Rezension: Unsere Seelen bei Nacht | Kent Haruf

Mittwoch, 22. März 2017 0 Kommentare

Eine Plädoyer für Selbstbestimmung im Alter.



Holt, eine Kleinstadt in Colorado. Eines Tages klingelt Addie, eine Witwe von 70 Jahren, bei ihrem Nachbarn Louis, der seit dem Tod seiner Frau ebenfalls allein lebt. Sie macht ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag: Ob er nicht ab und zu bei ihr übernachten möchte? Louis lässt sich darauf ein. Und so liegen sie Nacht für Nacht nebeneinander und erzählen sich ihre Leben. Doch ihre Beziehung weckt in dem Städtchen Argwohn und Missgunst. [© Text und Cover: Diogenes Verlag]

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Auf den ersten Blick wirkt es kurios: die Nacht nebeneinander mit einem Menschen verbringen, den man kaum kennt. Aber Addie nimmt ihren Mut zusammen und fragt Louis, ob er da mitmacht. So können sie beide ihre Einsamkeit überwinden, und zwar nachts, wenn sie am schlimmsten ist. Es funktioniert ganz ausgezeichnet, sie sind beide sehr zufrieden damit. Ich denke, das ist doch eine prima Idee. So ähnlich wie eine Senioren-WG, nur etwas intimer. Es geht ja nicht einmal um das Körperliche.

Es gibt aber Leute, denen das nicht passt. Schnell geht es um in der Kleinstadt, manche finden es gut und hätten auch gern einen solchen Partner, viele schütteln aber den Kopf und meinen, dass sich das in dem Alter nicht gehörten würde. Manche rufen sogar Louis' Tochter an, um sie auf diese Schande hinzuweisen. Die und Addies Sohn sind auch vehement gegen diese Treffen. Man müsse doch auf seinen Ruf achten!

„Ich habe mir das genau überlegt – es ist mir egal, was die Leute denken. Viel zu lange habe ich darauf geachtet, mein ganzes Leben lang. Aber damit ist jetzt Schluss." (S. 13)

Wie erfrischend ist es doch von Addie, dass sie jetzt mit ihren siebzig Jahren darübersteht. Ihr ganzes bisheriges Leben hat sie immer darauf geachtet, was die anderen meinen. Ich finde, sie hat jedes Recht dazu, ihre Zeit wie und mit wem sie möchte zu gestalten. Sie schadet doch niemandem damit. Wie kommen die Nachbarn und Kinder dazu, ihr dieses Recht auf Selbstbestimmung abzuerkennen? Das ist doch die eigentliche Schande.






Kent Haruf erzählt von Addie und Louis ganz unaufgeregt. Da gibt es keine dramatischen Einschnitte oder schwerwiegende emotionale Erschütterungen. Haruf ist ein feinsinniger Beobachter, der die Hoffnungen und Erwartungen ganz dezent verpackt. Die Weisheit und Gelassenheit, die die beiden dabei an den Tag legen, machen sie mir sehr sympathisch. Letztendlich ist es auch ein beruhigender Gedanke, dass man als älterer Mensch nicht zwangsweise allein und einsam in seinem Alltag festsitzen muss. Wer wünscht sich dafür nicht Gesellschaft so wie Addie?

Persönliches Fazit

Addie und Louis sind zwei wunderbare Charaktere, die sich mit der Selbstgerechtigkeit und Engstirnigkeit von Familie und Kleinstadtbürgern auseinandersetzen müssen. Kent Haruf erzählt davon in einer sehr angenehmen, unaffektierten Sprache und erschafft damit ein glaubhaftes Plädoyer für Selbstbestimmung im Alter.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Unsere Seelen bei Nacht | Kent Haruf | Diogenes Verlag
2017, gebunden, 208 Seiten, ISBN: 9783257863086
Aus dem Amerikanischen von pociao
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[marcus]

[Gastkolumne] Aufgelesen #31 | LBM2017: liest sich gut, auch aus der Ferne

Dienstag, 21. März 2017 2 Kommentare

Leipzig liest – und wir hören zu. Wir sind Studierende der Universität Leipzig aus unterschiedlichen Fächern, aber mit einer gemeinsamen Begeisterung für Bücher, für das Lesen und das Schreiben. Zur Leipziger Buchmesse schwärmen wir aus und berichten auf unserem Blog »Leipzig lauscht«. »Leipzig lauscht« gibt es seit 2015. Der Blog entsteht in Regie der Leipziger Buchwissenschaft und wird von der Leipziger Buchmesse und dem »kreuzer« unterstützt.

[Patricia, Redakteurin] Für alle, die nicht nach Leipzig fahren können und den Bücherfrühling von zu Hause aus erleben, kommt hier ein kleiner Ausblick auf das, was uns an Themen und Büchern erwarten wird. Ich gucke dabei durch die Brille von „Leipzig lauscht“ (leipziglauscht.de), dem Blog zu „Leipzig liest“. Wir sind eine große Redaktion von rund 70 Personen und haben uns schon vor einer Weile Bücher und Veranstaltungen ausgesucht. Jetzt sind grad alle mächtig am Lesen, denn in dieser Woche ist es soweit. Dann schwärmen wir zu den Veranstaltungen aus und besprechen sie. Wir gucken also nicht nur ins Buch, sondern auch auf die Performance, die Atmo und das Publikum.

Einige aus dem großen Team von „Leipzig lauscht“ 2017 © Juliane Seifert


Die neueste Nachricht: Lang Lang hat Grippe und kann nicht auf die Messe kommen. Der chinesische Tastenkünstler wollte dort seine Klavier-Lern-App vorstellen, und „Leipzig lauscht“ wollte ganz exklusiv dabeisein. Das wird also nix. Doch an Alternativen mangelt es natürlich nicht. Unsere Redakteurin Nina hat einen guten Ersatz gefunden: „Der Ursprung der Welt“, eine Kulturgeschichte der Vulva in Comic-Form, die sehr erheiternd sein soll. Das Buch von Liv Strömquist ist im Berliner avant-verlag erschienen. Wie viele andere Indie-Verlage stellt auch er seine Bücher auf der Leseinsel Junge Verlage vor, dem spannenden Zentrum der unabhängigen Kleinverlage auf der Messe. 

Doch viel schöner ist die Stimmung natürlich, wenn man sich die Neuerscheinungen der Unabhängigen irgendwo in der Stadt zu Gemüte führt. Schon am Donnerstagabend findet traditionsgemäß die Lange Leipziger Lesenacht in der Moritzbastei statt. Auf vier Bühnen gleichzeitig gibt es junge deutschsprachige Literatur im Stundentakt bis tief in die Nacht. Wir werden uns einige Autoren genauer ansehen, darunter Anke Stelling und ihren neuen Roman „Fürsorge“ (Verbrecher Verlag) über ein – sagen wir – ungewöhnliches Mutter-Kind-Verhältnis. 

Leipzig am Vorvorabend der Buchmesse. © Patricia Blume




Überhaupt gibt es aus den weniger bekannten Verlagen viele großartige Bücher zu entdecken – ganz passend zum Indiebookday letzten Samstag. Da wäre beispielsweise der Schweizer Verlag Der gesunde Menschenversand. Unsere Redakteurin Marie hat die Erzählungen von Michael Fehr ausgewählt. „Glanz und Schatten“ ist ein schmales Hardcover-Bändchen, dessen Gestaltung schon von Weitem auffällt. 

Einiges haben wir uns aus der Ecke Poetry Slam ausgesucht: Sandra Da Vina und Jan Philipp Zymny werden dabeisein (Lektora Verlag). Außerdem veranstaltet Voland & Quist mit Uli Hannemann, Kirsten Fuchs und André Herrmann einen großen Lesebühnen-Abend, den unsere Redakteurin Helen besuchen wird. Er findet in einem der ältesten Kinos Deutschlands statt, dem UT Connewitz. Dafür haben wir gleich mal ein Leseort-Porträt  (http://www.leipziglauscht.de/index.php/2017/03/20/leseorte-ut-connewitz/) geschrieben, weil es dort so einzigartig ist. Voland & Quist ist übrigens auch Mitveranstalter der Party der jungen Verlage. Die gibt es immer am Messefreitag nun schon eine ganze Weile, und alle sind inzwischen gar nicht mehr so jung. Aber egal. Gefeiert wird in diesem Jahr zum ersten Mal im hippen Leipziger Westen

Ein bisschen Mainstream darf es bei „Leipzig lauscht“ natürlich auch sein, denn die Buchmesse hat wieder einige hochkarätige Autoren im Gepäck. Zum Beispiel beim Großen Leipzig-liest-Abend in der frisch sanierten Kongresshalle am Zoo. Es kommen Thomas Brussig, Jostein Gaarder und Martin Suter. Außerdem in Leipzig: Benedict Wells, Arno Geiger, Christoph Hein und Adolf Muschg. Jussi Adler-Olsen stellt „Selfies“ vor, den siebenten Fall seines Kopenhagener Ermittlers, Sebastian Fitzek präsentiert – ziemlich oft im Messeprogramm – „AchtNacht“, Iny Lorentz bringen die „Wanderapothekerin“ mit und Markus Heitz „Des Teufels Gebetbuch“. Auch im Phantastik-Programm ist jede Menge los. Zum Beispiel kommt der US-amerikanische Fantasy-Star Brandon Sanderson und stellt sein neues Epos vor. Überhaupt wird das Segment Fantasy immer wichtiger auf der Messe. Das kann man auch daran ablesen, dass es eine neue Buchhandlung in Halle 2 geben wird, die nur Phantastik-Titel anbietet. 

Aber es geht auch eine Nummer realistischer. Clemens Meyer hat einen neuen Erzählband geschrieben, „Die stillen Trabanten“ (S. Fischer), Eva Menasse ist mit „Tiere für Fortgeschrittene“ (KiWi) dabei, Jochen Schmidt mit seinem Roman „Zuckersand“ (C. H. Beck), Olga Grjasnowa mit „Gott ist nicht schüchtern“ (Aufbau), Doris Knecht mit „Alles über Beziehungen“ (Rowohlt Berlin), Ronja von Rönne mit ihren Kolumnen „Heute ist leider schlecht“ und und und. Nicht zu vergessen die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse: Unsere Redakteurin Melanie wird „Hagard“ von Lukas Bärfuss besprechen. Ob der Wallstein Verlag bzw. sein Autor auch die Auszeichnung erhält? Die Auflösung gibt es gleich am Donnerstagnachmittag.

© www.leipziger-buchmesse.de


Natürlich sollte ich an dieser Stelle zwei der großen Themen dieser Messe nicht vergessen. Einmal ist das die Reformation, ein hochinteressantes, aber nicht immer leicht zu vermittelndes Thema. Unser Redakteur Kilian hat sich ein Sachbuch aus der Evangelischen Verlagsanstalt ausgesucht, das einen konkreten Bezug zur Region herstellt: „Der Lutherweg in Sachsen“. Aber auch im Bereich Belletristik wird man fündig, zum Beispiel bei Feridun Zaimoglus neuem Buch. Es ist der Luther-Roman „Evangelio“ (KiWi). Dazu kann man auf „Leipzig lauscht“ morgen direkt ein Interview mit dem Autor nachlesen. 

Und das zweite große Thema ist das Schwerpunktland Litauen. Dazu bietet das dortige Kulturministerium zahlreiche interessante Veranstaltungen an, aber auch einige Verlage machen sich mit Engagement um die Vermittlung der litauischen Literatur verdient. Hier will ich unbedingt den Guggolz Verlag (http://www.leipziglauscht.de/index.php/2017/03/13/fuenf-fragen-fuer-sebastian-guggolz/) erwähnen, der am Messefreitag nicht nur mit dem Förderpreis der Kurt Wolff Stiftung ausgezeichnet wird, sondern auch den wichtigen litauischen Autor Antanas Škėma auf deutsch verlegt. Im Mitteldeutschen Verlag erscheinen gleich drei interessante Titel, darunter der Band „Ein glücklicher Mensch“ mit litauischen Märchen. „Kein Streicheln“, eine Anthologie mit Erzählungen der jüngeren litauischen Autorengeneration, wird unsere Redakteurin Madeleine besprechen, und Franziska hat sich die Erzählungen von Alvydas Šlepikas ausgesucht, die unter dem Titel „Der Regengott“ erscheinen. 

Was hier jetzt noch ein bisschen zu kurz kam, sind die vielen neuen Sachbücher. Es kristallisieren sich in den Neuerscheinungen bestimmte Schwerpunkte heraus, zum Beispiel immer noch das Thema Flüchtlinge und Willkommenskultur wie in der Sozialreportage „Kaltland“ von Jasna Zajcek (Droemer). Einige Titel beschäftigen sich mit dem Rechtsruck in Deutschland und Europa, so etwa „Bürgerliche Scharfmacher. Deutschlands neue rechte Mitte“ (Orell Füssli) oder „Unter Sachsen. Zwischen Wut und Willkommen“. Der Sammelband aus dem Ch. Links Verlag sorgte schon im Vorfeld für Aufmerksamkeit, weil seine Berliner Premiere nicht in der Sächsischen, sondern in der Thüringischen Landesvertretung stattfinden wird. 

© Patricia Blume
So viel mehr schöne und interessante Bücher und Veranstaltungen könnte ich noch erwähnen. Aber die Zeit drängt, denn morgen geht es ja eigentlich schon los. Abends wird die Buchmesse im Gewandhaus feierlich eröffnet mit der Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung. Der großartige Mathias Énard erhält ihn in diesem Jahr. Und nach der gediegenen Eröffnung folgt das Messegewusel der nächsten vier Tage. 

Also: Klar, Ihr verpasst eine Menge in Leipzig. Aber hey, es gibt leipziglauscht.de! Wir halten Euch auf dem Laufenden. 

Einstweilen danke ich dem BücherKaffee-Team ganz herzlich. Wir finden es toll, dass wir die Kolumne vertretungsweise übernehmen dürfen.

Patricia und die LauscherInnen aus Leipzig

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#Indiebookday 2017 - ich habe ein Blinddate!

Samstag, 18. März 2017 0 Kommentare

Heute ist es wieder soweit - heute werden die tollen Buchperlen aus den unabhängigen Verlagen gefeiert! Diese schöne Aktion wurde schon im Jahr 2013 ins Leben gerufen und findet seither von Jahr zu Jahr mehr Anklang - und das nicht nur in Deutschland. 
Aber wie funktioniert das nun mit dem #Indiebookday und was soll damit eigentlich bezweckt werden? Alle Informationen rund um diesen Tag findet ihr auf der offiziellen Seite www.indiebookday.de. Der Indiebookday ist eine Initiative des mairisch Verlags: www.mairisch.de. Übrigens gibt es auch in diesem Jahr wieder eine Facebook-Veranstaltung zu diesem schönen Ereignis. Aber auch auf allen anderen sozialen Kanälen könnt ihr euch mit dem Hashtag #indiebookday informieren und eure Beiträge/Bilder/Kommentare mit anderen teilen. 

Geht am 18.03.2017 in einen Buchladen Eurer Wahl und kauft Euch ein Buch. Irgendeines, das Ihr sowieso gerade haben möchtet. Wichtig ist nur: Es sollte aus einem unabhängigen/kleinen/Indie-Verlag stammen.
Danach postet Ihr ein Foto des Covers, des Buches, oder Euch mit dem Buch (oder wie Ihr möchtet) in einem sozialen Netzwerk (Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat) oder einem Blog Eurer Wahl mit "#indiebookday". Wenn Ihr die Aktion gut findet, erzählt davon.

Ich habe in diesem Jahr dank der wunderbaren Sarah vom Blog Pinkfisch.net ein Blinddate mit Büchern aus unabhängigen Verlagen. Sarah ist eine Buchhändlerin mit Herz und Seele im Buchladen am Freiheitsplatz in Hanau und ich konnte ihrem Geschmack schon immer vertrauen. Und da ich niemanden kenne, der sich besser und intensiver auf den #indiebookday vorbereitet wie sie, kam mir dieses Jahr die Idee mit dem Blinddate. Einem Blinddate mit Büchern! Ich nannte Sarah einen Betrag x, den ich ausgeben mag und überlies es völlig ihr, welche Bücher sie mir dafür sendet. :) 

Ich habe nun vor zwei Tagen diese wundervoll verpackte Post aus dem Buchladen am Freiheitsplatz bekommen und bin immer drumherum geschlichen - aber ich habe tapfer ausgeharrt bis heute. 

Heute morgen nun habe ich es mir gemütlich gemacht mit einer schönen Tasse Kaffee und ganz gespannt die Päckchen geöffnet. 
Und wie ich es mir schon gedacht habe - ich bin begeistert! Sarah, ich danke dir für diese tolle Auswahl und du hast es wieder einmal zu 100% meinen Geschmack getroffen! Danke, dass du für die Idee Feuer & Flamme warst. 


Die Küche der Achtsamkeit | Tainá Guedes


Zum Inhalt: Handfestes Kochbuch, persönliche Geschichte und Ernährungsphilosophie in einem: Dieses wunderschöne Buch zelebriert eine achtsame Küche, die viel mehr bedeutet als sich irgendwie zu ernähren. Aufmerksam sein, sich verbunden fühlen - und das Leben auskosten bis aufs kleinste Reiskorn...
Mottainai – das ist ein zentraler Begriff in Tainá Guedes’ Küche der Achtsamkeit. Er stammt aus dem Buddhismus und meint den Respekt vor den Dingen und das Bestreben, entsprechend mit ihnen umzugehen und nichts zu verschwenden. Tainá Guedes begegnete ihm, als sie – ihr Gastronomie-Diplom und mehrere Jahre Kocherfahrung in einem japanischen Restaurant im Gepäck – nach Japan reiste, um dort die traditionelle buddhistische Shojin-Ryori-Küche, die »Küche der Hingabe«, zu studieren und zu erlernen.  In diesem Buch zeigt Tainá Guedes in 50 Rezepten, was achtsam kochen, was Mottainai für sie bedeutet und wie sie diese Idee mit ihren eigenen Vorstellungen einer gesunden, zeitgemäßen und glücklich machenden Küche kombiniert: In zehn Kapiteln mit poetischen Fotos und Illustrationen nimmt sie uns mit auf eine inspirierende und sehr persönliche Reise durch ihr Küchen-Universum, in dem sich bewusste Ernährung und Kreativität, Gesundheit und lustvolles Essen nicht im Wege stehen, sondern aufs Schönste ergänzen.




Mein Vater ist Putzfrau | Sophia Azzeddine


Zum Inhalt: Was macht ein vierzehnjähriger Pariser Vorstadtjunge aus prekären Verhältnissen abends in der Bibliothek? Er hilft seinem Vater, der den Lebensunterhalt der Familie als Putzkraft verdient, und wischt Staub von den Büchern. Hin und wieder schlägt er eines auf, lernt neue Wörter und lacht sich kaputt.
Eigentlich gibt es nichts zu lachen in der Pariser Banlieue. Paul, genannt Polo, ist ziemlich klein, hässlich, weiß und arm. Seine Mutter klebt krank und bewegungslos vor dem Fernseher, die ältere Schwester sorgt sich um ihre Fingernägel und träumt davon, einen Schönheitswettbewerb zu gewinnen. In der Schule sind alle cooler als Paul und wenn schon nicht reich, dann wenigstens arabisch, jüdisch oder schwarz. Mit dem Vater, der sich nie beklagt und alle Demütigungen mit geradem Rücken wegsteckt, kann Paul gut reden – und schweigen. Von Priscilla erzählt er lieber nichts und auch nicht von Sylvie, die seinen Kopf und seine Hände beschäftigen … Auch dass er sich längst nicht mehr um den Staub auf den Büchern kümmert, sondern begonnen hat, sie zu lesen, behält Paul vorerst für sich.




Die Sommer der Porters | Elisabeth Graver


Zum Inhalt: Seit Generationen sucht die wohlhabende Familie Porter Zuflucht in ihrem Sommerhaus auf der felsigen Halbinsel Ashaunt vor Massachusetts, wo die Tage endlos und unbeschwert sind. Als dort im Sommer 1942 ein Militärstützpunkt entsteht, hat die Idylle ein jähes Ende. Ein Sohn zieht in den Krieg, eine Tochter wird ihrer Unschuld beraubt, ein Kindermädchen muss sich zwischen ihrer Liebe zu einem Soldaten und ihren Schützlingen entscheiden. Erst in den kommenden Jahrzehnten, in denen die Kinder und Enkelkinder der Porters erwachsen werden und die Ausläufer von neuen Kriegen und Krisen Ashaunt erreichen, wird sich erweisen, dass der Sommer der Soldaten trotz allem nur einer von vielen war.Mit großer Empathie und in brillanter Prosa erzählt Elizabeth Graver in ihrem Generationenroman von einer Familie und einem vom Meer umspülten Landstrich - und entwirft dabei ein berührendes und zugleich entwaffnend gelassenes Bild vom Leben.


Ich bin  sehr gespannt auf eure Buchschätze zum Indiebookday 2017. Welches Buch habt ihr gekauft bzw. werdet ihr heute kaufen?

[alexandra]