Rezension: Die Stadt des Affengottes | Douglas Preston

Donnerstag, 5. Oktober 2017 1 Kommentar

Expedition in unberührtes Land.


Schon seit dem 16. Jahrhundert gab es Gerüchte über eine Provinz im Regenwald von Honduras, deren Städte reich und prachtvoll seien, ganz besonders die Weiße Stadt, auch Stadt des Affengottes genannt. Immer wieder machten sich Abenteurer und Archäologen auf die Suche nach den Zeugnissen dieser Zivilisation, die offenbar nicht zu den Mayas gehörte. Manchmal stießen sie tatsächlich auf Ruinen, aber eine wirkliche Erforschung war in dem von giftigen Schlangen und tödlichen Krankheitserregern verseuchten und vom Dschungel überwucherten Gelände unmöglich. Erst die moderne Lasertechnik, mit deren Hilfe das Gelände aus der Luft gescannt wird, ermöglichte genauere Hinweise, wo sich größere Ansiedlungen befinden. Um sie vor Ort zu untersuchen muss man sich allerdings auch heute noch auf den beschwerlichen Weg durch den Dschungel machen. Der Schriftsteller und Journalist Douglas Preston schloss sich kürzlich einer archäologischen Expedition an. Sie fand tatsächlich die eindrucksvollen Ruinen einer untergegangenen Stadt, aber sie zahlte am Ende auch einen hohen Preis. [© Text und Cover: DVA Verlag]

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Eine Expedition in den tiefsten Dschungel auf der Suche nach einer legendären Stadt? Das spricht doch gleich den Entdecker in mir an. Kaum zu glauben, dass solche Schätze immer noch unerforscht existieren. Wenn diese Stätte einfach zu finden gewesen wäre, wäre das schon vor vielen Jahren passiert. Douglas Preston berichtet von den Versuchen, die es in der Vergangenheit schon gab. Aber erst jetzt, mit moderner und teurer Technik lassen sich die Strukturen solcher Orte vom Flugzeug aus identifizieren.



Bewundernswert, dass es immer noch so „Verrückte" gibt, die den Aufwand für ein solches Projekt nicht scheuen. Nicht nur, dass es Unmengen an Geld verschlingt, es sind noch viele andere Hindernisse zu überwinden. Allein schon die politische Situation in Honduras macht das nicht leicht. An eine Genehmigung kommt man nur, wenn man auch weiß, wen man auf seine Seite ziehen, bestechen oder bedrohen muss. Da braucht man Leute mit den richtigen Kontakten und viel „Überredungskunst".

Es dauert zwar einige Seiten im Buch, bis es mit der Reise endlich losgeht, bei mir hat die Hinführung anhand der früheren Expeditionen aber ordentlich die Spannung geschürt. Auch die unglaublich aufwendigen und kostspieligen Vorbereitungen tragen dazu bei. Ich habe Prestons Erlebnisse vor Ort förmlich aufgesogen, als das Team endlich eintraf. Man merkt allerdings beim Lesen auch, dass er sich als Schriftsteller ausgezeichnet ausdrücken kann. Seine Berichtsform ist sehr flüssig zu lesen und bringt mich sehr nah ran an die Expedition. Ich kann fast schon den Regen riechen, wenn er in seinem Zelt abseits jeder Zivilisation kauert. So packend kann ein Sachbuch sein.



Durch illegale Rodung ist das Gebiet um die Fundstelle und damit auch die Bewahrung dieser einzigartigen Kulturstätte gefährdet. Der Regenwald wird vernichtet, um Weideland zu schaffen, denn mit Rindern ist Geld zu verdienen. Durch die spektakuläre Expedition konnten die höchsten Regierungskreise Honduras mit ins Boot geholt werden. Ich hoffe, dass diese Aufmerksamkeit dazu beitragen wird, diese einmalige Region mit ihren unersetzlichen Naturschätzen und Zeugnissen einer vergangenen Zivilisation zu bewahren.

Persönliches Fazit

Wer eine spannende Expedition begleiten und auch etwas über Hintergründe und die Folgen erfahren möchte, ist bei „Die Stadt des Affengottes" genau richtig. Mich konnte Douglas Preston mit seiner Entdeckerlust jedenfalls anstecken.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Die Stadt des Affengottes | Douglas Preston | DVA Verlag
2017, gebunden, 368 Seiten, ISBN: 9783421047571
Aus dem Englischen von Jürgen Neubauer

[marcus]

1 Kommentar:

  1. Wäre kein Buch für mich, aber Deine Begeisterung dafür steck sicher noch weitere Leser an.

    Neri, Leselaunen

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