seinem kleineren Format perfekt in der Hand. Ein echt stimmiges Gesamtlayout :)
      Liebe Grüße,
      Marcus

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