Rezension: Wir waren keine Helden | Candy Bukowski

Donnerstag, 29. September 2016 1 Kommentar

"… Der eine, lange, unwiederholbare Moment. Einer von denen, die du dein ganzes Leben lang immer wieder mal vermisst. Der als verblichene Schwarz-Weiß-Fotografie irgendwo in deiner rechten Herzkammer steckt. Nicht im Portemonnaie wie all der andere, vermeintlich wichtige Kram. Das kleine, riesengroße Sepiaglück, mit den richtigen Menschen im richtigen Moment. Das man nicht halten kann, nur bewahren…"



„Wir waren keine Helden“ ist ein Coming of Age Roman, startend in den 80ern am „Arsch der Welt“, wo für Sugar mit dem Punker Pete, später auch mit Luke und Silver, Beziehungen für ein ganzes Leben beginnen. Eine rasante Reise durch das Reifen, Erwachsenwerden und Erwachsensein in vielen Etappen, oft im Grenzgang, immer auf der Suche nach stimmigen Antworten … [Text & Cover: © edel & electric Verlag]

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Candy Bukowskis autobiografischer Roman und gleichzeitig auch Debüt „Wir waren keine Helden“ nahm mich als Leserin mit auf eine ganz besondere Reise. Eine Reise, die in den 80ern begann und bis heute reicht. Meine Reisebegleiterin ist Candy Bukowskis Alter Ego Sugar, die mir Einblick in ihr Leben gewährt. Ein Leben, dass auf einem unscheinbaren Dorf, quasi mitten in der Pampa, beginnt und dem sie mit sechzehn endlich entfliehen mag. Es sind immerhin die 80er. Die wilde Freiheit ruft, das Leben ruft und es gibt so viel zu entdecken und Heldentaten wollen vollbracht werden.

Von der Jugend auf dem Dorf bis hin zur zu der Sugar, die sie heute ist - eine im Hier & Jetzt angekommene Frau in den Vierzigern - ist es ein weiter Weg. Ein Weg, auf dem so viel passiert und auf dem es so viele Abzweigungen gibt. Sugar hat keinen festen Plan, sie probiert aus, sie testet die Ehe, die jedoch scheitert, befreit sich, reißt sich los und stürmt weiter vorwärts. Raus aus dem Dorfleben, rein in die großen Städte. Sie findet sich immer wieder neu, testet aus, ändert den Kurs, nimmt neue Abzweigungen. Viele Hochs und Tiefs steuern das Leben, sorgen für neue Entscheidungen. Einige davon sind richtig, manche falsch. Aber es sind ihre ganz persönlichen Lebensentscheidungen, die sie Reifen und Erwachsen werden lassen. Aber manchmal muss man einfach auch Fehler machen im Leben um daran zu wachsen und neue Chancen ergreifen zu können. Das ist „Murphys Gesetz“ - oder „Heldenschicksal, wie Sugar sagen würde.
Nebenbei treffen wir natürlich weitere Reisebegleiter. Manche stoßen nur auf kurzen Etappen dazu, andere begleiten uns fast die ganze Zeit und werden Freunde fürs Leben, so wie zum Beispiel Punker Pete.

Mehr Zitate auf https://candybukowski.com


Sprachlich schonungslos, tiefgründig und sehr offen schreibt Candy Bukowski über das Leben und die Liebe, über das Erwachsenwerden und über das Suchen und Finden von Antworten.
Die ausdrucksstarke Sprache begeistert sehr und ich musste feststellen, dass ich wohl noch nie zuvor so viele schöne und vor allem treffende Zitate auf einmal in einem Buch markiert habe wie in diesem. Ich weiß nicht woran es lag, aber ich fühlte mich einfach verstanden. Bei so vielen gelesenen Sätzen musste ich nicken und denken: „ja, das sehe ich auch so“ und „das unterschreibe ich genau so!“.

Das Ganze wird zudem noch geprägt mit dem ganz unverwechselbaren Soundtrack der 80er bis heute. Jedes Kapitel beginnt mit einem Songtitel, der das jeweilige Jahr prägte. Ich habe mir diese Playlist direkt geladen und war begeistert über die Zusammenstellung. Phil Collins, Metallica, The Surviver, Aerosmith, Meat Loaf & Co warteten hier auf mich und während des Lesens habe ich immer wieder in die jeweiligen Songs gehört. Ich konnte selbst so viel Persönliches verbinden, bin ich doch selbst auch mit diesen Songs aufgewachsen. Diese hervorragende Symbiose von Playlist und Story machten das Buch zu einem echten Herzensbuch für mich.
Ich musste immer wieder kurz aufhören zu lesen um einfach mal lautstark mitzusingen und um in eigenen Erinnerungen zu schwelgen!

Persönliches Fazit

Ein hervorragendes Debüt über Selbstbefreiung, über die Suche nach einem selbstbestimmten Leben, über Mut und Freiheit, aber auch über das Scheitern. Ein Roman über unsere vielen kleinen und großen persönlichen (Helden)Taten, die unser aller Leben prägen und die uns zu dem machen, was wir sind. Eine ganz klare Leseempfehlung.

© Rezension: 2016, Alexandra Zylenas


Wir waren keine Helden | Candy Bukowski | Edel & Electric
2016, 236 Seiten, ISBN 978-3-96029-006-3
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[alexandra]

Kinderbuch-Rezension: Die kleine Hummel Bommel sucht das Glück | Britta Sabbag, Maite Kelly & Joëlle Tourlonias

Dienstag, 27. September 2016 2 Kommentare

Fortsetzung des Bilderbuch-Bestsellers „Die kleine Hummel Bommel“ mit zwei neuen Liedern!


Was passiert, wenn eine mutige kleine Hummel das Fliegen gelernt hat und in die Welt hinaus kann? Sie packt die Karte, den Kompass und die Honigbrote von Mama in ihren Lederranzen und macht sich auf die Suche nach dem großen Glück! 
Ein Bilderbuch mit der zeitlosen Botschaft: Das Glück ist da, wo man zu Hause ist, wo Familie und Freunde sind. [Text & Cover: © arsEdition GmbH]

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Dieses Buch ist die Fortsetzung zum Bilderbuchbestseller "Die kleine Hummel Bommel“ zu dem auch zwei neue Lieder von den Autorinnen geschrieben wurden. Nachdem Bommel im ersten Buch gelernt hat zu fliegen, macht er sich in der Fortsetzung auf die Suche nach dem Glück.

Bommels Freunde finden ein bedrucktes Papier auf welchem ein Gewinnspiel beworben wird. Zu gewinnen ist eine Weltreise. Schon muss Bommel daran denken, was wohl hinter dem Gartenzaun ist. Er beschließt dem nach zu gehen, verabschiedet sich bei seinen Eltern und Freunden und macht sich auf die Suche nach dem Glück. Dabei trifft Bommel viele Tiere, die ihm bei der Suche helfen sollen.



Eine zauberhafte Geschichte mit einer wundervollen und wahren Botschaft. Gern hätte die Geschichte ausführlicher sein können, dadurch ist es an der einen oder anderen Stelle etwas wirr und man meint eine Buchseite zu vermissen. Dem Buch an sich macht dieser Umstand allerdings keinen Abbruch. Wichtig sind die Herzlichkeit und die Botschaft, beides ist wiederum klar und sehr passend beschrieben.

Zum Vorlesen für Kinder ab 4 Jahre, aber auch für die kleineren Zuhörer bestens geeignet. Zwei neue Lieder der Sängerin Maite Kelly stehen auf www.hummelbommel.de zum Download bereit, die man sich dann mit den Kindern anhören und gern auch mitsingen kann.
Hier gibt es auch noch weiteres Zusatzmaterial wie Noten, Ausmalbilder u.v.m. - Vorbeischauen lohnt sich!

Persönliches Fazit

Eine herzlich erzählte Geschichte, geeignet ab ca. 4 Jahren, mit schönen Illustrationen und einer wahren Botschaft: Das Glück ist da, wo Familie und Freunde sind.

© Rezension: 2016, Susa


Die kleine Hummel Bommel sucht das Glück | Britta Sabbag, Maite Kelly & Joëlle Tourlonias | arsEdition
Ab ca. 4 Jahren
2016, Hardcover mit Liedern zum Download, 32 Seiten, ISBN: 978-3-8458-1286-1
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[susa]

FILM VS. BUCH || tschick | Wolfgang Herrndorf

Sonntag, 25. September 2016 1 Kommentar

Jetzt im Kino!


Mutter in der Entzugsklinik, Vater mit Assistentin auf Geschäftsreise: Maik Klingenberg wird die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, kommt aus einem der Asi-Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule irgendwie bis aufs Gymnasium geschafft und wirkt doch nicht gerade wie das Musterbeispiel der Integration. Außerdem hat er einen geklauten Wagen zur Hand. Und damit beginnt eine unvergessliche Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz. [© Text und Cover: Rowohlt Verlag, ©Plakat: Studiocanal

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Wolfgang Herrndorfs „tschick" hat mich schon vor Jahren begeistert. Zuletzt konnte ich mich anhand der sehr schönen Ausgabe der Edition Büchergilde nochmals davon überzeugen. Da wollte ich mir den Kinofilm des renommierten Regisseur Fatih Akin natürlich nicht entgehen lassen. 










[©Cover: Edition Büchergilde, ©Plakat: Studiocanal]

Buchverfilmungen haben es ja meist schwer, wenn sie den Bildern, die im Kopf des Lesers entstehen, nicht entsprechen, oder wenn zuviel verändert oder gekürzt wird. Tatsächlich ging es mir bei „tschick" nur selten so. Sicher, die Gesichter der Schauspieler waren deutlich anders, als ich sie mir vorgestellt habe. Aber sie passen trotzdem sehr gut zur Vorlage, für mich waren sie nach einer kurzen Gewöhnungsphase äußerst überzeugend. Dass die eine oder andere Nebenrolle im Vergleich zum Buch etwas zu kurz kommt und dadurch für die Story nicht so relevant wirkt, ist vernachlässigbar. Insgesamt besteht der Film für mich den Vergleich um Buch überraschend gut. 

Eine entscheidende Frage im Vorfeld war für mich, wie das wesentlichste Element des Buchs, nämlich die jugendliche Sprache, in den Film transportiert wird. Das gelingt recht simpel: wir folgen Maiks Gedanken, die eben genauso wie in der Textvorlage seiner besonderen jugendlichen Logik folgen. Da sind Schmunzler garantiert! 

Dem Film gelingt es insgesamt, diese jugendliche Welt einzufangen und sich von den Erwachsenen abzugrenzen. Trotz des ernsten Hintergrunds von Maiks schwierigem Elternhaus wird er von einer angenehmen Leichtigkeit getragen. Da fühlt man sich doch gleich wieder wie ein Vierzehnjähriger – mit allen Vor- und Nachteilen! 

Aufgefallen ist mir auch der tolle Soundtrack. Auch wenn Richard Clayderman etwas zu oft ran muss, der Rest ist sehr cool und trifft den Zeitgeist. 

Persönliches Fazit

Ausnahmsweise kann ich den Film gerade denen empfehlen, die das Buch kennen. Ich hatte jede Menge Spaß dabei, und trotzdem hallen auch die ernsten Töne nach. Aber auch meine Begleitung, die den Roman nicht kannte, war begeistert. Wirklich eine gelungene Umsetzung.

© 2016, Marcus Kufner

[marcus]


Website
www.tschick-film.de
www.studiocanal.de
Facebook
www.facebook.com/tschick.Film
www.facebook.com/STUDIOCANAL.GERMANY
Regie:
Fatih Akin
Darsteller:
Tristan Göbel als Maik Klingenberg
Anand Batbileg als Andrej 'tschick' Tschichatschow
Nicole Mercedes Müller als Isa