Rezension: Die letzten vier Tage des Paddy Buckley | Jeremy Massey

Freitag, 28. Oktober 2016 0 Kommentare




Paddy Buckley ist Bestatter – und zwar mit Leib und Seele. Als eine attraktive Witwe intensive Zuwendung braucht, gibt er sie ihr. Doch er hätte nicht damit gerechnet, dass sie seinen körperlichen Trost nicht überlebt. Zu allem Überfluss läuft ihm auf dem Heimweg noch ein Mann ins Auto – es ist der Bruder des gefährlichsten Gangsters von Dublin, und auch er ist auf der Stelle tot. Es wird eng für Paddy, denn nun hat er eine tote Witwe und einen toten Gangster am Hals – deren Beerdigungen er auch noch ausrichten muss …. [© Text und Cover: carl's books]

[trennlinie]

Was für ein Künstlerpech: eigentlich wollte Paddy die Beerdigung des Ehemanns besprechen, und schon wird unversehens eine Doppelbeerdigung daraus. Noch bevor er sich von diesem Schock erholen kann, steht die Tochter vor der Türe. Jetzt muss der Arme ihr auch noch verkünden, dass sie beide Elternteile verloren hat. Dabei will er doch nach einem Weg suchen, zu vermeiden, dass bei der drohenden Obduktion seine, nun ja, „Spuren" gefunden werden.

Als wenn das noch nicht genug Probleme bereiten würde, läuft ihm auch noch einer der führenden Mitglieder eines gnadenlosen Gangstersyndikats vor das Auto. Paddy ist gleich klar: Unfall hin oder her, die werden ihn fertig machen. Die Straße liegt ruhig mitten in der Nacht, es ist kein Zeuge zu sehen. Also flüchtet Paddy kurzerhand und macht weiter mit seinem Alltag in der trügerischen Hoffnung, dass es nicht rauskommt. Damit nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf. 

Eigentlich steht ja schon im Titel, wie es für Paddy ausgeht. Trotzdem ist es spannend, wie es mit ihm weitergeht. Es ist ein Drahtseilakt, wenn er dem überlebenden Bruder des Unfallopfers begegnet, immer darauf achtend, ob es Anzeichen dafür gibt, dass der seine Schuld erkennt. Schließlich ist der Tod sein ständiger Begleiter, der würde ihm dann sicher auch auf schmerzhafte Weise drohen. Dabei ist Paddy ein sehr sympathischer Typ, äußerst geschätzt von den Kollegen, stets korrekt zu den Kunden und, was wir schnell merken, sehr beliebt bei den Frauen. Als Experte macht er sich aber auch Gedanken über das Ableben.

„Der Tod lässt uns über die Kürze und das Wesen des Lebens nachdenken, stirbt aber jemand in unmittelbarer Nähe, werden wir – unser Herz zuerst – vom Schmerz überwältigt und in die Tiefe gerissen; unsere bisherige Sicht auf die Welt wird uns genommen, während wir versuchen, eine neue Verbindung zu dem Leben ohne die geliebte Person, die unsterblich schien, aufzubauen." (S. 217)

Dass der Autor als einst im Bestattungsgeschäft tätig war und sich in der Branche auskennt, merkt man an vielen Details. Er nutzt das Morbide daran, um seine abstruse Geschichte mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor anzureichern. Trotz oder gerade wegen der ständigen Beschäftigung mit dem Tod ist die Geschichte sehr amüsant. Dazu passt das irische Flair mit seinen Pubs und charakteristischen Menschen. 

Persönliches Fazit

Paddys Geschichte ist mit dem zum Thema passenden schwarzen Humor flott und amüsant erzählt. Das Leben eines Bestatters kann offensichtlich sehr spannend sein. Wer auf schräge Geschichten steht, ist hier sehr gut aufgehoben.

© Rezension: 2016, Marcus Kufner 


Die letzten vier Tage des Paddy Buckley | Jeremy Massey | carl's books
Aus dem Englischen von Herbert Fell
2016, broschiert, 274 Seiten, ISBN: 9783570585559
Buch bestellen bei Amazon.de*
Buch bestellen bei Buchhandel.de

*Affiliate Link

[marcus]

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wir freuen uns, wenn ihr unsere Beiträge kommentiert, denn dadurch wird dieser Blog lebendig! Bitte habt Verständnis, dass Beiträge vorab geprüft werden, um Spam zu verhindern. Daher kann es einen Moment dauern, bis Kommentare sichtbar werden. Lieben Dank.