Im Gespräch mit Autor Jess Jochimsen

Dienstag, 31. Oktober 2017 0 Kommentare


Marcus hatte auf der Frankfurter Buchmesse das besondere Vergnügen, den Kabarettisten und Autor Jess Jochimsen beim Stand vom dtv-Verlag zu treffen und ihn mit Fragen zu seinem aktuellen Roman „Abschlussball" und zu seiner Person löchern zu dürfen.


© Britt Schilling


Eine Frage, die sich mir förmlich aufdrängt: Woher kommt die Idee dieser besonderen Art eines Abschlussballs, also ein Feier auf dem Friedhof für einen unbekannten, mittellosen Verstorbenen, zu der Obdachlose und andere Bedürftige eingeladen und vom Feinsten verköstigt werden? Gibt es das vielleicht sogar tatsächlich?

Es gibt Abschlussbälle, wie sie im Buch beschrieben werden, damit sozialbehördliche Bestattungen etwas würdevoller durchgeführt werden. Es gibt Leute, die sich engagieren, damit das Abschiednehmen nicht würdelos ist. Und dann gibt es in den letzten Jahren immer mehr Beerdigungen, die Festcharakter kriegen. Ich habe von einer Beerdigung eines Münchener Dandys gehört, wo wirklich Leute auf den Gräbern getanzt haben, obwohl sie die Siebzig schon längst überschritten haben. Diese beiden Phänomene habe ich dann zusammenfantasiert. Diese Art Fest fand ich schon super.

Wie entstand der Held des Romans, Marten, der als Kind schon außergewöhnliche Schwierigkeiten hatte? Durch Erfahrungen, Beobachtung oder ist er reine Fiktion?

Ich wollte ihn tatsächlich sehr solitär und einsam gestalten und wusste auch von Anfang an, dass er in einer Bibliothek arbeiten wird. Das habe ich selber mal gemacht - diese unglaubliche Einsamkeit der Gänge! Ein auf einen halben Regalmeter falsch einsortiertes Buch ist für alle Ewigkeit weg. Das war das Wichtigste, was wir gelernt haben in der Unibibliothek. Ich hatte geplant, ein Kapitel zu schreiben, wo Marten denkt, er sei alt, das war eine kleine Nebenidee. Dann habe ich beim Schreiben gemerkt, dass das wahrscheinlich für zwei, vielleicht sogar für drei Kapitel trägt. Ich hätte aber nicht für möglich gehalten, dass sich dieses Phänomen, sich alt zu fühlen, quasi fast über das ganze Buch trägt. Das war wirklich ein Zufall. Dann konnte ich viele andere Dinge, die ich Marten andichten wollte, weglassen, weil diese literarische Idee noch nicht da war, was mich sehr verwundert hat. Dieses Altseit ist unglaublich Realistisch, zumal die Symptome von Depression und Senilität lange parallel gehen. Das war ein Knackpunkt beim Schreiben von Marten. Das war aber wirklich Zufall. Ich hatte die Idee und dachte, die trägt für fünf Seiten, dann habe ich gemerkt, sie trägt vielleicht für zehn Seiten, ich hätte nicht gedacht, dass sie quasi die ganze Kindheit überspannt. Das war Glück.

Die intensive Charakterisierung von Marten spricht für eine gewisse Affinität zur Psychologie deinerseits. Ist da etwas dran?

Eigentlich gar nicht. Das interessiert mich auch nicht sonderlich.

Musik spielt in „Abschlussball" eine zentrale Rolle. Auch in deinem Leben?

Das wusste ich von Anfang an, darüber wollte ich schreiben. Ich wäre gerne Musiker geworden, aber dafür hat das Talent nicht gereicht. Ich mache aber bis heute viel Musik, auch auf der Bühne.


Welches Instrument spielst du?

Akkordeon und Gitarre , da ich auf der Bühne Lieder spiele, die ich selber komponiere. Aber ich habe ein Blasinstrument gelernt, nämlich Klarinette. Aber am Grab wird immer Geige oder Blechblasinstrument gespielt, es war dann schnell klar, dass es im Roman die Trompete wird.

Wer kam auf dieses gelungene Cover? Hattest du Einfluss darauf?

Das waren wir, schön dass du es erwähnst. Ein Freund von mir ist Grafiker, der schon mal ein Cover für ein Buch von mir gemacht hat. Wir wollten auch einen Entwurf mit ins Rennen schicken zu den Hausgrafikern des Verlags. Es war dann recht schnell klar, dass es unser Entwurf wird. Wir mussten uns dann nur noch mit dem Verlag über das Finanzielle einigen, das ging schon. Der Frau, die uns den Trompeter gemalt hat, habe ich etwas aus eigener Tasche gezahlt, weil ich unbedingt dieses schöne Cover wollte. Wir haben uns da viele Gedanken gemacht und sehr gekämpft. Glücklicherweise fand der Verlag den Entwurf auch schön.

Ein paar Fragen zum Autor: Wer ist Jess Jochimsen? Stellst du dich unseren Bloglesern, die dich nicht kennen, kurz vor?

Mein Name ist Jess Jochimsen, ich heiße auch wirklich so, komme auch wirklich aus München und habe über die Bühne zum Schreiben gefunden. Ich habe Germanistik, Politik und Philosophie studiert und habe mir das Studium mit Auftritten verdient. Heute würde man Singer/Songwriter sagen, damals hieß es noch Liedermacher. Ich habe bald gemerkt, dass die Ansagen zu den Liedern oft viel besser waren als die Lieder, weswegen die immer länger und zum Teil literarischer und politischer wurden. Bald habe ich gemerkt, dass ich mit Kleinkunst, Kabarett oder Standup meinen Lebensunterhalt bestreiten kann und habe parallel angefangen, für Zeitungen Kolumnen zu schreiben. Irgendwann auf den ersten Lesungen und Probebühnen hat mich mal jemand gesehen und eingeladen, ein Buchprojekt in Angriff zu nehmen. Der Traum war lange da, wobei es anfangs auf die Bühnen- und Kolumnentexte, also satirisch orientiert war. Davon habe ich zwei Bücher gemacht, die bei dtv so erfolgreich liefen, dass ich sagen konnte, ich will einen Roman schreiben. Das ist alles schon lange her, der erste Roman ist schon über zehn Jahre alt. An Abschlussball habe ich vier Jahre lang geschrieben. Ich muss auch zwischendurch auftreten, ich kann ja nicht durchgehend schreiben. Ich habe mich auch nie um die üblichen Wege bemüht – Stipendium, Artist in Residence irgendwo wie die Kollegen halt, die damit ihre Bücher finanzieren.

Wie sieht dein Schreiballtag aus?

Ich schreibe sehr langsam und ich muss sehr viel schreiben, viele Fassungen. Wenn man Literatur ernst nimmt, gibt es „mal eben ein Buch schreiben" nicht. 

Durfte denn jemand drüberlesen?

Ich hatte dafür Freunde und Bekannte und eine Wahnsinnslektorin, die auch gar nicht im Verlag angesiedelt war. Das war ein Glücksfall. Sie arbeitet sehr uneitel und sehr genau. Sie sitzt in Berlin, da bin ich dann auch für zwei Wochen hingefahren und wir haben konzentriert gearbeitet. Sie kennt sich auch mit eitlen Schriftstellern aus, die nichts an ihren Sachen ändern wollen, da habe ich wirklich viel gelernt.


Verfolgst du Rezensionen?

Die bekomme ich immer geschickt und verlinke sie auch auf meiner Internetseite.

Spielen die sozialen Medien für dich als Autor eine Rolle?

Ich selber bin da als Autor nicht aktiv, weil ich noch wahnsinnig viel lese. Ich lese an die hundert Bücher pro Jahr. Das würde sich nicht mit einer konzentrierten Facebook-Bestückung vertragen. Ich bin eher darauf angewiesen, dass die Bühnen einen guten Facebook-Auftritt haben, weil da sitzen die Leute drin, die auch Facebook-Freunde sind. Dafür habe ich eine sehr gute Homepage, die ich auch täglich aktualisiere, das ist immer alles tiptop. Aber es gibt eben kein Twitter oder Facebook als Autor. Aber ich verfolge Besprechungen und verlinke sie auf meiner Homepage. Ich mache auch keinen Unterschied zwischen einer Zeitungs- und einer Blogkritik. Hauptsache es findet jemand gut und schreibt anständig darüber.

Hast du literarische Vorbilder?

Ein paar sind nicht zu verleugnen. Es ist schon Leserinnen und Lesern aufgefallen, dass mein Text einen Genazino-Touch hat. Den finde ich tatsächlich auch sehr gut. Aber ich finde sehr viele sehr gut. 

Welche Genres liest du selbst am liebsten?

Dadurch dass ich so viel lese, habe ich bestimmte Sachen ausgeschlossen. Ich lese fast keine Krimis mehr, ich lese sehr wenige historische Romane und praktisch kein Science-Fiction. Ich lese vieles aus der Literatur aus sehr vielen Ländern. Man schafft ja immer nur ein Bruchteil von dem, was man lesen will. Ich empfehle auch Bücher auf meiner Internetseite, da sind auch schon ein paar hundert Rezensionen von mir. Kurzrezensionen als Service oder aus Liebe zu den Büchern. Damit verdiene ich kein Geld. Einmal im Jahr schreibe ich das alles auf und verschicke es über den Newsletter. Darauf gibt es sehr viele Zugriffe, das interessiert die Leute. Das ist bei mir auch ohne amazon-Link, einfach nur das Buch und der Text. Das schätzen viele Leute. 

Zum Schluss die obligatorische Frage: gibt es Ideen für einen neuen Roman? 

Ideen ja. Jetzt startet erst mein neues Bühnenprogramm in Köln. Sobald das rollt, fange ich wieder an zu schreiben. Es gibt bisher ganz leise Ideen, ich will es noch nicht verschreien. Ich habe ja auch noch das Fotoprojekt, davon gibt es bereits zwei Bildbände bei dtv. Oder vielleicht wäre auch ein Band mit Kurzgeschichten etwas. Sowohl Angebot als auch Ideen wären da. Ich setze mich da allerdings nicht unter Druck. Ich finde es auch ganz schön, mich in mehreren Kunstsparten ausdrücken zu können. Früher waren meine Bücher sehr satirisch. Ich bin froh, dass ich diesen Satirebereich jetzt lassen kann und eher solche Bücher schreiben kann, die ganz ohne mich als Geschichte und Literatur funktionieren. Meine Bühnensachen funktionieren nicht ohne mich, und bei manchen meiner Bücher war es auch so, dass es eher über mich lief. Dieser Roman läuft gut und kommt auch bei Bloggern sehr gut an. Da geht es nicht um den Autor oder Kabarettisten, die fanden das Thema als Buch spannend. Das finde ich sehr schön. Das spricht für die Geschichte. 


Vielen Dank, Jess Jochimsen, für die spannenden Einblicke und viel Erfolg mit dem aktuellen Bühnenprogramm!


Mehr von und über Jess Jochimsen gibt es auf seiner Homepage www.jessjochimsen.de
Zur Rezension von „Abschlussball" geht es hier

[marcus]

Die App zum Buch: Operation Helix | Ein interaktives Textadventure von Marc Elsberg

Samstag, 28. Oktober 2017 0 Kommentare

Vor einiger Zeit habe ich Euch das Buch "Helix. Sie werden uns ersetzen" von Marc Elsberg vorgestellt. HIER findet Ihr meine Rezension. Nun gibt es zu dieser Story auch ein interaktives Textadventure. Ich habe mir das mal näher angeschaut: 



Herausgeber: Verlagsgruppe Random House
Veröffentlichung: 13.09.2017
Betriebssysteme: Android, iOS
Version: 1.0134 (Android) 1.0 (iOS)

Beschreibung:

Wer erinnert sich noch an die sogenannten Spielbücher, in denen der Leser in die Geschichte eingebunden wird und anhand eigener Entscheidungen deren Verlauf beeinflussen kann? Diese gelten als analoge Vorläufer der populären Rollenspiele (RPGs) und erleben nun als Apps für mobile Geräte eine Renaissance. Um diesen ein verstaubt-nostalgisches Erscheinungsbild zu verleihen, werden graphische Elemente sehr sparsam eingesetzt - wie bei einem Buch entstehen die Bilder im Kopf des Lesers.

"Operation Helix" versteht sich als ein solches interaktives Abenteuer. Die Schnittstelle zum Benutzer ist an Messenger-Dienste wie WhatsApp angelehnt, die Handlung innerhalb des Romans "Helix" von Marc Elsberg angesiedelt. Die Lektüre zwar nicht erforderlich, aber doch zu empfehlen, da der Leser / Spieler in eine konkrete Situation der Geschichte geworfen wird. Via Messenger wird er von Phil, einem Angestellten der zentralen Forschungseinrichtung kontaktiert, der moralische Bedenken gegen seinen Arbeitgeber hegt. Mit kurzen Anweisungen muß Phil nun durch jene Momente gelotst werden, in denen die Sicherheitsvorkehrungen der Anlage versagen und Tumult ausbricht.

Dank der Funktion "Wartezeit" kann das Spiel wahlweise in Echtzeit absolviert werden. Das bedeutet, wenn Phil dem Spieler mitteilt, er benötige für den Weg zum nahegelegenen Wald etwa 15 Minuten, erfolgt die nächste Meldung, auf die reagiert werden muß, erst nach einer tatsächlich verstrichenen Viertelstunde. Dieses Feature erzeugt zwar Realismus, wird aber aufgrund der spannenden Handlung kaum genutzt werden.



Bezahlmodell:

Der Kaufpreis versteht sich als einmalige Zahlung, in der Anwendung sind keine kostenpflichtigen Programmbestandteile (In App Purchases) enthalten. "Operation Helix" ist somit transparanter als vergleichbare interaktive Abenteuer, wo für die Überbrückung von Wartezeiten in mehreren Formen bezahlt werden kann.

Persönlicher Eindruck:

Offensichtlich empfand Marc Elsberg großes Vergnügen am Spin-Off zu seinem Roman, die Dialoge entwickeln sich in einer lockeren Umgangssprache und sind voll subtilem Humor. Gleich viel Zeit wie für einen kompletten Roman sollte man allerdings nicht einplanen, würde nämlich die Handlung linear erzählt werden, das Ergebnis wäre wohl nur eine wenige Seiten umfassende Kurzgeschichte. Zwar ermöglicht es die Funktion "Zurückspringen" einmal getroffene Entscheidungen zu revidieren, an einer Weggabelung die andere Abzweigung zu wählen, doch findet man sich nur allzu oft in bereits durchspielten Situationen wieder. Der Weg zu einem befriedigendem Ende - an dem der Protagonist sich nicht beim Spieler höflich bedankt aber letztlich ergebnislos verbleibt - ist nicht leicht zu finden. Das Spiel scheint also viele Trostpreise und einen Hauptpreis bereitzuhalten, den zu erringen es mehrere Anläufe bedarf.

Fazit:

"Operation Helix" ist eine spielerische Ergänzug zum Roman "Helix" von Marc Elsberg mit einer eigenständigen Geschichte, ohne jedoch überraschende Wendungen oder neue Aspekte zu eröffnen. Der originelle Zugang zur Geschichte läßt eine Erweiterung wünschen und wäre auch für andere Romane gut vorstellbar.

[wolfgang]

Rezension: Kukolka | Lana Lux

Freitag, 27. Oktober 2017 2 Kommentare

"Ich hörte das Keuchen. Ständig hörte ich das Keuchen der Männer"



Ukraine, 90er Jahre. Große Party der Freiheit. Manche tanzen und fressen oben auf dem Trümmerhaufen der Sowjetunion, andere versuchen noch, ihn zu erklimmen. Auch Samira. Mit sieben Jahren macht sie sich auf die Suche nach Freiheit und Wohlstand. Während teure Autos die Straßen schmücken, lebt Samira mit ein paar anderen Kids in einem Haus, wo es keinen Strom, kein warmes Wasser und kein Klo gibt. Aber es geht ihr bestens. Sie hat ein eigenes Sofa zum Schlafen und eine fast erwachsene Freundin, die ihr alles beibringt. Außerdem hat sie einen Job, und den macht sie gut: betteln. Niemand kann diesem schönen Kind widerstehen, auch Rocky nicht. Er nennt sie Kukolka, Püppchen. Wenn Kukolka ihn lange genug massiert, gibt er ihr sogar Schokolade. Alles scheint perfekt zu sein. Doch Samira hält an ihrem Traum von Deutschland fest. Und ihr Traum wird in Erfüllung gehen, komme, was wolle.  [Text & Cover: © Aufbau Verlag]

[trennlinie]

„Kukolka“ hat mich emotional sehr mitgenommen, hat mir regelrecht weh getan und mich aufgewühlt. Umso schwerer ist es nun, die passenden bzw. angemessenen Worte für dieses wahrlich starke Debüt von Lana Lux zu finden.  Das Thema ist kein Leichtes, das war mir natürlich schon im Vorhinein klar. Auch, dass es mich sicher sehr berühren würde, war mir bewusst. Aber Samira, von allen Kukola (Püppchen) genannt, hat mich wahrlich umgehauen. Aber ich bereue keinesfalls, es gelesen zu haben- ganz im Gegenteil! Es gibt Geschichten, die müssen einfach weh tun. Und „Kukolka“ ist genau solch eine. 

Wir begleiten Samira etwa ab ihrem siebten Lebensjahr, als sie beschliesst, aus dem Heim abzuhauen, in dem sie seit jeher lebt. Samira schließt nicht leicht Freundschaft, ausser zu Marina, die immer zu ihr steht. Als diese adoptiert wird und nach Deutschland geht, schwören sie sich, dass sie sich wieder sehen werden, dass Samira auch nach Deutschland kommen wird und sie wieder zusammen sind. Ein Traum, der Samira nicht mehr loslässt und der zu ihrem erklärten Lebensziel wird. Auch als der Strudel sie stetig weiter nach unten zieht, ist es der Gedanke an Marina, der sie nicht aufgeben lässt. 

Was sich zu Beginn ein wenig wie Oliver Twist liest, wird sehr schnell richtig krass. Nach ihrer Flucht trifft sie, völlig desorientiert von der Welt ausserhalb des Heimes, auf Rocky, der ihr Hilfe anbietet. Rocky ist ihr Retter und Peiniger, der ihr zwar ein Dach über dem Kopf anbietet, der Preis dafür aber ein sehr hoher ist. Sie wird zur Bettlerin und gibt das Geld abends an Rocky, wie auch die anderen Kinder im Haus. Un sie ist gut, richtig gut! Und auch sehr hübsch, wie Rocky immer wieder betont, seine „Kukolka“ eben - die ihn für Schokolade auch schon mal streicheln muss… 
Sie fühlt sich aber dennoch meist wohl, arrangiert sich mit der Situation. 

Es roch nach Zuhause. Mein Leben war toll. Ich hatte eine richtig erwachsene Freundin und einen echten Job, den ich sehr gut machte. Ich war diejenige, die beim Betteln mehr bekam als jeder andere. (S. 79) 

Das redet sie sich auch später immer wieder ein, während sie mit ansehen muss, wie zwei ihrer Freundinnen sterben. Misshandlung und Prügel gehören zum Leben wie dreckige Klamotten, „Taschen putzen“ und singen im knappen Kleidchen vor spielenden und saufenden Männern. Mit zwölf Jahren überschlagen sich die Ereignisse und Samira landet in Deutschland. Doch sie hat sich das alles ganz anders vorgestellt. Statt endlich Marina zu finden, kommt sie geradezu vom Regen in die Traufe. Sie wird zur Prostitution gezwungen. Mit 13 Jahren hat sie nun etwa drei Freier am Tag und ehe sie sich versieht, wird sie an ein übles Bordell verkauft. Hier durchlebt sie die wahre Hölle, ist nur noch eine Ware, die im Internet 24h am Tag gebucht werden kann, die benutzt und misshandelt wird. Sie ist „Frischfleisch“ und wird ca. 10-20 mal am Tag von giergetriebenen Männern gebucht, die sie gnadenlos verletzen. Sie nimmt Drogen und Tabletten um den Schmerz zu verdrängen. Sie klinkt sich aus, so gut sie kann. 

"Ich wurde so ein bisschen wie unsere Waschmaschine. Ganz viele Programme, alle laufen automatisch ab, und von aussen sieht man nur, dass sich was dreht.“ (S. 304)

Besonders an dieser Geschichte ist, dass wir all das, all diese furchtbare Grausamkeit, von Samira selbst erfahren. Wir haben Teil an ihren Gedanken, erleben hautnah ihre innerliche Abgestumpftheit, ihre Resignation. Wir begleiten sie auf ihrem Weg vom jungen Kind bis hin zur fünfzehnjährigen Teenagerin, die mehr erleiden musste, als man sich überhaupt vorstellen kann. 

Die Frage kommt oft auf, ob es denn solch ein brutaler, schonungsloser Roman sein muss. Ob das wirklich notwenig sei. Ich persönlich finde: Ja, das muss sein. Es tut sehr weh, aber es rüttelt an uns und macht uns nicht blind für die Welt ausserhalb unserer Filterblase. Denn „Kukolka“ ist ein Aufschrei. Lana Lux hat bewusst ihrer Protagonistin zu Wort kommen lassen, hat ihr eine Stimme gegeben. Samira steht und spricht für die vielen, vielen Kinder, Mädchen und junge Frauen, die tagtäglich durch solch oder eine ähnliche Hölle des Big Business „Prostitution“ gehen, die nur als Ware angesehen, benutzt, missbraucht und gebrochen werden. „Kukolka“ steht für die brutale, aber wahre Realität, die hinter vielen zugezogenen Fenstern und getönten Autoscheiben überall auf der Welt stattfindet.

Ich [...] wollte meinen Körper in eine unzerstörbare Plastikfolie einschweißen, so wie alles Wertvolle in Deutschland eingeschweißt wird. Aber er war nicht wertvoll genug. Ich war nicht wertvoll. Bloß ein Niemand. Schlimmer noch. Wer niemand ist, kann alles werden. Ich nicht. Ich war eine Nutte. Das war eine Endstation. (S. 329) 

Auch die Sprache ist brutal. Vulgär und oft erscheint sie emotionslos, gar nüchtern. Aber auch das gehört dazu, denn diese Welt kann nicht mit schönen Worten geschmückt und verharmlost werden. 

Persönliches Fazit

„Kukolka“ ist definitiv kein Buch für Zartbesaitete, so ehrlich muss man sein. Wer das Buch zur Hand nimmt, muss wissen, auf was für eine Erfahrung man sich einlässt. Es schmerzt, man mag schreien - aber man liest weiter. Immer mit diesem kleinen Fünkchen Hoffnung, dass es da noch was kommen muss. Dass es das Leben doch auch mal gut meinen muss mit Kukolka. 
Ich habe „Kukolka“ an einem Stück gelesen und für den Rest des Tages keine Ruhe mehr gefunden, war am umherwandern, war innerlich vollkommen aufgewühlt. Mich wird die kleine Heldin Samira noch sehr lange beschäftigen und das ist auch gut. Ein so schonungsloses, ergreifendes und doch so starkes Buch, dass sensibilisiert.

© Rezension: 2017, Alexandra Stiller




Kukolka | Lana Lux | Aufbau Verlag
2017, HC, 375 Seiten, ISBN 978-3-3551-03693-5


[alexandra]

Rezension: Glücksmädchen | Mikaela Bley

Donnerstag, 26. Oktober 2017 0 Kommentare

Im Norden nichts Neues




Ellen Tamm ist besessen vom Tod, seit ihre Zwillingsschwester vor acht Jahren starb. Sogar während ihrer Arbeit verfolgt sie der Verlust: Sie ist Kriminalreporterin bei einem Stockholmer Fernsehsender und sucht sich mit Absicht die schlimmsten Fälle aus. Als könne sie damit den Tod überwinden und die Trauer aus ihrem eigenen Leben verdrängen. Dann verschwindet an einem kalten, verregneten Tag die achtjährige Lycke spurlos. Ellen soll über den Fall berichten. Aber mit einem Mal funktionieren ihre Abwehrmechanismen nicht mehr. Es ist, als hätte sie ihre Zwillingsschwester erneut verloren. Panisch sucht sie nach Lycke. Kann sie das Mädchen retten und endlich Frieden finden? [© Text und Cover: Ullstein Verlag]

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Eine völlig neue Idee ist das nicht gerade: ein Mädchen ist verschwunden und eine Frau, die mit ihrer Vergangenheit kämpft, will sie finden. Gab es so oder so ähnlich schon öfter. Die Frau ist hier jedoch keine Polizistin, sondern Journalistin. Tatsächlich unterscheidet sich ihr Vorgehen nicht so sehr von einer professionelle Ermittlerin, wenn sie beispielsweise Zeugen befragt. Allerdings hat sie es etwas schwerer, da sie was Informationen angeht von ihren Kontakten zur Kriminalpolizei abhängig ist.

Ausgerechnet für den Fall eines verschwundenen achtjährigen Mädchens teilt Ellens Chef Jimmy sie ein. Der ist nicht nur ihr neuer Vorgesetzter beim Fernsehsender sondern auch noch ihr Exfreund. Deshalb weiß er eigentlich, was das für sie bedeutet. Genau in dem Alter war sie, als ihre Zwillingsschwester starb. Ellen ist bis heute nicht über den Verlust hinweggekommen. Was damals passiert ist, ist einer der beiden roten Fäden, die sich durch das Buch ziehen. Schließlich will ich wissen, wieso sie sich immer noch Vorwürfe wegen der Ereignisse von damals macht. Wenn eine neue Krimiserie etabliert werden soll, muss die Hauptperson interessant sein. Ich finde, Ellen hat hier noch Entwicklungspotenzial. Ich habe nicht das Gefühl, sie jetzt schon gut zu kennen.




Aber was ist denn jetzt Lycke, dem verschwundenen Mädchen, zugestoßen? Ist sie davongelaufen? Wurde sie entführt? Lebt sie überhaupt noch? Über den Fall wird, auch mit Ellens Hilfe, groß in den Medien berichtet. Doch es gibt zunächst keine Spur von ihr. Ist sie einem Pädophilen in die Arme gelaufen? Oder hat die Familie etwas damit zu tun? Lyckes Eltern sind geschieden und ihr Vater hat eine neue Familie gegründet. Hat sie dort gestört? Ist die Stiefmutter vielleicht eine sehr böse Stiefmutter? Die Polizei tut sich schwer, Anhaltspunkte zu finden.

Die psychische Belastung ist für Mutter und Vater groß. Nachdem sie sich entschieden haben, eine Pressekonferenz abzuhalten, wird das noch schlimmer. Jetzt wird auch noch von außen beurteilt, wie sie damit umgehen. Ist die Mutter nicht emotional unterkühlt? Tritt der Vater auch nicht zu selbstbewusst auf? Alle scheinen die Familie zu beobachten. Die Medien können eine Hilfe sein, gerade in Zeiten von Social Media lassen sie sich aber nur schwer kontrollieren. 

Persönliches Fazit

„Glücksmädchen" bietet klassische Krimikost schwedischer Art mit zwei leidlich spannenden Handlungssträngen. Ellen ist ein durchaus brauchbarer Charakter, so richtig warm bin ich mit ihr aber nicht geworden. Der Thriller liest sich sehr flott, mitreißen konnte er mich aber nicht.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Glücksmädchen | Mikaela Bley | Ullstein Verlag
2017, broschiert, 320 Seiten, ISBN: 9783548288444
Aus dem Schwedischen von Katrin Frey


[marcus]

Rezension: Lügnerin | Ayelet Gundar-Goshen

Montag, 23. Oktober 2017 1 Kommentar

Haben Lügen wirklich kurze Beine?


Manche Menschen werden durch die Wahrheit schön, andere durch die Lüge. Als die unscheinbare Eisverkäuferin eines Tages ein Missverständnis zu einer Lüge formt, richten sich plötzlich die Augen der ganzen Stadt auf sie. Im hellen Licht der Kameras blüht sie auf, und mit ihr wächst und gedeiht die Lüge. Doch wie lange kann sich eine prachtvolle Pflanze halten, wenn ihre Wurzeln in sandigem Grund stecken? Ayelet Gundar-Goshen (Löwen wecken) legt die menschliche Seele bloß und lässt die Grenzen zwischen Richtig und Falsch meisterhaft verschwinden. [© Text und Cover: Kein & Aber Verlag]

[trennlinie]

Mit ihrem Roman „Löwen wecken" konnte mich Ayelet Gundar-Goshen schon begeistern, vor allem ihr Schreibstil hatte es mir damals angetan. Da wollte ich mir ihr neues Buch natürlich nicht entgehen lassen.

Die titelgebende „Lügnerin" heißt Nuphar, ist siebzehn Jahre alt, und hält sich selbst für äußerst unscheinbar. Ein bisschen zu pummelig und etwas zu pickelig findet sie kaum Beachtung in ihrem Umfeld, vor allem auch nicht bei den Jungs. Außerdem steht sie im Schatten ihrer jüngeren und hübscheren Schwester, die die Aufmerksamkeit von Familie und Mitschülern auf sich zieht wie ein Magnet. Das ändert sich auf einen Schlag, als ihr ein sehr unangenehmer Kunde von der Eisdiele auf die Toilette im Hinterhof folgt. Sie gerät in Panik und schreit. Schnell sind Helfer da, die von ihr wissen wollen, ob der Mann sie so bedrängt hat, wie es den Anschein hat. So rutscht sie rein in eine Sache, die eine ganz eigene Dynamik erhält, die nur Nuphar stoppen könnte. Doch sie entscheidet sich dagegen.

„Der Gemächlichkeit des menschlichen Wachstums steht die erstaunliche Geschwindigkeit gegenüber, mit der sich eine von Menschen gemachte Geschichte entwickelt: Jemand setzt sie in die Welt, und schon steht sie auf eigenen Beinen, besonders, wenn sie den Ruch des Skandalösen hat." (S. 35)




Jetzt steht Nuphar plötzlich im Mittelpunkt, alle bewundern das tapfere Mädchen. Sie profitiert erheblich von den Anschuldigungen gegen den unsympathischen Kunden, der auch schnell von den Medien vorverurteilt wird. Gundar-Goshen stellt hier die moralische Frage, wie weit man gehen darf, um eine Lüge zu seinem Vorteil zu nutzen. Macht das nicht jeder gelegentlich? Wer will Nuphar dafür verurteilen? Der Roman wird durch die Frage getragen, ob sie sich auf dieser Grundlage eine neue Existenz und Freundschaften aufbauen kann oder ob das Lügengebäude mit lautem Getöse einstürzen wird. Zeitweise geht es damit nicht so richtig voran. Das liegt auch an der Implementierung von Nebendarstellern, die allerdings ausgezeichnet charakterisiert werden. Ob der Oberst a.D. oder eine Schoa-Überlebende, die Autorin bindet damit unaufdringlich Besonderheiten der gesellschaftlichen und politischen Situation und Geschichte Israels ein. Sie beweist sich dabei als kluge Beobachterin.

„So vergingen die Minuten mit Befürchtungen und Bedenken. Wäre die Zeit eine gütigere Herrin, hätte sie ihren Lauf zweifellos verlangsamt. Aber Uhren waren unerbittliche Bürokraten, die unter keinen Umständen von den Regeln abwichen, und so standen beide Zeiger um zwölf Uhr genau auf zwölf." (S. 80)





Mit ihrer besonderen Schreibweise konnte Gundar-Goshen mich wieder begeistern. Sie ist einfallsreich, präzise und schnörkellos. Damit konnte Sie meine Erwartungen daran voll erfüllen.

Persönliches Fazit

Ayelet Gundar-Goshen entwirft ein entlarvendes Gesellschaftsbild, in dem sie uns Scheinheiligkeit und falschen Moralismus vor Augen führt. Vor allem aber ihre wunderbare Sprache machte das Lesen von „Lügnerin" für mich zu etwas Besonderem.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Lügnerin | Ayelet Gundar-Goshen | Kein & Aber Verlag
Aus dem Hebräischen von Helene Seidler
2017, gebunden, 336 Seiten, ISBN: 9783036957661


[marcus]

Sechs Jahre BücherKaffee - wir sind glücklich!

Freitag, 20. Oktober 2017 5 Kommentare



Beinahe ganz unbemerkt vergeht die Zeit.
Das BücherKaffee ist wieder ein Jahr älter und wir sind glücklich. 


Glücklich über diese Bereicherung, den Austausch mit EUCH, mit Autor*innen, Verlagen und Büchermenschen. Glücklich über die vielen schönen und inspirierenden Treffen. Glücklich über Freundschaften, die sich über die Jahre entwickelt und gefestigt haben. Glücklich über das Entdecken von wunderbaren Buchperlen. Glücklich über das, was diese Geschichten mit uns machen, wie sie uns bilden, unseren Horizont erweitern, uns verändern, voranbringen und uns prägen. Vielen Dank, dass IHR die Liebe zum Buch mit uns teilt und uns begleitet.  Denn genau das macht uns besonders glücklich!

Auf viele weitere Jahre - wir lesen uns! 
Euer BücherKaffee-Team 


❤️💛💚💙❤️

[alexandra]

*Bildquelle: kaboompics.com

Rezension: Der gefährlichste Ort der Welt | Lindsey Lee Johnson

Montag, 16. Oktober 2017 2 Kommentare

Auf der Suche nach Glück


Mill Valley, das paradiesische Städtchen in der Bucht von San Francisco, Inbegriff von Wohlstand und Sorglosigkeit, wird bei Lindsey Lee Johnson zur Falle. Feinfühlig und dabei scharf beobachtend gibt Johnson dem verzweifelten Tristan, der kalten Calista, dem sanften Dave und all den anderen der Clique eine Stimme. Sie leuchtet „den gefährlichsten Ort der Welt" aus und entlarvt den amerikanischen Traum als die Illusion einer Gesellschaft, die ihrer inneren Leere zu entkommen sucht. [© Text und Cover: dtv Verlag]

[trennlinie]

Sieben Jungs und Mädels beobachtet Lindsey Lee Johnson in ihrem Roman. Sie besuchen alle die Schule in Mill Valley, einer Kleinstadt vor den Toren von San Francisco. Oft wird in Büchern eine fiktive Stadt als Schauplatz kreiert, Mill Valley gibt es aber wirklich und hat hauptsächlich Einwohner, deren Einkommen weit über dem Durchschnitt der USA liegen. Es sind viele Manager, Anwälte oder Ärzte, die in diesem kleinen Paradies ihren Wohnsitz haben. Ein Umfeld, das für die Kinder eigentlich ideal ist: behütet, sicher, mit besten Bildungsmöglichkeiten. Genau da setzt Johnsons Roman an: die Jugendlichen funktionieren nicht so, wie es ihre Eltern sich vorstellen. Sie sind keine Roboter, sie sind Menschen, die auf der Suche sind nach ihrer Identität, ihrer Persönlichkeit. So wie es bei Teenagern nun mal ist.

Von außen kann man leicht sagen, dass die Kids doch von allem, was man zum Leben braucht, reichlich haben – auf dem berühmten Silbertablett serviert. Genauer betrachtet macht ihnen das aber Probleme, es fehlt an der Herausforderung, für den Wohlstand zu kämpfen. Früher oder später erben sie doch eh den Luxus, den sie gewohnt sind. Wenn es der einzige Sinn ist, sich in der Schule anzustrengen, um es den Lehrern und Eltern recht zu machen, motiviert das nicht wirklich. Sie suchen sich andere Reibungspunkte, um den Druck von zu Hause abzubauen. Manche von ihnen flüchten sich in Alkohol oder Drogen, und sie machen Fehler. Dass man als Jugendlicher mal Mist baut, ist normal. Viele kommen trotzdem recht schadlos durch die Schulzeit, doch manche schaffen das nicht. Das steht hier in besonderem Kontrast zu diesem Heile-Welt-Umfeld von Mill Valley.




Als Schüler sollte man möglichst eine dicke Haut haben. Wer Schwäche zeigt, hat schon verloren. Das ist hier auch nicht anders wie in anderen Schulen. Aber welcher Teenager ist nicht unsicher? Am besten kaschiert man das, in dem man auf andere einprügelt. Das geht in unserer Zeit am einfachsten digital in den sozialen Medien. Was die Kids hier rauslassen, ist sehr hart. Und jeder kann mitmachen, nur das Opfer kann sich nicht wehren. Ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, dass Eltern den Kindern den Umgang damit beibringen. Aber dafür haben die Schwerverdiener keine Zeit.

„Lehrerinnen wie sie ermunterten hoffnungslose Fälle wie Tristan ständig, sich mit absurden Anstrengungen in die Gemeinschaft einzubringen – mit Liebeserklärungen oder wahllosen Versuchen, Freundschaften zu schließen -, als wäre die Mittelschule ein sicherer Hafen, in dem man solche Experimente durchführen konnte, und nicht der gefährlichste Ort der Welt." (S. 40)

„Der gefährlichste Ort der Welt" ist nicht als Jugendbuch konzipiert, auch wenn es um Jugendliche geht. Die Geschichte wird von einem dramatischen, beinahe fatalistischen Unterton getragen, der mir sehr gut gefallen hat. Die Autorin verwendet dabei eine unkomplizierte Sprache, die aber trotzdem mit ihrer Präzision beeindrucken kann. Die größte Stärke ihres Buchs ist aber die Charakterisierung ihrer Protagonisten. Damit bin ich ganz nah dran an an den Schülern, kann in ihre Seelen blicken und ihr Verhalten und ihre Entscheidungen nachvollziehen. 

Persönliches Fazit

Lindsey Lee Johnson entlarvt die Welt der Reichen als eine, die nicht annähernd so perfekt ist, wie es nach außen scheint. Sie findet den richtigen Ton, um die Verletzlichkeit ihrer Protagonisten zu treffen und die Ratlosigkeit der Eltern und der Gesellschaft aufzuzeigen. Mich konnte „Der gefährlichste Ort der Welt" damit sehr fesseln.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Der gefährlichste Ort der Welt | Lindsey Lee Johnson | dtv Verlag
2017, gebunden, 304 Seiten, ISBN: 9783423281331
Aus dem amerikanischen Englisch von Kathrin Razum


[marcus]

10x3 Dinge … über Florian aka LiterarischerNerd - Bücher mit Herz & Hirn.

Sonntag, 8. Oktober 2017 2 Kommentare

Wir möchten euch gerne tolle Blogs/Vlogs/Bookstagrammer aus den verschiedensten Bereichen vorstellen und haben dabei unser Augenmerk besonders auf die Personen hinter diesen schönen Blogseiten/Accounts gelegt. WER schreibt denn da eigentlich, wessen Beiträge und Bilder begeistern uns da immer wieder? Wir blicken hinter die Kulissen - kurz und prägnant. Wir freuen uns sehr, dass sich Bookstagrammer Florian aka "LiterarischerNerd - Bücher mit Herz & Hirn" der Herausforderung gestellt und unsere "10x3 Dinge über..." beantwortet hat.



Rezensiert werden Novitäten, Raritäten sowie Bücher, die mir am Herzen liegen – das Ganze immer mal wieder gepaart mit Geschichten aus dem Alltag eines Buchhändlers.
Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und vor gut einem Jahr Bookstagram für mich entdeckt – ein neuer, ganz anderer Weg für mich, Menschen und Literatur zusammenzubringen und die Liebe zum geschriebenen Wort zu entfachen und weiterzugeben. Ob Kinderbuch, Klassiker, Bildband, Spiegelbestseller oder zeitgenössische Literatur - ich setze mich kritisch damit auseinander und zeige Euch, was mich bewegt. #makereadingsexyagain!

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3 Eigenschaften, die dich besonders gut beschreiben

→ begeisterungsfähig
→ kommunikativ
→ neurotisch (um den großartigen Woody Allen zu zitieren: „Für mich ist das Glas weder halbleer noch halbvoll – ich habe Angst, dass es gleich vom Tisch fällt.“)

Romane, die dir in diesem Jahr gut gefallen haben.

→ Hanya Yanagihara - Ein wenig Leben
→ Nell Leyshon – Die Farbe von Milch
→ Mariana Leky – Was man von hier aus sehen kann


3  Sach-/Fach-/Hobbybücher, die dich überzeugten und großen Mehrwert für dich hatten.

→ Hellmuth Karasek – Mein Kino – selten habe ich jemanden empathischer über seine Lieblingsfilme erzählend erlebt, als hier – ein Vorbild
→ Das Harenberg Buch der tausend Bücher – ein unverzichtbares Nachschlagewerk
→ Die „Booklet“-Reihe aus dem Diaphanes Verlag – philosophische/soziologische/popkulturelle Lektüren zu Meisterwerken des seriellen Erzählens/Fernsehserien

3 Filme/Serien, die du gerne geschaut hast/gerne schaust.

Westworld  – keine Serie hat mich 2017 mehr begeistert – sowohl was das Storytelling, als auch die visuelle Umsetzung angeht: einfach nur grandios!
Nip/Tuck – ich liebe alles von Ryan Murphy ...aber müsste ich eine seiner Serie benennen, ich würde mich immer, noch vor AHS, für Christian Troy und Sean McNamara entscheiden
→ Seinfeld – es gibt keine Serie, die mehr „sponge-worthy“ ist – „Serenity now“!

3 Songs von deiner Lieblings-Playlist.

→ The Amazing – Circles (höre ich momentan gerne, wenn ich Insta-Captions verfasse)
→ Taylor Swift – ...Ready for it? (Movitation-Monday-Morning-Song oder Partyvorbereitung ;-) )
→ Cigarettes after Sex – Apocalypse (perfekte „Feierabend-Runterkomm-Musik“)

3 Blogs, deren Posts dich besonders inspirieren.

→ Mara Giese: Vorbild! → buzzaldrins.de
→ Sarah Reul: Vorbild!  → pinkfisch.net
→ und (leider) erst vor kurzem entdeckt: die Crew vom Bücherkaffee → buecherkaffee.de

3 Insta-/Pinterest-Accounts, denen du mit Begeisterung folgst.

@gute_seiten_schlechte_seiten – die Coolsten!
→ @atlanta_loves_books – die Coolste
→ und da schon nahezu eine literarische Einheit, die beiden Librorums: @Vermis_librorum (Helena) und @Armarium_librorum (Anna):

3 Länder, die du gerne bereisen möchtest.

→ Japan (und immer wieder Japan)
→ USA (reizt mich eigentlich gar nicht, einmal jedoch möchte ich New York und San Francisco sehen)
→ Norwegen (weil ich gerne mal das Polarlicht an Bord der Hurtigruten erleben möchte)

3 Dinge, die du unbedingt einmal ausprobieren/tun möchtest.

→ mit Sibylle Berg griesgrämig einen Tag verbringen (und ihr beim Schreiben über die Schulter schauen)
→ mit Thomas Glavinic eine Sauftour durchs nächtliche Wien machen (und ihm beim Schreiben über die Schulter schauen)
→ mit Haruki Murakami einen Marathon laufen (und ihm bei Schreiben über die Schulter schauen)

3 Fotos aus deinem (Blogger)Leben.




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  [alexandra]

Rezension: Draconis Memoria 1 - Das Erwachen des Feuers | Anthony Ryan

Samstag, 7. Oktober 2017 1 Kommentar

Urkraft in Ketten



Im riesigen Gebiet von Mandinorien gilt Drachenblut als das wertvollste Gut. Rote, grüne, blaue und schwarze Drachen werden gejagt, um an ihr Blut zu kommen. Das daraus gewonnene Elixier verleiht den wenigen Gesegneten übernatürliche Kräfte. Doch das letzte Zeitalter der Drachen neigt sich seinem Ende zu.
Kaum jemand kennt die Wahrheit: Die Drachen werden immer weniger und schwächer. Sollten sie aussterben, wäre ein Krieg Mandinoriens mit dem benachbarten Corvantinischen Kaiserreich unausweichlich. Alle Hoffnung des Drachenblut-Syndikats beruht auf einem Gerücht, nach dem es eine weitere Drachenart gibt, die weitaus mächtiger ist als alle anderen. Claydon Torcreek, ein Dieb und unregistrierter Blutgesegneter, wird von der obersten Herrschergilde in das wilde, unerforschte Inland geschickt, um einem Geschöpf nachzuspüren, das er selbst für reine Legende hält: dem weißen Drachen. [Text & Cover: Klett Cotta Verlag / Hobbit Presse]

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Dampfschiffe auf Entdeckerreise, Handelskartelle, Intrigen in höfischen Behörden ... die Welt, die Anthony Ryan in seinem neuen Roman entwirft, ist seltsam vertraut - und gleichzeitig irgendwie doch nicht. Was auf den ersten Blick wie ein Ausflug in das verklärte viktorianische Zeitalter anmutet, wirkt auf den zweiten leicht verschoben. Diese Welt wird nämlich nicht nur von Menschen, sondern auch von den faszinierendsten, furchteinflößendsten Kreaturen der Phantastik bevölkert: Drachen. Sie leben in der Wildnis, werden aber eingefangen und in Gefangenschaft gehalten. Von sogenannten Erntemeistern wird ihnen Blut abgezapft, das als das begehrteste Handelsgut gilt. Dieses wiederum kann von Blutgesegneten - durchschnittlich einem von tausend Menschen - genutzt werden, um Körperkraft und Konstitution zu steigern, Schiffsantriebe zu befeuern oder telepathisch über weite Strecken zu kommunizieren.


Zunächst wird dem Leser wohl das Fehlen einer Einleitung, einer behutsamen Annäherung an die zentrale Thematik, auffallen. Der Autor scheint sein Publikum geradezu in die Geschichte treiben zu wollen, verweigert ihm neugierige Blicke nach rechts und links. Vermutlich ein mutiger Sprung ins kalte Wasser, aber wohl bewußt gewählt, um nicht den Eindruck eines Reiseführers zu wecken, so ist dieser Ansatz wohl zu deuten. Nach und nach erweist sich jedoch die Liebe zum Detail als auffallendstes Merkmal des Romans:

"Der Dschungel stank. Es war nicht nur ein markanter Geruch, sondern ein schwerer, unentrinnbarer Gestank. Mit jedem Atemzug überfiel er Clays Nase, der süßliche Duft nach Verfall und überreifem Obst." (S. 155)

Jede Situation, jeder Platz wird für alle Sinne wahrnehmbar beschrieben, als wäre der Autor selbst vor Ort gewesen. Er zitiert die Anleitung eines Brettspiels, verweist nebenbei auf eine in einer kurzen Anekdote bereits umfangreich skizzierte Schriftstellerin aus dieser Welt und gibt Einblicke in die Anatomie seiner Drachen:

"... sein Schwanz, (...), hatte die irrtierende Eigenschaft zu zucken, obwohl seit dem Ableben der Bestie bereits mehrere Stunden vergangen waren. Außerdem funktionierte der Beißreflex eines Drachen noch geraume Zeit nach seinem Tod (...)" (S. 184)

Durch den sparsamen Umgang mit Metaphern und sprachlichen Stilmitteln gewinnt der Text außerdem dokumentarischen Charakter, sodaß streckenweise den Eindruck eines historischen Romans entsteht. Der Text ist dicht gepackt mit Eindrücken, die lebendige, authentische Bilder evozieren. Dazu paßt auch ein ausgeprägtes Gespür des Autors für Szenenwechsel. Er berichtet von einer Expedition in die Wildnis anhand markanter Stationen, springt von einem Handlungsort zum nächsten, ohne die langen Wege dazwischen abzumarschieren. Die Erzählung wird stark verdichtet, für Füllmaterial bleibt wenig Platz. Wie intensiv sich der Autor mit der von ihm gestalteten Welt auseinandergesetzt hat, beweisen auch zwei Landkarten, anhand derer sich die Wege der Protagonisten nachvollziehen lassen.

Drachen wecken seit jeher die Faszination der Liebhaber phantastischer Literatur. Wenn auf dem Cover eines Romans ein dunkelhäutiges Exemplar mit feurigem Atem prangt, das seine Ketten sprengt und sich über einen winzigen Menschen erhebt, werden damit Erwartungshaltungen geweckt, die der Roman nur bedingt erfüllen kann: Er nimmt seinen Ausgang in einer Zeit, in der Drachen von Menschen unterworfen sind und wie bessere Milchkühe ausgeblutet werden. Ihre Zahl in feier Wildbahn nimmt immer weiter ab, das Blut verliert immer mehr an Gehalt. Dieser gewonnene Lebenssaft wird von den Menschen jedoch nicht als Urkraft in verflüssigter Form umschrieben, sondern lediglich mit dem Begriff "Produkt" zu einer austauschbaren Handelsware sprachlich abstrahiert.

Unter dem Gesichtspunkt der Ökologie läßt sich der Geschichte auch noch eine kritische Lesart entlocken. Die Nutzung der Drachen erinnert an Massentierhaltung, ihr zunehmendes Aussterben an die Überfischung unserer Meere. Ein weiterer Aspekt, auf den der Autor implizit hinweist, ist der oft zu leichtfertige Umgang mit dem Blut der Kreaturen. Menschen, die etwa mit grünem Drachenblut zu oft die eigene Regeneration beschleunigen oder mit Schwarz ihre Gegner bezwingen, begeben sich in Gefahr, das Verhältnis zu den eigenen, nicht künstlich verbesserten Fähigkeiten aus den Augen zu verlieren und einer Sucht zu verfallen, deren Entzugserscheinungen beim Abklingen der Wirkung mit jenen harter Drogen vergleichbar sind. Der Roman ist aber auch als eine Parabel über Umbruch und Veränderung zu verstehen: Längst erhalten Drachen und die Wirkung ihres Blutes die Wirtschaft nicht mehr alleine am Leben, längst schon beansprucht der Fortschritt in Gestalt von Schiffsmaschinen, Dampflokomotiven und automatischen Waffen seinen Platz. Der Autor flicht somit geschickt den populären Konflikt zwischen Wissenschaft und Magie ein ... und dessen Ausgang ist längst nicht entschieden.

Wo Drachen das Geschehen bestimmen, darf es natürlich auch an Magie nicht fehlen. Mächtige Zauberer, die mit Bannflüchen die monströsen Kreaturen im Zaum halten oder die Elemente kontrollieren, sollte man jedoch nicht erwarten. Stattdessen wecken die vier Varianten des Drachenbluts (blau, rot, schwarz und grün) in einzelnen Personen übermenschliche Kräfte. Indem sich diese Blutgesegneten das Produkt in der jeweils benötigten Farbe einverleiben, erinnert diese Form der Magie eher an medikamentöse Leistungssteigerung als an spektakuläres übernatürliches Wirken. Für einen Fantasy-Roman sind die phantastischen Elemente also äußerst sparsam dosiert. Dieser Eindruck, der zuweilen Zweifel am gewählten Genre weckt, verflüchtigt sich erst im actiongeladenen Finale des Romans, in dem wilde Drachen aller Farben koordiniert eine Stadt belagern und sich gegen alles Menschliche wenden. Bis dahin jedoch verfolgt der Leser drei Hauptfiguren parallel in ihren jeweiligen Erzählsträngen bei einer Expedition in das wilde Hinterland des Kontinents, auf einer Spionagemission und bei verwegenen Kämpfen gegen Piraten auf hoher See. Für einen einzelnen Band wäre dieses Verhältnis aus einleitender und zentraler Handlung, zwischen Spannungsaufbau und spektakulärer Action, zwischen weltlichen Geschäften und magischen Duellen unausgewogen. Da "Das Erwachen des Feuers" jedoch den Auftakt einer Trilogie bildet, liegt hier nur ein Teil der gesamten Geschichte vor und wird dieses Verhältnis nach deren Abschluß neu zu bewerten sein.

Persönliches Fazit

Ein dichtgepackter Roman über kanonenbewehrte Kriegsschiffe, königliche Spione und waghalsige Forschungen, der seinen zentralen Kreaturen, den feuerspeienden Schuppentieren, (noch) zu wenig Platz einräumt. Dem Titel zufolge beenden diese jedoch erst ihren Schlaf, die Erwartung auf den Ritt auf dem Rücken des Drachen ist geweckt.

© Rezension: 2017, Wolfgang Brandner


Das Erwachen des Feuers | Anthony Rayn | Hobbit Presse Klett Cotta
Aus dem Englischen übersetzt von Birgit Maria Pfaffinger und Sara Riffel
2017, 1. Auflage gebunden, 832 Seiten, ISBN: 978-3-608-94974-2

[wolfgang]  

Rezension: Die Stadt des Affengottes | Douglas Preston

Donnerstag, 5. Oktober 2017 1 Kommentar

Expedition in unberührtes Land.


Schon seit dem 16. Jahrhundert gab es Gerüchte über eine Provinz im Regenwald von Honduras, deren Städte reich und prachtvoll seien, ganz besonders die Weiße Stadt, auch Stadt des Affengottes genannt. Immer wieder machten sich Abenteurer und Archäologen auf die Suche nach den Zeugnissen dieser Zivilisation, die offenbar nicht zu den Mayas gehörte. Manchmal stießen sie tatsächlich auf Ruinen, aber eine wirkliche Erforschung war in dem von giftigen Schlangen und tödlichen Krankheitserregern verseuchten und vom Dschungel überwucherten Gelände unmöglich. Erst die moderne Lasertechnik, mit deren Hilfe das Gelände aus der Luft gescannt wird, ermöglichte genauere Hinweise, wo sich größere Ansiedlungen befinden. Um sie vor Ort zu untersuchen muss man sich allerdings auch heute noch auf den beschwerlichen Weg durch den Dschungel machen. Der Schriftsteller und Journalist Douglas Preston schloss sich kürzlich einer archäologischen Expedition an. Sie fand tatsächlich die eindrucksvollen Ruinen einer untergegangenen Stadt, aber sie zahlte am Ende auch einen hohen Preis. [© Text und Cover: DVA Verlag]

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Eine Expedition in den tiefsten Dschungel auf der Suche nach einer legendären Stadt? Das spricht doch gleich den Entdecker in mir an. Kaum zu glauben, dass solche Schätze immer noch unerforscht existieren. Wenn diese Stätte einfach zu finden gewesen wäre, wäre das schon vor vielen Jahren passiert. Douglas Preston berichtet von den Versuchen, die es in der Vergangenheit schon gab. Aber erst jetzt, mit moderner und teurer Technik lassen sich die Strukturen solcher Orte vom Flugzeug aus identifizieren.



Bewundernswert, dass es immer noch so „Verrückte" gibt, die den Aufwand für ein solches Projekt nicht scheuen. Nicht nur, dass es Unmengen an Geld verschlingt, es sind noch viele andere Hindernisse zu überwinden. Allein schon die politische Situation in Honduras macht das nicht leicht. An eine Genehmigung kommt man nur, wenn man auch weiß, wen man auf seine Seite ziehen, bestechen oder bedrohen muss. Da braucht man Leute mit den richtigen Kontakten und viel „Überredungskunst".

Es dauert zwar einige Seiten im Buch, bis es mit der Reise endlich losgeht, bei mir hat die Hinführung anhand der früheren Expeditionen aber ordentlich die Spannung geschürt. Auch die unglaublich aufwendigen und kostspieligen Vorbereitungen tragen dazu bei. Ich habe Prestons Erlebnisse vor Ort förmlich aufgesogen, als das Team endlich eintraf. Man merkt allerdings beim Lesen auch, dass er sich als Schriftsteller ausgezeichnet ausdrücken kann. Seine Berichtsform ist sehr flüssig zu lesen und bringt mich sehr nah ran an die Expedition. Ich kann fast schon den Regen riechen, wenn er in seinem Zelt abseits jeder Zivilisation kauert. So packend kann ein Sachbuch sein.



Durch illegale Rodung ist das Gebiet um die Fundstelle und damit auch die Bewahrung dieser einzigartigen Kulturstätte gefährdet. Der Regenwald wird vernichtet, um Weideland zu schaffen, denn mit Rindern ist Geld zu verdienen. Durch die spektakuläre Expedition konnten die höchsten Regierungskreise Honduras mit ins Boot geholt werden. Ich hoffe, dass diese Aufmerksamkeit dazu beitragen wird, diese einmalige Region mit ihren unersetzlichen Naturschätzen und Zeugnissen einer vergangenen Zivilisation zu bewahren.

Persönliches Fazit

Wer eine spannende Expedition begleiten und auch etwas über Hintergründe und die Folgen erfahren möchte, ist bei „Die Stadt des Affengottes" genau richtig. Mich konnte Douglas Preston mit seiner Entdeckerlust jedenfalls anstecken.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Die Stadt des Affengottes | Douglas Preston | DVA Verlag
2017, gebunden, 368 Seiten, ISBN: 9783421047571
Aus dem Englischen von Jürgen Neubauer

[marcus]