Rezension: Das Leben meines besten Freundes | Judith Gridl

Samstag, 23. Dezember 2017 0 Kommentare

Der Wert der Freundschaft


Samir und Jacob sehen sich zum Verwechseln ähnlich – stammen aber aus ganz unterschiedlichen Welten. In Samirs rauem Umfeld zählt allein das Faustrecht, während Jacob überbehütet aufwächst. Als Jacob auf ein Elite-Internat geschickt werden soll, aber viel lieber bei seiner ersten Liebe Fine bleiben will, bietet sich für beide die Gelegenheit, ihre Welten zu tauschen. Während Samir vom Internat aus seinen von einem arabischen Clan verschleppten Vater sucht, nimmt Jacob endlich sein Leben in die Hand und kommt auch selbst der Lösung des Falls näher. [© Text und Cover: Knesebeck Verlag]
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Was für ein Schock für Jacob: seine Eltern haben ihn bei einem Internat im tiefsten Brandenburger Land angemeldet. Berlin verlassen, gerade jetzt, wo es doch etwas werden könnte mit ihm und Fine? Seinen besten Freund zurück lassen? Das kommt nicht in Frage. Aber seine Eltern meinen es offensichtlich ernst, es gelingt ihm einfach nicht, sie umzustimmen.

Bei Samir ist die Lage noch dramatischer. Sein Vater ist seit einer Weile spurlos verschwunden. Seine Mutter schafft es ohne dessen Einkommen kaum, die drei Kinder zu versorgen. Mit seinen fünfzehn Jahren ist Samir der Älteste und fühlt sich für seine Geschwister verantwortlich. Seiner Ansicht nach macht die Polizei keinen Finger krumm, um seinen Vater zu finden. Deshalb sucht er selber in Wedding, seinem Kiez, nach Spuren. Die Gegend wird von einem libanesischen Clan beherrscht, denen Samirs Nachforschungen gar nicht passen. Die Lage wird für Samir schnell gefährlich, es ist besser für ihn, für eine Weile unterzutauchen. Eigentlich ist es ja ein absurder Vorschlag von Jacob, ihre Rollen zu tauschen. Aber angesichts der Lage hilft es vielleicht beiden.




Judith Gridl schneidet Themen an, die typisch sind für Teenager wie die Annäherung der Jungs an das weibliche Geschlecht oder das Entfremden gegenüber den Eltern. Jacob fühlt sich besonders von seinem Vater, der ihn nur noch über seine Schulnoten zu definieren scheint, unverstanden und allein gelassen.

„Warum war alles so verfahren? Warum konnte er mit seinen Eltern nicht mehr reden? Woher kam die Sprachlosigkeit?" (S. 44)

Aber auch die enorme soziale Diskrepanz spielt eine Rolle. Als Sohn syrischer Einwanderer aus dem Multikulti-Viertel Berlin-Wedding fühlt sich Samir in dem Edelinternat unter der reichen Kids gar nicht wohl. Er merkt aber dann doch irgendwann, dass nicht alle dort so versnobt sind, wie es scheint. 

Das Wichtigste ist aber die Freundschaft zwischen Samir und Jacob. Sie sind füreinander da, wenn sie sich allein und verlassen fühlen. Die Idee mit dem Rollentausch funktioniert größtenteils gut, ich konnte nur manchmal nicht nachvollziehen, wieso manche Leute nichts merkten, andere dagegen war klar, dass Jacob nicht Samir ist. In der Geschichte steckt aber einiges an Spannung, sie wird flott erzählt und kommt den Figuren sehr nahe. Besonders gut haben mir die Passagen mit SMS-Nachrichten zwischen Jacob und Samir oder seiner Cousine gefallen, die lockern das Buch nochmal auf. 

Persönliches Fazit

„Das Leben meines besten Freundes" bietet spannende Unterhaltung für Leser ab 12 Jahren. Die Idee mit dem Rollentausch funktioniert gut und trägt die kurzweilige Geschichte. Ich habe mit den beiden sympathischen Jungs bis zum packenden Finale mitgefiebert.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Das Leben meines besten Freundes | Judith Gridl | Knesebeck Verlag
2017, gebunden, 242 Seiten, ISBN: 9783957280633
ab 12 Jahren

[marcus]

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