Rezension: Das alte Böse | Nicholas Searle

Samstag, 3. Februar 2018 0 Kommentare






[klappentext start] Roy und Betty haben sich über ein Datingportal im Internet kennengelernt – recht ungewöhnlich für zwei Menschen über 80. Die beiden verstehen sich, bald ist Roy in Bettys schönem Haus auf dem Lande eingezogen. Aber irgendetwas – ahnt der Leser - führt er im Schilde. Denn Roy ist ein Krimineller, ist es sein ganzes Leben lang gewesen. Er hat mit siebzig gutgläubige Anleger betrogen, mit fünfzig im Rotlichtbezirk von Soho schmutzige Geschäfte betrieben, als junger Mann noch Schlimmeres getan – und auch der Greis folgt noch dem Trieb, anderen Menschen Böses anzutun. Wer ist dieser Roy? Sicher nicht der, der zu sein er vorgibt. Die Spur seiner Taten führt bis in die Kriegszeit. Nach Deutschland. Und die liebenswerte Betty ahnt nicht, dass jemand sie um ihr Vermögen bringen will. Dass sie in ein Gespinst aus Lügen eingewickelt wird von einem Mann, der eigentlich schon an der Schwelle des Todes steht – Ahnt sie es wirklich nicht? [© Text und Cover: Kindler Verlag] [klappentext ende]


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Selten hat mich ein Buchtitel so in die Irre geführt wie „Das alte Böse". In Verbindung mit dem fast schon mythischen Bild der Schlange auf dem Cover hatte ich etwas diabolisches erwartet. Der Originaltitel „The Good Liar" trifft den Inhalt doch wesentlich besser. Selbst die Bezeichnung „Thriller" fand ich beim Lesen nicht ganz passend, von atemloser Spannung lebt das Buch nicht gerade. Es hat doch eher die Züge eines biografischen Romans, was mich allerdings sehr gefesselt hat.

Im Mittelpunkt steht Roy, der sich trotz seines hohen Alters nicht zu Ruhe setzen will. Statt dessen hat er sich darauf spezialisiert, ältere Damen auszunehmen. Nicht weil er das Geld bräuchte, sondern weil er einfach nicht anders kann. 

„Das ist nun mal mein Leben. Tricksen und täuschen. Das macht mich aus." (S. 237)

Im Wechsel zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit erfahren wir mehr von ihm und seinen Aktivitäten. Das beginnt 1998 und geht dann immer weiter zurück bis ins Jahr 1938. Diese Struktur leitet mich perfekt durch den Plot, dessen Fäden sich langsam zusammenfügen. Roy wird als eiskalter und zwanghafter Betrüger charakterisiert. Dabei hat er kein ein schlechtes Gewissen, macht er seiner Meinung nach doch nur das Notwendige. So etwas wie Moral scheint für ihn nur unnötiger Ballast zu sein.




Von Anfang an fällt mir Nicholas Searles präziser Schreibstil auf. Die Begegnungen und Dialoge werden dadurch sehr greifbar, es prickelt förmlich wenn Roy mit Bettys Enkel in der Küche sitzt. Aber auch die Episoden in der Vergangenheit werden dadurch äußerst lebendig. Ob im grausam kalten Winter des Jahres 1963 oder in der Villa der Familie Schröder während der Nazizeit, Nicholas Searle lässt mich eintauchen und dabei sein. 

„Der Park ist in sanftes Sonnenlicht getaucht und bietet schattige Zuflucht unter ehrwürdigen Bäumen. So geht es seit Jahrhunderten: Junge Leute strömen sorglos aus der Domschule, vor Leben sprudelnd, begierig, sich wieder irgendwelchem Unfug hinzugeben, während alte Männer ihnen aus den Fenstern ihrer Häuschen neidisch zusehen und leicht bitter an ihre eigene Jugend denken." (S. 21)


Persönliches Fazit

„Das alte Böse" ist eher ein feinsinniger biografischer Roman als ein Thriller, macht das aber richtig gut. Mich haben die Einblicke in Roys Leben sehr gefesselt, was nicht zuletzt an Nicholas Searles bemerkenswertem Schreibstil liegt, der die Vergangenheit sehr plastisch wieder auferstehen lässt.

© Rezension: 2018, Marcus Kufner


[klappentext start] Das alte Böse | Nicholas Searle | Kindler Verlag
Aus dem Englischen von Jan Schönherr
2017, gebunden, 368 Seiten, ISBN: 9783463406671[klappentext ende]


[marcus]

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