Rezension: Glücksmädchen | Mikaela Bley

Donnerstag, 26. Oktober 2017 0 Kommentare

Im Norden nichts Neues




Ellen Tamm ist besessen vom Tod, seit ihre Zwillingsschwester vor acht Jahren starb. Sogar während ihrer Arbeit verfolgt sie der Verlust: Sie ist Kriminalreporterin bei einem Stockholmer Fernsehsender und sucht sich mit Absicht die schlimmsten Fälle aus. Als könne sie damit den Tod überwinden und die Trauer aus ihrem eigenen Leben verdrängen. Dann verschwindet an einem kalten, verregneten Tag die achtjährige Lycke spurlos. Ellen soll über den Fall berichten. Aber mit einem Mal funktionieren ihre Abwehrmechanismen nicht mehr. Es ist, als hätte sie ihre Zwillingsschwester erneut verloren. Panisch sucht sie nach Lycke. Kann sie das Mädchen retten und endlich Frieden finden? [© Text und Cover: Ullstein Verlag]

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Eine völlig neue Idee ist das nicht gerade: ein Mädchen ist verschwunden und eine Frau, die mit ihrer Vergangenheit kämpft, will sie finden. Gab es so oder so ähnlich schon öfter. Die Frau ist hier jedoch keine Polizistin, sondern Journalistin. Tatsächlich unterscheidet sich ihr Vorgehen nicht so sehr von einer professionelle Ermittlerin, wenn sie beispielsweise Zeugen befragt. Allerdings hat sie es etwas schwerer, da sie was Informationen angeht von ihren Kontakten zur Kriminalpolizei abhängig ist.

Ausgerechnet für den Fall eines verschwundenen achtjährigen Mädchens teilt Ellens Chef Jimmy sie ein. Der ist nicht nur ihr neuer Vorgesetzter beim Fernsehsender sondern auch noch ihr Exfreund. Deshalb weiß er eigentlich, was das für sie bedeutet. Genau in dem Alter war sie, als ihre Zwillingsschwester starb. Ellen ist bis heute nicht über den Verlust hinweggekommen. Was damals passiert ist, ist einer der beiden roten Fäden, die sich durch das Buch ziehen. Schließlich will ich wissen, wieso sie sich immer noch Vorwürfe wegen der Ereignisse von damals macht. Wenn eine neue Krimiserie etabliert werden soll, muss die Hauptperson interessant sein. Ich finde, Ellen hat hier noch Entwicklungspotenzial. Ich habe nicht das Gefühl, sie jetzt schon gut zu kennen.




Aber was ist denn jetzt Lycke, dem verschwundenen Mädchen, zugestoßen? Ist sie davongelaufen? Wurde sie entführt? Lebt sie überhaupt noch? Über den Fall wird, auch mit Ellens Hilfe, groß in den Medien berichtet. Doch es gibt zunächst keine Spur von ihr. Ist sie einem Pädophilen in die Arme gelaufen? Oder hat die Familie etwas damit zu tun? Lyckes Eltern sind geschieden und ihr Vater hat eine neue Familie gegründet. Hat sie dort gestört? Ist die Stiefmutter vielleicht eine sehr böse Stiefmutter? Die Polizei tut sich schwer, Anhaltspunkte zu finden.

Die psychische Belastung ist für Mutter und Vater groß. Nachdem sie sich entschieden haben, eine Pressekonferenz abzuhalten, wird das noch schlimmer. Jetzt wird auch noch von außen beurteilt, wie sie damit umgehen. Ist die Mutter nicht emotional unterkühlt? Tritt der Vater auch nicht zu selbstbewusst auf? Alle scheinen die Familie zu beobachten. Die Medien können eine Hilfe sein, gerade in Zeiten von Social Media lassen sie sich aber nur schwer kontrollieren. 

Persönliches Fazit

„Glücksmädchen" bietet klassische Krimikost schwedischer Art mit zwei leidlich spannenden Handlungssträngen. Ellen ist ein durchaus brauchbarer Charakter, so richtig warm bin ich mit ihr aber nicht geworden. Der Thriller liest sich sehr flott, mitreißen konnte er mich aber nicht.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Glücksmädchen | Mikaela Bley | Ullstein Verlag
2017, broschiert, 320 Seiten, ISBN: 9783548288444
Aus dem Schwedischen von Katrin Frey


[marcus]

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