Freitag, 6. Mai 2016

REZENSION: IMMERSTILL | ROMAN KLEMENTOVIC

Kein Entrinnen.
In einer eisigen Winternacht verschwinden zwei Jugendliche spurlos. Die örtliche Polizei tappt im Dunkeln, findet keinerlei Anhaltspunkte und mit der Zeit gerät der Fall in Vergessenheit. Doch dann, auf den Tag genau drei Jahre später, werden wieder zwei junge Menschen vermisst. Die Medien wittern eine Tragödie und in dem kleinen Dorf wächst die Nervosität. Als eine misshandelte Leiche gefunden wird, bricht Panik aus. [Text + Cover: Gmeiner Verlag]

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"Ich kann Wolfsegg nicht mehr sehen, [...] die Mauern vertrage ich nicht mehr, die Menschen ebensowenig wie die Mauern, und das Klima ist mir endgültig unmöglich geworden."


[wb] Dieses Zitat aus Thomas Bernhards "Auslöschung" könnte man ebenso gut der Ich-Erzählerin in Roman Klementovics neuem Roman "Immerstill" in den Mund legen und auf ihren fiktiven Geburtsort anwenden.
Der Roman beginnt mit einer Autofahrt durch symbolträchtig dichten Nebel aus der Bundeshauptstadt Wien in das im niederösterreichischen Marchfeld gelegene fiktive Grundendorf, aus dem Radio dringt Roxettes "It Must Have Been Love". Die Schwester der Erzählerin Lisa ist entführt worden, die Sorge zwingt sie zur Auseinandersetzung mit der längst bewältigt geglaubten Vergangenheit.

REZENSION: FRÄULEIN KUBITSCHEK PFEIFT AUF DIE LIEBE | ANNA STEIN

Charlotte Kubitschek ist 34 und glaubt nicht an die Liebe. Sie braucht keinen Mann für alle Lebenslagen, sondern nur für die eine, die man im Bett einnimmt. Wenn sie die Männer morgens in Boxershorts aus ihrer Berliner Wohnung schiebt, fühlt sich ihre 94-jährige Nachbarin Elise bestätigt: »Dat Frollein Kubitschek hat keen Charakter.« Charlotte hingegen nennt die meckernde Alte nur „die fiese Elise". Als das Haus luxussaniert werden soll, müssen sich die beiden Streithähne zusammenraufen, um sich gegen ihren Vermieter zu verbünden. Schon bald bemerken sie, dass sie nicht nur die Liebe zum Swing teilen, sondern Elise verrät Charlotte auch ein Geheimnis, das ihr Leben für immer verändert. [Text & Cover: © Droemer Knaur Verlag

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[sk] Das Cover dieses Buches hat mich am Anfang so gar nicht angesprochen – es wirkte auf mich eher trist und unscheinbar, also nichts, was ich sofort in die Hand nehmen würde, wenn es mir im Buchladen begegnet. Doch als ich dann den Titel und den Klappentext war es um mich geschehen. Was mich aufwühlte war, die Tatsache, dass eine junge Frau von gerade einmal 34 Jahren nicht an die Liebe glaubt. Warum hat sie so eine negative Einstellung zu der wohl schönsten und wunderbarsten Sache der Welt? Das musste ich einfach herausfinden...

Donnerstag, 5. Mai 2016

REZENSION: ROMAN OHNE U | JUDITH W. TASCHLER

 „Die Schreibmaschine funktioniert noch einwandfrei. Nur das U macht Faxen."



So beginnt ein gebrochener Mann Mitte der Sechziger Jahre, nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft, seine Aufzeichnungen, den Roman ohne U. 1945 wurde er nach einem Dummejungenstreich in ein sibirisches Arbeitslager verschleppt. Mit der Pianistin Ludovica wagt er schließlich eine abenteuerliche Flucht.
Jahrzehnte später erhält die Biografin Katharina Bergmüller, Mutter von vier Kindern, den Auftrag, aus diesen Erinnerungen ein Buch zu verfassen. Lange Zeit kann sie die Zusammenhänge zwischen dem Roman ohne U und der Geschichte ihrer Familie nicht erkennen. Dann stellt der Unfalltod ihres Mannes ihr Leben völlig auf den Kopf … [© Text und Bild: Droemer Verlag]

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[mk] Nachdem mir die wunderbare Kurzgeschichtensammlung APANIES PERLEN sehr gefallen hat, konnte ich mir Judith W. Taschlers neues Buch natürlich nicht entgehen lassen. Der „Roman ohne U" ist eine Familiengeschichte, besser gesagt zwei, denn es geht nicht nur um die Bergmüllers, sondern auch um die Steiners. Auch wenn sie es nicht wissen, sind die beiden Familien irgendwie miteinander verbunden. Natürlich erfahren wir erst am Schluss, wie.

Dienstag, 3. Mai 2016

[Kolumne] WER WAR WILLIAM SHAKESPEARE? [Teil2]

Aufgelesen #18 

[Fortsetzung >> Teil 1]

Liebe Leserin, lieber Leser, 
von einem Vogelbeobachter aus vergangenen Tagen ("Es war die Nachtigall und nicht die Lerche") handelte die letzte Ausgabe dieser Kolumne und endete mit Zweifeln an dessen Schaffenskraft. Wer hat "Romeo und Julia" tatsächlich sich ineinander verlieben und miteinander sterben lassen? Müssen wir also gar konstatieren, es war der Adelige und nicht der Getreidehändler?

Biographen und Historiker hegen nämlich den Verdacht, der Name William Shakespeare sei lediglich ein Pseudonym für einen anderen zeitgenössischen Poeten gewesen. Als mögliche Kandidaten gelten Sir Francis Bacon, Sir Walter Raleigh, Christopher Marlowe oder der 2. Earl of Essex. Insgesamt werden über 60 Namen als mögliche Verfasser der Shakespeare-Dramen gehandelt. Über einen Wissensstand wie den erwähnten konnte nur ein Mitglied des Adels verfügen, für den schriftstellerische Tätigkeiten jedoch als verpönt galten.

Zahlreiche Indizien deuten auch auf Edward de Vere, den 17. Earl of Oxford, in dessen Biographie zahlreiche Überschneidungen mit jener Shakespeares nachweisbar sind. Es wird also vermutet, daß der Getreidehändler aus Stratford für ihn lediglich einen willigen Strohmann darstellte. Als wichtigstes Beweisstück gilt eine Bibel aus dem Eigentum de Veres, die zahlreiche Markierungen von Textstellen enthält, die in den Dramen eine wesentliche Rolle spielen.