Rezension: Die Vermissten | Caroline Eriksson

Mittwoch, 31. August 2016 2 Kommentare



Das grünschwarze Wasser leuchtet geheimnisvoll in der untergehenden Sommersonne. Der Abend könnte nicht schöner sein, als Greta, Alex und Tochter Smilla mit dem Boot zur kleinen Insel in der Mitte des Sees fahren. Greta bleibt am Ufer, während die anderen beiden neugierig auf Entdeckungstour gehen. Aber sie kommen nicht mehr zurück. Beunruhigt macht sich Greta auf die Suche – doch von Alex und Smilla fehlt jede Spur … In ihrer wachsenden Verzweiflung wendet sie sich an die Polizei. Schnell wird klar, dass Gretas eigene Geschichte ebenso große Rätsel aufwirft wie das Verschwinden ihrer Lieben. Und die Frage: Hat sie etwas damit zu tun? [© Text und Cover: Penguin Verlag]

[trennlinie]

Ich hatte schon öfter Bücher mit der Bezeichnung „Psychothriller" gelesen, bei denen ich mich hinterher gefragt habe, was daran denn „Psycho" war. Das wird hier ziemlich schnell klar. Die Geschichte wird größtenteils von Greta erzählt, und schon nach wenigen Kapiteln erkenne ich: die hat einen an der Waffel. Es macht schon einen ziemlich wirren Eindruck, was sie berichtet, da steige ich zunächst gar nicht richtig durch. Gibt es Alex und Smilla wirklich oder entspringen sie ihrer Einbildung? Wieso ruft sie nicht sofort die Polizei sondern erst Tage nach dem Verschwinden der beiden?

Tatsächlich war Greta schon in psychologischer Behandlung, sie weiß auch durchaus, dass etwas mit ihr nicht stimmt.

„Was würden andere Menschen in meiner Situation tun? Was ein vernünftiger, normaler Mensch?" (S. 36)
Immer wieder gibt es Andeutungen, dass in der Vergangenheit etwas mit ihrem Vater geschehen ist, was sich auch noch viele Jahre danach in Gretas Verhalten niederschlägt. Ich rätsele bis zum Ende, wie die Zusammenhänge sind. Die Autorin löst dieses Geflecht auf, ohne dass bei mir Fragen offen bleiben. Man merkt, dass sie Psychologie studiert hat und ihr Fach versteht. Die Auswirkungen von Entscheidungen in der Vergangenheit, von Kindheitstrauma und unverarbeiteten Ereignissen können die menschliche Psyche erheblich belasten. Es ist faszinierend, aber auch beängstigend, dass Greta ihrem Verstand nicht trauen kann.

„Jedes Mal, wenn ein klarer Gedanke in meinem Kopf Gestalt annehmen will, löst er sich wieder auf." (S. 165)
Nach den ersten für mich etwas verwirrenden Kapiteln kann ich mich auf Gretas Gedanken einlassen. Die Ausgangslage mit den beiden Verschwundenen erzeugt genug Spannung, um hier dran zu bleiben.

Persönliches Fazit

Caroline Eriksson gelingt es, Einflüsse auf die menschliche Psyche sehr glaubwürdig und nachvollziehbar in ihrem Psychothriller zu verarbeiten. Am Ende ist die Geschichte doch deutlich komplexer als ich vermutet hätte und hat mich damit durchaus beeindruckt.  

© Rezension: 2016, Marcus Kufner


Die Vermissten | Caroline Eriksson | Penguin Verlag
Aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn
2016, Paperback, 272 Seiten, ISBN: 9783328100386
Buch bestellen bei Amazon.de*
Buch bestellen bei Buchhandel.de

*Affiliate Link
[marcus]

Kommentare:

  1. Das hört sich gut an und wird vorgemerkt! :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Freut mich, liebe Cornelia, dass ich Dich neugierig machen konnte. Ich wünsch Dir schon jetzt spannendes Lesen :-)

      Marcus vom Bücherkaffee

      Löschen

Wir freuen uns, wenn ihr unsere Beiträge kommentiert, denn dadurch wird dieser Blog lebendig! Bitte habt Verständnis, dass Beiträge vorab geprüft werden, um Spam zu verhindern. Daher kann es einen Moment dauern, bis Kommentare sichtbar werden. Lieben Dank.