Rezension: Divided States of America | Claudia Kern

Dienstag, 30. Januar 2018 0 Kommentare


[klappentext start] Die USA – ein neuer Präsident tritt sein Amt an, doch die Wunden, die der brutale Wahlkampf gerissen hat, verheilen nicht. Das Land ist gespalten, der Präsident völlig überfordert. Als er mit einem neuen Dekret gegen illegale Einwanderung Ordnung schaffen will, beschwört er erst recht Chaos herauf. Amerikaner stellt sich gegen Amerikaner, eine Katastrophe folgt auf die nächste – und die Seele des Landes zerbricht. [© Text und Cover: Cross Cult Verlag] [klappentext ende]

Den Abgrund vor Augen


Einen Präsidenten, dem man nicht nur Unsinniges zutraut, sondern der ihn auch durchzieht, haben die USA mit Trump ja bereits. Das ist die leider sehr nahe Vorlage für Claudia Kerns Thriller. Joseph Johnson ist kaum im Amt, schon löst er mit einem Erlass Unruhe im Land aus. Alle Einwanderer müssen sich einen speziellen Ausweis besorgen. Wer keinen hat, fliegt raus. Das ist eine Steilvorlage für alle Nationalisten, eine regelrechte Hetzjagd auf vor allem mittelamerikanisch Abstämmige beginnt. Ob die US-Bürger sind oder nicht, ist dabei zweitrangig. Die Folgen sind fatal. Viele von ihnen werden entlassen oder gehen nicht mehr zur Arbeit. Sie fliehen in Richtung Kalifornien, denn die demokratische Gouverneurin verweigert dort die Umsetzung des Dekrets. Es ist unberechenbar, wie der Präsident und die republikanisch regierten Bundesstaaten darauf reagieren. Jede Aktion und jede Entscheidung scheint die USA tiefer ins Chaos zu stürzen.




Der Verlauf wirkt alles andere als utopisch. Wenn machtlüsterne Politiker ihre Interessen vor denen des Landes und ihrer Bewohner stellen, sind solche Folgen durchaus vorstellbar. Da wird mir bewusst, wie wertvoll politische Stabilität ist!

„Es war die Welt, die ihn wütend gemacht hatte. Er sah ihre Ungerechtigkeit, ihre Heuchelei, er sah die Armut, zu der Menschen verdammt wurden, nur weil sie die falsche Hautfarbe und die falschen Papiere hatten, und er sah die Menschen mit der richtigen Hautfarbe und den richtigen Papieren, die das ausnutzten." (S. 314)

Die Struktur des Romans wirkt auf mich wie gemacht für eine TV-Serie. Durch die kurzen Kapitel wird zügig von einem Schauplatz zum nächsten geschwenkt. Wir verfolgen unter anderem eine schwarze Polizistin in Seattle, die sich Protesten auf den Straßen gegenübersieht und sich fragt, ob sie auf der richtigen Seite steht, einen illegal eingewanderten Mexikaner, der unter dem neuen Präsidenten seine Hoffnung, sich ein besseres Leben in Florida aufzubauen, begraben muss, und einen Neonazi, der sich durch seine Gruppe und ihrem charismatischen Anführer einen Weg aus der Armut erhofft. Claudia Roth legt den Neonazis üble rechtsradikale, rassistische und unmenschliche Parolen in den Mund. Sie sehen jetzt eine Chance, ihre Ziele durchzusetzen. Diese Truppe löste bei mir mit ihren absurden und inhumanen Ansichten Grausen aus. Ansonsten wirkten die Charaktere allerdings auf mich etwas blass, selbst Präsident Johnson nervte mich nicht so sehr wie der echte. Dafür hat mich der Plot sehr gefesselt. Die dramatische Entwicklung ist erschreckend nachvollziehbar. Der Wähler sollte sich wirklich gut überlegen, wie viel Experimentelles er in der Politik haben will!




    

Persönliches Fazit

„Divided States of America" zeigt erschreckend nachvollziehbar auf, welche fatalen Folgen falsche Politik haben kann. Auch wenn ich mit den meisten Protagonisten nicht richtig warm wurde, hat mich der Plot sehr gefesselt. Eine perfekte Vorlage für eine Serienverfilmung!

© Rezension: 2018, Marcus Kufner


[klappentext start]Divided States of America | Claudia Kern | Cross Cult Verlag
2017, gebunden, 616 Seiten, ISBN: 9783959814997[klappentext ende]



[marcus]




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