REZENSION: MÖGEN DEINE AUGEN LEUCHTEN | BITA SCHAFI-NEYA

Montag, 23. Mai 2016 0 Kommentare

Meine Reise durch den Iran. Ein Land mit Repressionen, hoher Arbeitslosigkeit und Kontrollen durch Sittenwächter einerseits, erwachender Lebenslust und einem relativ gut funktionierenden Alltag andererseits.




Mindestens einmal im Jahr fährt Bita Schafi-Neya in ihre „zweite Heimat". Sie besitzt sowohl die deutsche als auch die iranische Staatsbürgerschaft und hat im vergangenen Jahr vier Monate im Iran verbracht. Während ihrer Aufenthalte hat sie sich ein Bild vom heutigen Iran gemacht. Selten wird in den Medien positiv über den Iran berichtet: Es geht um Begriffe wie Atomkonflikt, totalitäres Regime, fundamentalistischer Mullahstaat, Israelkonflikt. In ihrem Buch macht die Autorin deutlich, dass Iran anders ist: Sie ist zwischen beiden Kulturen aufgewachsen und erzählt von der Gastfreundschaft der Iraner, von Persisch Neujahr und Haft-Sin, von Tarouf – iranischen Höflichkeitsfloskeln – und von ihren Touren durch glitzernde Salzwüsten und blühende Gärten. Und sie gewährt uns Einblicke in das Privatleben junger Iraner. Sie war zu Gast auf einer illegalen Geburtstagsparty und hat einen der größten Schönheitssalons von Teheran besucht. Während die Mullahs versuchen, das Land zu regieren, nehmen die Jugendlichen sich ihre Freiheit. Sie surfen im Internet, verliebte Pärchen schlendern Hand in Hand durch die Parks und die Frauen sind – trotz Kopftuchzwang – selbstbewusster denn je. Auch auf die jüngere Geschichte des Irans, den Kurs des neuen Präsidenten Rohani, die Einigung in der Atompolitik und die aktuellen Terroranschläge wirft diese Reportage ein neues Licht. [© Text und Cover: Braumüller Verlag]

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[mk] Bita Schafi-Neya ist in Deutschland aufgewachsen, hat aber immer schon eine enge Verbindung zum Iran, der Heimat ihres Vaters. Mit ihrem Buch will sie dem Leser das Land auf ihre Weise näher bringen.
Das macht sie auf eine sehr lebendige Art. Statt chronologisch Daten und Fakten herunterzubeten berichtet sie von ihren persönlichen Erfahrungen, die sie bei ihren Reisen gemacht hat. Sie verwendet dazu eine einfache Sprache, literarische Nuancen sind hier nicht zu finden. Das macht das Lesen aber unkompliziert und leicht verständlich.

Wer unvoreingenommen fremde Länder besucht, wird sich dort ein ganz anderes Bild machen als es ihm zu Hause suggeriert wurde. So geht es auch der Autorin. Vom Iran hat man den Eindruck, dass die Bewohner Fremden gegenüber misstrauisch sein werden, dass man vom Staat überwacht und schikaniert wird. Es gibt natürlich Regeln wie den Kopftuchzwang, die man beachten sollte. Abgesehen davon trifft man dort eine dem Modernen gegenüber aufgeschlossene Gesellschaft an mit einer bemerkenswerten Gastlichkeit. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, mit der Bita Schafi-Neya begegnet wird, ist beeindruckend.

Dass Frauen und Männer getrennte Strandabschnitte oder Sportanlagen benutzen müssen, kann ich ja noch als landestypische Sitte hinnehmen. Die Ungleichbehandlung der Frauen ist aber nicht akzeptabel.

„Sie werden systematisch benachteiligt, so gelten Mädchen ab neun Jahren als strafmündig, Jungen erst ab fünfzehn. Frauen erhalten weniger Erbe als ihre Brüder und so gut wie nie das Sorgerecht für ihre Kinder." 

(S. 19)

Bita Schafi-Neya spricht solche Missstände klar an, immer mit der Hoffnung verbunden, dass sich die iranische Gesellschaft auf dem Weg ist, den Wünschen und Bedürfnissen vor allem der jungen Generation gerecht zu werden.

Auch die besonderen politischen Umstände sind ein Thema im Buch. Von der Zeit, als der Schah noch regiert hat, über die Revolution in den siebziger Jahren bis zu den aktuellen Ereignissen mit der Einigung beim Atomstreit erklärt die Autorin auf unkomplizierte Art die Zusammenhänge. Auch das „besondere" Verhältnis zu den USA und die Beziehungen zu den Nachbarländern erläutert sie, ohne dabei auszuschweifen.

PERSÖNLICHES FAZIT


Mit ihrem Buch will Bita Schafi-Neya die Wahrnehmung des Irans bei uns verbessern. Ihre Begeisterung für das Land, die Kultur und die Menschen ist bei mir angekommen. Mit vielfältigen Themen und ihren persönlichen Erlebnissen kann ich mir gut ein Bild davon machen, wie es tatsächlich dort zugeht.

© Rezension: 2016, Marcus Kufner


1.03.2016, gebunden, 176 Seiten, ISBN: 9783991001775


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