Goodbye 2016 - Hello 2017!

Samstag, 31. Dezember 2016 19 Kommentare


Wieder einmal neigt sich ein Jahr dem Ende zu und schon in ein paar Stunden heissen wir das Jahr 2017 herzlich willkommen. Und wieder sitze ich hier vor dem Computer und denke mir: ja wo ist es denn geblieben, das Jahr? Ich versuche mich an all die prägnanten Momente zu erinnern und statt dessen geht mir durch den Kopf, dass doch gefühlt erst vor kurzer Zeit Silvester 2016 gefeiert wurde und wo ist überhaupt der Sommer hin?

Diese Geschwindigkeit, ständiger Zeitdruck, das Hinterherhecheln der Zeit... wir schaffen es immer weniger, all die vielen schönen Momente bewusst und in Ruhe wahrzunehmen. Der Markt hat das natürlich auch erkannt und Achtsamkeitsbücher, Anti-Stress-Wellness-Programme und Yoga/ChiGong/Meditationskurse stehen hoch im Kurs. Die Sehnsucht nach diesem kleinen Moment Stillstand ist groß. Innere Ruhe und die Konzentration auf sich selbst - oft sind wir dazu kaum noch in der Lage. Mir geht es auf jeden Fall oft so, dass ich in einem doch eigentlich sehr schönen Moment des Nichtstuns plötzlich ganz unruhig werde mir die (oftmals verhasste) To-Do-Liste durch den Kopf geistert. Wie kann ich mir denn eine Auszeit gönnen, wo doch noch dies und das und jenes eigentlich schon gestern erledigt sein sollte?! Also wieder auf und weiter gehts! Schade, oder?

➤ Gute Vorsätze? Ich habe nur einen.

Auch ich habe mittlerweile eine stattliche Sammlung an Ausmalbüchern für Erwachsene zuhause und eigentlich hilft mir das ausmalen wirklich sehr. Aber der Witz ist: ich habe keine Zeit um mich für hinzusetzen. So sollte das nicht sein und DAS ist in der Tat mein Vorsatz für das kommende Jahr: UMDENKEN lernen! Wichtiges von Unwichtigem besser unterscheiden können, Aufgaben selektieren und einfach öfter NEIN sagen. Handyzeit definitiv einschränken, denn es ist erschreckend, wie viel Zeit des Tages man tatsächlich an seinem Mobilgerät verbringt. Das kann und will ich nicht mehr. Aber ich möchte dennoch auch schöne Kontakte nicht missen und werde mir daher ein Konzept ausdenken (grob), wann ich wie lange Zeit für Social Media aufwenden werde. Denn gerne das wahllos zum Gerät greifen, weil man gerade wieder dran vorbei gelaufen ist, unterbricht doch ständig den Tagesrhythmus. Verbannung ist daher das Stichwort: Das Mobilgerät wird im kommenden Jahr einfach öfter mal ausgeschaltet und in einen anderen Raum verbannt. Wenn ich es nicht sehe, dann vergesse ich es auch oft. So ist also mein Plan. Wir werden sehen, wie es klappt.

Aus weltpolitischer Sicht war das Jahr wirklich sehr bedrückend und schmerzlich und vieles hat sich tief in mir verankert. Jeder weiss es selbst und ich möchte da auch nicht mehr weiter dazu ausholen. Nur eines ist mir wichtig und kann nie oft genug gesagt werden: 

HASS IST KEINE LÖSUNG. NIE! Ich appelliere an die Menschlichkeit. Habt eine Stimme für das Gute. Schweigt nicht, auch wenn es mühselig/unbequem ist.

An dieser Stelle möchte ich an alle denken, die für ihre Überzeugung einstehen und damit so viel Gutes bewirken. Ein ganz großes Vorbild ist da Stefanie Leo (Blog: http://lesenlebenlachen.de), die sich zusammen mit ihrer Familie mit so viel Engagement, Herzlichkeit und Liebe für Integration und ein gewaltfreies Miteinander einsetzt. So wunderbar und inspirierend!

➤ Das Bloggerjahr 2016.

Ich muss gestehen, ich habe selten so wenige Bücher gelesen wie in diesem Jahr. Und diese habe ich auch nicht gezählt bisher (was ich aber auch nie wirklich für wichtig erachte). Ich lese um des Lesens willen, nicht um eine gewisse Zahl erreicht zu haben. Früher habe ich das auch im Blick gehabt, aber auch das war ein Punkt meiner persönlichen "Entstressung".
Dennoch gab es viele tolle Buchbesprechungen und Vorstellungen hier auf dem Bog, denn das Team war superfleissig. Ein ganz großes Dankeschön in die Runde!



Untätig war ich dennoch nicht, denn zum fünfjährigen Bestehen des BücherKaffees gab es in diesem Jahr ein neues Gewand für den Blog. Mit der großartigen Unterstützung von MiraDesigns wurde es heller, freundlicher und vor allem übersichtlicher hier und wir haben wert auf eine schöne Stimmigkeit gelegt. Ein Logo wurde entworfen, passende Lesezeichen entstanden und das ganze Team wagte sich vor die Linse des Fotografen. Es war viel Arbeit, die oft nur in den Abendstunden weitergeführt werden konnte - aber wir sind nun sehr zufrieden. Und hoffen, ihr seid es auch. :)
Es gibt leider immer noch so einige ältere Beiträge, die noch auf Überarbeitung warten, aber alles Schritt für Schritt.

Zum Fünfjährigen wurde ich von Karla Paul für die Thalia Stories Rubrik Karlas beste Blogger interviewt und auch Petzi durfte ich im Rahmen ihrer Buchblog-Juwelen in einem ausführlichen Interview Rede und Antwort stehen. 

➤ Das BücherKaffee unterwegs. 2 x Köln - Heidelberg - Frankfurt - München und zurück. 

So besuchte ich im Frühjahr zusammen mit Petzi von dieLiebezudenBuechern.de das Blogst BarCamp in Köln, das mich sehr inspirierte und mir einige neue Ideen mit auf den Weg gab. Ich habe keinen Bericht dazu verfasst, Petzi aber schon. Diesen möchte ich euch gerne verlinken, denn HIER erfahrt ihr fünf gute Gründe, warum man ein BarCamp oder eine Konferenz unbedingt einmal besuchen sollte.

Kurz darauf verschlug es mich auch schon ein zweites Mal nach Köln, denn die Kölner Verlage Bastei Lübbe, Kiepenheuer & Witsch, DuMont und Egmont Lyx haben zur ersten LitBlogConvention im Verlagshaus Bastei Lübbe geladen. Eine wirklich tolle Veranstaltung, die ich gerne besucht habe. Hier hat u.a. Karin von littlewords einen schönen Rückblick verfasst.

Das war aber nicht mein einziges BarCamp in diesem Jahr. Im Sommer besuchte ich ein Wochenende lang das erste Literaturcamp Heidelberg, welches mich wirklich sehr begeisterte - thematisch als auch menschlich. Ich habe dort auch meinen ersten Versuch gestartet, eine eigene Session ins Leben zu rufen und es machte wirklich große Freude. Ein so tolles Miteinander über zwei Tage und ich konnte so einiges für mich mitnehmen. Auch das Literaturcamp 2017 steht schon fest auf meinem Plan!
Wer einen Gesamteindruck vom LitCamp haben möchte, dem kann ich das Video von Who is Kafka? sehr empfehlen. 

Die Frankfurter Buchmesse kam öffnete im Oktober wieder ihre Tore und das konnte und wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Zusammen mit Marcus aus dem Team war ich von Mittwoch bis Samstag auf der Messe und gab mich der immensen Bücherflut hin. Viele schöne Treffen und Begegnungen standen auf dem Plan, diverse schon sehr liebgewonnene Rituale mit ganz tollen Blogger-Herzenensmenschen wurden gepflegt und es wurde viel gedrückt, geherzt und gelacht.


Und dennoch war ich dieses mal auch sehr froh, wieder zu Hause anzukommen. Den Messeblues vermisste ich in diesem Jahr, und ich empfand die Tage trotz der vielen schönen Gespräche und Treffen erstmals bewusst als Stress. Etwas hat sich verändert, auch in der Grundstimmung. durch Gespräche mit anderen Bloggern fand ich heraus, dass es mir da nicht alleine so erging. Nun ja, dennoch ist das Hotelzimmer für das kommende Jahr schon gesichert, vielleicht war es auch nur eine Ausnahme. Die Leipziger Buchmesse werde ich auslassen und lieber die ein und andere Veranstaltung besuchen, die sonst so das Jahr über angeboten werden. 
Einen sehr charmanten Messerückblick gibt es übrigens bei Bücherwurmloch zu lesen. 

Nach der Messe verschlug es mich dann direkt noch nach München, denn das Randomhouse Verlagshaus veranstaltete über das Wochenende die erste LitLove – das Lesefestival der Verlage Blanvalet, cbj, cbt, Diana, Goldmann, Heyne und Heyne fliegt. Ramona vom kielfeder-blog.de hat einen schönen Bericht zu dieser Veranstaltung verfasst.

Wenn ich nach München reise, dann muss ein Besuch bei der lieben Petzi natürlich drin sein und ich freute mich sehr, dass auch Ramona das Wochenende bei ihr verbrachte. Eine ganz tolle Mädelsrunde, traumhaft leckere Suppe, Gespräche bis tief in die Nacht und Burger-Essen. Es hat einfach großen Spass gemacht! Meine Herzensmädels halt. 😘

➤ Sebastians Top 20 Bücher in diesem Jahr, Wolfgangs Kolumne "Aufgelesen" und eine neue Rubrik "10 x 3 Dinge über..." 

In gewohnter Manier, kurz und kompakt, stellte Sebastian Ende November wieder seine TOP 20 Bücher vor, die ihn in den letzten zwölf Monaten besonders beeindruckt haben, gut zu lesen, spannend, anspruchsvoll oder einfach nur schön waren, kurzum die Bücher, die ihm besonders in Erinnerung geblieben sind. Ihr habt den Beitrag verpasst? HIER könnt ihr noch einmal in seinen Lesehighlights stöbern.



Auch in diesem Jahr hatte Wolfgang wieder einige Kolumnen für euch parat. Er machte sich Gedanken zu Gelesenem, zu aktuellem Geschehen und verfasste in den Kolumnen, was ihn beschäftigte. Habt ihr eine Kolumne verpasst oder seid ihr eventuell noch gar nicht auf diese Rubrik aufmerksam geworden? Dann schaut HIER vorbei!

In diesem Jahr haben wir kaum Zeit für Wohnzimmerlesungen gefunden, aber wir freuten uns dennoch sehr, dass es für eine ganz besondere Lesung gereicht hat. Ursula Poznanski und Arno Strobel gaben uns die Ehre! Es war ein wunderschöner Abend, aber lest und seht am besten selbst, HIER gibt es einen ausführlichen Bericht dazu. Im kommenden Jahr geloben wir Besserung und werden - wenn alles klappt - schon im Februar mit einer grandiosen Autorin wieder durchstarten. Stay tuned!!!

Auch unsere Lesetipps zum Sonntag kamen in diesem Jahr ganz wunderbar an, diese Rubrik werden wir auch im nächsten Jahr beibehalten und wir freuen uns, euch unsere ganz besonderen und liebgewonnenen Buchperlen vorzustellen. 

Eine neue Rubrik hat zum Ende des Jahres das Licht der Welt erblickt: Unter der Überschrift "10 x 3 Dinge über..." möchten wir euch gerne tolle Blogs aus den verschiedensten Bereichen vorstellen und haben dabei unser Augenmerk besonders auf die Personen hinter diesen schönen Blogseiten gelegt. WER schreibt denn da eigentlich, wessen Beiträge begeistern uns da immer wieder? Wir blicken hinter die Kulissen - kurz und prägnant. Den Anfang hat Petzi vom Blog dieLiebezudenBuechern.de gemacht, gefolgt von Karin vom Blog littlewords.  Beide Bloggerinterviews könnt ihr hier noch einmal HIER und HIER nachlesen. Viele weitere werden in 2017 folgen, die nächsten Interview für Januar sind schon in Arbeit. Bleibt dran!

Übrigens: der am meisten aufgerufene Beitrag in den letzten fünf Jahren ist ... der Bericht zur Pressekonferenz mit E.L. James, dieser wurde mittlerweile über 8.000 x aufgerufen. :)

 Geplantes für das neue Jahr.

Wir haben für das neue ihr schon so einiges in Planung und möchten nun neue Ideen umsetzen, die uns schon eine Weile im Kopf herumschwirren.  Es wird auch wieder vermehrt Autoreninterviews geben, denn wir haben mit Schrecken festgestellt, dass diese Rubrik in diesem Jahr eindeutig zu kurz kam. Endlich MEHR Englische Bücher lesen steht ganz oben auf meinem Plan. Und wir widmen uns zusätzlich etwas mehr unserer zweiten Leidenschaft, dem Kaffee und dem Tee. Hier wird es einiges Neues geben, u.a. natürlich auch Buchvorstellungen, aber auch Berichte über Besuche von Tee- und Kaffeeseminaren, Vorstellungen von tollen Cafés etc. Lasst euch überraschen! 




➤ Weitere Rückblicke im Bloggernetzwerk.

Lesenswerte Rückblicke mit ganz vielen Buchtipps haben u.a. geschrieben:
Die Buchbloggerin / Oh, Fitzgerald / Papiergeflüster / Bücherwurmloch / 54Books / SchöneSeiten / Buchrevier / Klappentexterin / Sounds&Books / Pinkfisch / Die Liebe zu den Büchern / Muromez / Tintenhain

➤ Weitere 10 lesenswerte Beiträge aus dem Bloggernetzwerk.

  • Vom Blog "Das Debüt" wurde in diesem Jahr erstmals der Bloggerpreis für den besten Debütroman 2016 verliehen.
  • Muromez schrieb unter der Überschrift "Ein bloggender Leser, kein lesender Blogger!" über das "müde-sein" - ein Statement, dass ich in letzter Zeit immer öfter höre in der Bloggerwelt und seine Gedanken dazu sind sehr treffend. 
  • Wo bleiben die Vermarktungsnetzwerke? Ute Nöte spricht auf Börsenblatt.net über Literaturblogs.
  • Ein neuer schockierender Trend auf Instagram. Stehlblüten schreibt: "Rechtfertigen Klicks die Mittel? Oder: Warum Bücher verbrennen nicht cool ist."
  • "Keine Anschläge & Tastaturstillstand – Ein Notruf von der Werkbank" - Ein Werkstattbericht von Jochen von lustauflesen.de 
  • "Professionalisierung von Buchlogs - 10 Schritte"- Annabel von Stehlblueten.de fasst eines der Themen des #litcamp16 zusammen. 
  • "Loslassen befreit. Auch bei Büchern" so die Klappentexterin - und damit hat sie wirklich recht. 
  • Ramona vom kielfeder-blog.de schreibt über "Die 20 schönsten Gründe, warum #ichlese"
  • Literaturnobelpreis 2016 für Bob Dylan. Sounds & Books berichtet darüber ganz wunderbar. 
  • Pinkfisch, Kapri-ziös, Die BuchbloggerinBuzzaldrins Bücher und der Kaffeeaussitzer berichten über das Lesefestival "Zürich liest 2016"
  • Was verraten eigentlich Buchcover über das deutsche Bild von anderen Ländern und Kulturen? Kuturgeschwätz nimmt das Thema unter die Lupe.

Wir wünschen euch einen guten und vor allem gesunden Start ins neue Jahr. Lasst es euch gut gehen, feiert schön und wir lesen uns ganz sicher im neuen Jahr 2017! 




[alexandra]

Aufgelesen 26: Alle Jahre wieder ...

Dienstag, 20. Dezember 2016 2 Kommentare



... ereilt uns irgendwann nach der Rückkehr aus dem Sommerurlaub und dem Seufzen über die wieder notwendig gewordenen winddichten Jacken die in Glühweinschwaden eingewobene Erkenntnis, daß es nicht mehr lange bis zum Weihnachtsfest ist. Daß noch Geschenke besorgt und verpackt, Glückwunschkarten geschrieben, Jahresrückblicke getätigt, Kekse gebacken, Weihnachtsfeiern organisiert, Kinderprogramme organisiert werden müssen und mit Engelsgeduld auf jene Anliegen eingegangen werden soll, die mit einer Vehemenz vorgetragen werden, als fiele das Jahresende diesmal mit dem Ende der Welt zusammen.

Wennn dann die Slalomläufe zwischen Punschständen und mit Einkäufen überladenen Mitmenschen in Bestzeit absolviert sind und es als Form religiösen Leistungssports gewertet wird, trotz Dauerbeschallung und permanenter polarlichtartiger Beleuchtung bei klarem Verstand zu bleiben, steht die größte Herausforderung noch bevor: Innere Einkehr zu finden. Nicht nur zur Besinnung, sondern auch zur Besinnlichkeit zu kommen.




Immerhin handelt es sich um die sogenannte stillste Zeit im Jahr. Irgendwann verklingt aber dann der hartnäckige gesellschaftliche Imperativ, und mit der jahreszeitlichen Kälte kommt die tatsächliche Stille.

Die Lichter sind spärlich, der Atem gefriert zu Rauchschwaden, und das arachaische Bedürfnis nach einem wärmenden Lagerfeuer schält sich zwischen den in sich zusammenfallenden Reklameversprechen hervor. Nach einem wärmenden Feuer, dessen sich niemals verbrauchende Scheite die Erinnerungen an jene Tage sind, da die Welt noch in kurzen Sätze ohne Beistrich erklärbar war. Melodien und Gerüche tragen Gefühle, wecken den Wunsch nach einem Schneckenhaus, in dem es warm ist, und das die Welt in ein Draußen und Drinnen unterscheidet. Nur ganz kurz, nur für ein paar Momente. Im Rückblick verlieren schlimme Erlebnisse ihren Schrecken, angeneme werden mit einem besonderen Glanz verziert. Die heilende Funktion des Gedächnisses erzeugt das, was die "gute alte Zeit" genannt wird.
Ja, das von uns wahrgenommene Spektrum des Geschehens hat sich tatsächlich mit einer Geschwindkeit erweitert, mit der die Möglichkeiten unserer mentalen Verarbeitung nicht mithalten können. 

Nicht mehr nur die Nachbarschaft, sondern per Knopfdruck die ganze Welt nimmt in unserem Wohnzimmer Platz.

Ungefiltert und ungewichtet steht die Naturkatastrophe neben der Scheidung eines prominenten Paares neben den aktuellen Angeboten des Möbeldiskonters.   Zusammenhänge werden zu einem gordischen Knoten aus Partikularinteressen und bewußt geschürten Emotionen. Erfolgreiche Politiker agieren in der Perfektion der Ablekung immer mehr wie Illusionisten.

Wir stoßen an unsere kognitiven Grenzen, sind nicht mehr in der Lage, alle Konsequenzen der wie Regentropfen auf uns einprasselnden Informationshappen zu erfassen. Wir sehnen uns nach dem Einfachen, der in der Vergangenheit verorteten heilen Welt. Und finden es in den Geschichten, die die Zeit unserer Kindheit wiederaufleben lassen, wie das Angebot jener Händler zeigt, auf deren Ladentisch die Nostalgie feilgeboten wird.

Unter ihnen zu finden ist das bayerische Autorenduo Volker Klüpfel und Michael Kobr, die mit In der ersten Reihe sieht man Meer* nostalgische Urlaubsgesfühle wiederaufleben lassen. In vielen deutschen und österreichischen Familien gehörte die alljährliche Reise nach Italien beinahe zur Bürgerpflicht. Von Grenzbeamten als gefürchtete Autoritätsfiguren über die Spielhöllen, in denen die Jetons noch in Lire zu bezahlen waren, bis hin zu bauchlädenbewehrten Verkäufern von Markenuhren zweifelhafter Herkunft ... die Autoren entringen dem flashbackgebeutelten Leser einen Seufzer nach dem anderen. 

Der zentrale Unterschied zwischen den 1980ern und der Gegenwart besteht jedoch in der Kommunikationstechnologie - genauer: deren Abwesenheit.

Wer erinnert sich noch an die Warteschlangen vor den Telephonzellen, ehe man sich mit den Daheimgebliebenen über das Wetter austauschen konnte? Oder das Gefühl erleichterten Aufatmens, wenn man nach zweiwöchiger Isolation von Zeitungen und Nachrichten feststellt ... daß man eigentlich nichts versäumt hat ...

Obgleich kein Freund von Hörspielen, genoß ich vor kurzem Monster 1983, eine Eigenproduktion von Audible - und fand mich in einer amerikanischen Kleinstadt (natürlich mit Sherriff und Deputies) wieder, in der eine Vielzahl von Klischees bedient wurde, um die Stimmung der Filme aus den 80ern zu erzeugen. Michael Jackson tanzt den Moonwalk und klingt aus den Kopfhörern der Walkmen, Buben erkunden mit ihren BMX die Wälder um den See, und im Diner werden suppentellergroße Hamburger serviert. Von der Qualität der Nahrungsmittel in vergangenen Jahrzehnten schwärmte ja bereits Stephen King, der in Der Anschlag* lustvoll in der Vergangenheit grub. Und das 30-Jahr-Jubiläum der Zurück in die Zukunft*-Filme wurde als Reise in das Jahrzehnt von Huey Lewis & the News begangen.

Aber a propos Italien: Das vorzugsweise mit Spaghetti und Lambrusco induzierte Dolce Vita-Gefühl wird derzeit ja wieder von Musikern wie Al Bano & Romina Power und Umberto Tozzi beschworen, die von einer Schlager-Show zur nächsten gereicht werden. Auch wenn wir ihre Texte immer noch nicht verstehen, erinnern sie uns an den Sonnenuntergang eines längst vergangenen Urlaubstages ...

Eine wahre Renaissance feiert der bis vor kurzem noch verpönte Begriff der Heimat. Trachten von Dirndl bis Lederhose sind im urbanen Umfeld nichts Ungewöhnliches mehr, wir definieren die Zugehörigkeit zu einer Gruppe anhand von regional gebräuchlichen Kodizes. Ist es die Suche nach Bestätigung der eigenen Identität? Ist es die Abgrenzung gegenüber dem sogenannten Fremden? Andreas Gabalier erzeugt ein heimatfilmartiges Heidi-Idyll, das keiner Überprüfung standhält. Wenn er in München "Jo jo, des Steirerland ..." ins Publikum schmettert und die vielstimmige Antwort "... des is mei Heimatland!" tönt, dann wird das wohl nur auf eine Minderheit der 70.000 Besucher des Olympia-Stations zutreffen.

Was hat es also mit der Beschwörung der "guten alten Zeit" und des Heimatgefühls auf sich? Es wäre wohl zu einfach, sie als bloße Modeerscheinung abzutun. Vielmehr dürfte sie Ausdruck eines tief verwurzelten Bedürfnisses nach Beständigkeit, Stabilität, ja sogar Identität sein, wo die sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht mehr automatisch dafür garantieren. Wir genießen es doch, von Zeit zu Zeit uns am Lagerfeuer der Erinnerung zu wärmen und alles andere für den Moment auszublenden. So lange wir jenen kleinen Bereich, der vom Schein dieses Herdfeuers ausgeleuchtet wird, nicht mit der Welt gleichsetzen, in der wir uns Tag für Tag bewegen, werden wir auch gestärkt dahin zurückkehren.

Somit wünsche ich ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest mit vielen erhellenden, erwärmenden Momenten. Möget ihr Gelegenheit, es mit lieben Menschen und spannenden Büchern zu verbringen. Ich freue mich auf ein Wiedersehen und - lesen im nächsten Jahr!

Wolfgang Brandner






Bildmaterial: http://kaboompics.com
Links zu Buchtiteln: Affiliate Links
[wolfgang]

10x3 Dinge über ... Karin vom Blog LITTLE WORDS

Sonntag, 18. Dezember 2016 0 Kommentare

Wir möchten euch gerne tolle Blogs aus den verschiedensten Bereichen vorstellen und haben dabei unser Augenmerk besonders auf die Personen hinter diesen schönen Blogseiten gelegt. WER schreibt denn da eigentlich, wessen Beiträge begeistern uns da immer wieder? Wir blicken hinter die Kulissen - kurz und prägnant.  Wir freuen uns sehr, dass sich Karin vom Blog LITTLE WORDS der Herausforderung gestellt und unsere  > 10x3 Dinge über... <  beantwortet hat.



Karin befasst sich auf Ihrem Blog mit Büchern aus den verschiedensten Genres. Sie liest gerne Gegenwartsliteratur, begeistert sich aber auch sehr für Klassiker, Young Adult und ab und an auch Science Fiction oder Fantasy. Bücher sind ihre Leidenschaft und ihre Inspirationsquelle und sie hofft, in naher Zukunft ihr Hobby auch zum Beruf machen zu können.  Ausserdem macht sie ganz wunderbare und inspirierende Fotografien zu den Büchern, die sie vorstellt. Schaut euch einmal in Ruhe auf ihrem Blog um, es lohnt sich wirklich sehr! Social Media: Twitter | Instagram | Google+

© Karin / Blog LITTE WORDS





3 Eigenschaften, die dich besonders gut beschreiben

Begeisterungsfähig (besonders wenn es um Literatur geht), organisiert (und trotzdem auch) tollpatschig

3 Romane, die dir in diesem Jahr gut gefallen haben

➝  „Loney“ von Andrew Michael Hurley
➝  “The Girls” von Emma Cline
➝  “Die vier Jahreszeiten des Sommers” von Gregoire Delacourt

3 Sach-/Fach-/Hobbybücher, die dich überzeugten und großen Mehrwert für dich hatten

"Das Buch vom Meer…“ von Morten A. Stroksnes
„Less is more“ von Francine Jay
„Die Expedition“ von Bei Uusma

3 Filme/Serien, die du gerne geschaut hast/gerne schaust

➝ „Supernatural“ (Serie)
➝ „Midnight in Paris“(Film)
➝ „Ein ganzes halbes Jahr” (Film)

3 Songs von deiner Lieblingsplaylist

(Oh, das ist schwer, sich da nur auf drei zu begrenzen…)
➝  „Fake it“ von Bastille
➝  „Be somebody“ von Kings of Leon
➝  “Skeletons” von James Arthur

3 Blogs, deren Posts dich besonders inspirieren

➝ Mode: http://www.journelles.de/ (Journelles)
➝ Bücher: fruehlingsmaerchen.wordpress.com (Frühlingsmärchen)
➝ Bücher: kaffeehaussitzer.de (Kaffeeaussitzer)

3 Insta-/Pinterest-Accounts, denen du mit Begeisterung folgst

➝  @juniperbooks

3 Länder, die du gerne bereisen möchtest

England , Irland , Dänemark

3 Dinge, die du unbedingt einmal ausprobieren/tun möchtest

Da fällt mir jetzt leider so ganz spontan nichts ein, außer am liebsten eine eigene Buchhandlung oder einen Verlag eröffnen / gründen.
 

3 Fotos aus deinem (Blogger)Leben...







[alexandra]

Unsere Geschenkidee: das Buch `Briefe vom Weihnachtsmann` von J.R.R. Tolkien

Samstag, 17. Dezember 2016 0 Kommentare

Die Briefe vom Weihnachtsmann zeigen den Autor J.R.R. Tolkien von seiner gemütvollsten Seite. Der Familienvater hat diese heiteren, atmosphärisch dichten Geschichten eigens für seine Kinder erfunden.



Jedes Jahr im Dezember traf für Tolkiens Kinder ein Umschlag mit einer Briefmarke vom Nordpol ein. Er enthielt einen handgeschriebenen Brief und eine schöne farbig ausgestaltete Zeichnung oder Skizzen.
Die Briefe kamen vom Weihnachtsmann und erzählten wunderbare Geschichten vom Leben am Nordpol: davon, wie sich auf einmal alle Rentiere losgerissen hatten und wild herumsprangen, wie der Polarbär auf die Spitze des Nordpols kletterte, um die Zipfelmütze des Weihnachtsmannes zu holen und schließlich durch das Hausdach vom Weihnachtsmann mitten ins Eßzimmer fiel …
[Text & Cover: © Klett Cotta Velag]

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Ihr seid auf der Suche nach einem ganz besonderen Weihnachtsbuch, dass Kinder und Erwachsene gleichermassen begeistern kann? Dann solltet ihr euch dieses wunderbare Werk unbedingt genauer anschauen. 

Das Buch „Briefe vom Weihnachtsmann“ besteht aus den Briefen J.R.R. Tolkiens, die er von 1920 bis 1942 als Father Christmas regelmäßig an seine Kinder geschickt hat. Die Briefe waren auch immer mit einer Briefmarke vom Nordpol versehen und meist in einer sehr krakeligen Schrift verfasst (Father Christmas hat ja auch sehr, sehr viel zu tun zu dieser Zeit des Jahres ). Mal sind die Briefe nur ganz kurz, mal ausführlich und sehr phantastisch, denn der Weihnachtsmann berichtet von seinen Erlebnissen am Nordpol. Oft sind auch Zeichnungen mit dabei, die auch von Tolkien selbst angefertigt wurden. Die Briefe und auch die Zeichnungen sind natürlich meist mit abgebildet und man kann so zudem auch sehr gut den Original englischen Text lesen. 

Die Briefe waren ursprünglich nicht zur Publikation bestimmt, sie wurden aber nach Tolkiens Tod von seiner Schwiegertochter Baillie Tolkien, der Frau Christopher Tolkiens, herausgegeben und 1976 in Buchform veröffentlicht. Diese gebundene Ausgabe ist heute nur antiquarisch erhältlich. [Quelle: Wikipedia]




Die jetzt verfügbare Ausgabe enthält aber dafür als durchgesehene und erweiterte Ausgabe erstmals Briefe und Briefteile sowie Bilder, die in der Originalausgabe von 1976 fehlten.

Die Briefe werden auch als Hörbuch angeboten. Ich empfehle hier auf geschriebene Wort denn mein Bauchgefühl sagt mir, dass das Hörbuch diesen besonderen Zauber, den das Buch ausstrahlt, nicht so wiedergeben kann. Es macht wirklich große Freude, die abgebildeten Briefe und Zeichnungen anzuschauen. 

Für mich ist „Briefe vom Weihnachtsmann“ wahrlich zu einer ganz besonderen Weihnachts-Buchperle geworden, die ich in meinem Regal nicht mehr missen möchte. Hier spiegelt sich der wahre Zauber der Weihnacht wider und ich freute mich mit jedem Brief, den ich las, richtiggehend mit - ganz als hätte ich diesen gerade selbst im Briefkasten vorgefunden. Ein Buch, gefüllt mit der Phantasie eines begnadeten Schriftstellers und liebevollen Vaters, dass zu jeder Advents-und Weihnachtszeit wieder aufs Neue begeistern und unterhalten wird. Und wer weiß, vielleicht verlockt es auch dazu, selbst einmal zum Stift zu greifen…




© 2016, Alexandra Zylenas


Briefe vom Weihnachtsmann | J.R.R. Tolkien | Klett Cotta Verlag
Herausgegeben von Baillie Tolkien
Aus dem Englischen von Anja Hegemann und Hannes Riffel (Orig.: Letters from Father Christmas)
1. Aufl. 2016, 192 Seiten, broschiert, durchgängig vierfarbig illustriert, Fadenhaftung | ISBN: 978-3-608-96036-5
Buch bestellen bei Amazon.de*


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[alexandra]

Unsere Geschenkidee: Ein Junge namens Weihnacht | Matt Haig

Donnerstag, 15. Dezember 2016 2 Kommentare

Die absolut wahre Geschichte des Weihnachtsmanns.

Wie war das eigentlich, als der Weihnachtsmann noch ein Junge war? Er hieß Nikolas, wuchs in großer Armut mitten in Finnland in einer kleinen Holzhütte auf – und dies ist seine wahre Geschichte. Der elfjährige Nikolas begibt sich allein auf eine gefährliche Reise an den Nordpol, um seinen Vater zu finden. Er besteht haarsträubende Abenteuer, begegnet fliegenden Rentieren, einer Elfe, einem gewalttätigen Troll – und er stellt fest: Wichtel gibt es wirklich! In ihm reift ein Entschluss: Er will die Welt zu einem glücklicheren Ort machen. Wie er dieses Ziel erreicht und wie er dabei zum Weihnachtsmann wird – das verrät dieses Buch. [© Text und Cover: dtv Verlag

[trennlinie] 
Eigentlich bin ich so gar nicht der richtige Adressat für eine Weihnachtsgeschichte, vor allem wenn das Cover auch noch mit so viel Glitzer daherkommt. Aber eigentlich sieht das Bild auf dem Umschlag richtig gut aus, und eine Geschichte von Matt Haig? Dem gebe ich auf jeden Fall eine Chance. Eine gute Entscheidung!


Tatsächlich kenne ich den Weihnachtsmann auch nur als gemütlichen älteren Mann, der am Nordpol wohnt und zu Weihnachten Geschenke ausfährt. Wie es dazu kam erfahren wir in diesem Buch. 

„Nikolas und sein Vater lebten zusammen in einem Häuschen. Es war das zweitkleinste Haus in ganz Finnland. Es gab nur ein Zimmer." (S. 26) 

Eines Tages begibt sich Nikolas Vater auf eine Expedition, und seine Schwester kommt, um auf den Jungen aufzupassen. Sie ist aber leider eine ziemlich böse Tante und Nikolas trifft den Entschluss, abzuhauen und seinen Vater zu suchen. Der ist unterwegs, um Beweise zu finden, dass es Wichtel wirklich gibt. Nikolas kämpft gegen Hunger und Kälte, gut, dass er tierische Freunde hat, die ihm eine große Hilfe sind auf seiner abenteuerlichen Reise. 

Matt Haig erzählt mal witzig, mal traurig von Nikolas' Weg. Schon wie die Tante mit ihm umgeht weckt bei mir Emotionen (wie kann man nur so fies sein?). Bei den Wichteln trifft er dann auf Vorurteile gegenüber Fremden, aber auch auf Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Das sind Themen, die leider immer noch aktuell sind. Einfache Lösungen wie Abschottung und Ausgrenzung schüren nur Angst und Misstrauen. Gutmütigkeit und Vertrauen können nun mal missbraucht werden, aber sind nun mal wichtig für ein funktionierendes Miteinander. Das passt natürlich ganz besonders zu Weihnachten, sollte aber immer ein Thema sein. 

Persönliches Fazit 

Ein rundum gelungenes Weihnachtsbuch. Emotional aber auch humorvoll beschreibt Matt Haig das Reise von Niklas in den hohen Norden. Die vielen Illustrationen von Chris Mould passen hervorragend zum Text und verstärken die Stimmung der Geschichte. Ein ideales Weihnachtsgeschenk für Jung und Alt! 

© Rezension: 2016, Marcus Kufner

Ein Junge namens Weihnacht | Matt Haig | dtv Verlag
Mit Illustrationen von Chris Mould - Deutsch von Sophie Zeitz
2016, gebunden, 272 Seiten, ISBN: 9783423280884
Buch bestellen bei Amazon.de*


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[marcus]

Hörbuch-Rezension. Fremd | Ursula Poznanski & Arno Strobel

Mittwoch, 14. Dezember 2016 0 Kommentare

Leider nur zu Beginn vielversprechend...

Stell dir vor, du bist allein zu Haus. Plötzlich steht ein Mann vor dir. Er behauptet, dein Lebensgefährte zu sein. Aber du hast keine Ahnung, wer er ist. Und nichts in deinem Zuhause deutet darauf hin, dass jemand bei dir wohnt. Er redet auf dich ein, dass du doch bitte zur Vernunft kommen sollst. Du hast Angst. Und du verspürst diesen unwiderstehlichen Drang, dich zu wehren. Ein Messer zu nehmen. Bist du verrückt geworden?
Stell dir vor, du kommst nach Hause, und deine Frau erkennt dich nicht. Sie hält dich für einen Einbrecher. Schlimmer noch, für einen Vergewaltiger. Dabei willst du sie doch nur beschützen. Aber sie wehrt sich, sie verbarrikadiert sich. Behauptet, dich niemals zuvor gesehen zu haben. Sie hält dich offensichtlich für verrückt. Bist du es womöglich?
Eine Frau. Ein Mann. Je mehr sie die Situation zu verstehen versuchen, desto verwirrender wird sie. Bald müssen sie erkennen, dass sie in Gefahr sind. In tödlicher Gefahr. Und es gibt nur eine Rettung: Sie müssen einander vertrauen... [Text + Cover: Argon Verlag]

[trennlinie]

Zwei erfahrene Thrillerautoren widmen sich gemeinsam einer Geschichte und beleuchten diese aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Eine Form der kreativen Arbeitsteilung also, so, als würden ein Thrillerautor und ein Pathologe kooperieren. Beide sind auf ihre ganz eigene Weise versiert, die eine mit mystisch angehauchten Jugend- und Regionalkrimis, der andere mit Figuren, die sich ihrer selbst nicht mehr sicher sind. Aber stacheln diese beiden Erzählexperten sich nun gegenseitig zu Höchstleistungen an, oder sabotieren sie einander in bester Absicht?

Zumindest die Ausgangssituation ist vielversprechend: Eine junge Frau trifft in ihrer Wohnung einen ihr Unbekannten, der eine gemeinsame Vergangenheit beschwört, an die sie sich nicht erinnern kann. Seine Geschichte klingt plausibel, doch er kann sie nicht beweisen, denn es finden sich weder seine Zahnbürste im Badezimmer noch seine Socken in der Kommode. Dem Leser ist also klar, daß er zumindest mit einem sogenannten unzuverlässigen Erzähler konfrontiert ist. Aber welcher von beiden ist es, Joana oder Erik? Wessen Version ist die wahre? Oder darf am Ende keinem der beiden vertraut werden? Immerhin wird abwechselnd in erster Person erzählt, eine neutrale Sicht von außen wird geschickterweise bewußt vorenthalten. Während somit auf lange Sicht die Umstände dieses fundamentalen Auffassungsunterschiedes aufzuklären sind, müssen die beiden für den Moment dazu bewegt werden, einander zu vertrauen. Und das bewerkstelligt man am wirkungsvollsten durch eine Bedrohung von außen.

Ziemlich rasch wird die Aufmerksamkeit auf Ungereimtheiten an Eriks Arbeitsplatz gelenkt, wo ihm als Leiter der IT-Abteilung mit fadenscheinigen Argumenten die Mitwirkung an einem streng geheimen Projekt vorenthalten wird. Sein Vorgesetzter ist in dubiose Machenschaften verstrickt, und auch die Loyalität der gemeinsamen Freunde von Joana und Erik darf lustvoll rätselnd bezweifelt werden. An diesem Punkt in der Entwicklung des Plots fühlten sich die beiden Autoren vermutlich wie Hänsel und Gretel, die sich in einen Wald aus Erzählelementen mit hohem Spannungspotential gewagt hatten und nun einen möglichst plausiblen Ausweg finden mußten. Verständlicherweise keine leichte Aufgabe, und so spielen Poznanski und Strobel zunächst auf Zeit. Handlungsmuster beginnen sich zu wiederholen, immer wieder wird das gegenseitige Vertrauen der beiden Protagonisten erschüttert und muß neu aufgebaut werden, immer fadenscheiniger werden die Vorwände, sich nicht an die Polizei zu wenden.

Schließlich wird der Erklärungsbedarf so akut, daß die Autoren sich zur Ablenkung in spektakuläre Action flüchten. Am Münchener Hauptbahnhof detoniert eine Bombe und sprengt damit auch den Rahmen der Geschichte. Plötzlich wird der Kontext von möglicher Betriebsspionage im Hochtechnologiebereich hin zu brachialem Terrorismus verschoben. Vielleicht setzen die Autoren darauf, durch die derzeitige mediale Berichterstattung fundamentalistisch motivierte Anschläge als Stereotyp für eine nicht mehr steigerbare Bedrohung nutzen zu können, vielleicht war der Zeitdruck zur Veröffentlichung des Buches schon spürbar, jedenfalls entsteht der Eindruck eines schmerzhaften Stilbruchs zum Zwecke der Simplifizierung. Die Auflösung der Geschichte erinnert schließlich an die vielköpfige Hydra aus der griechischen Mythologie, der für einen abgeschlagenen Kopf zwei neue nachwachsen. Die grundsätzliche Frage, wie Joanna ihren Verlobten für einen Fremden hält, wird zwar beantwortet, dafür werden neue Ungereimtheiten aufgeworfen. Schließlich werden die Ereignisse in einem entbehrlichen Epilog als Teil einer deutschnationalen Verschwörung entlarvt ... was von der argumentativen Qualität mit der Faust vergleichbar ist, mit der zur Beendigung eines Gesprächs auf den Tisch geschlagen wird.

Der Roman "Fremd" wird abwechselnd von den beiden Hauptfiguren aus ihrer jeweiligen Sicht erzählt. Jeder der beiden spricht mit seiner eigenen Stimme, die Rollenverteilung zwischen Poznanski und Strobel als Autorin und Autor ist ideal geglückt. In der Hörbuchfassung werden diese Stimmen tatsächlich hörbar, die Unterscheidung somit noch deutlicher, die Figuren schärfer gegeneinander abgegrenzt. Wo jedoch Christiane Marx die Ängste, Zweifel und oft auch irrationalen Entscheidungen der ihr zugewiesenen Joana mit Leben erfüllt, scheint Sascha Rothermund die Perspektive nicht zu liegen. Seine angenehm unaufdringliche Erzählweise ist ein Vergnügen, wenn komplexe Zusammenhänge enthüllt werden. Rothermund ist definitiv eine der besten Stimmen für Romane aus der Vogelperspektive, einer einzelnen aus der eigenen Sicht erzählenden Figur vermag er jedoch nicht ausreichend Emotion zu verleihen.

Persönliches Fazit

Der Funken eine vielversprechenden Idee vermochte bei den Autoren leider kein Begeisterungsfeuer zu entfachen, zu unmotiviert wirken die Wiederholungen in der Handlung, zu erzwungen die Auflösung.

(c) Rezension 2015, Wolfgang Brandner


Fremd | Ursula Poznanski | Arno Strobel
Argon Hörbuch | 30. Oktober 2015 | ISBN: 978-3-8398-1433-8
7 Stunden, 6 CDs | Autorisierte Lesefassung | Sprecher: Sascha Rothermund, Christiane Marx
Hörbuch bestellen bei Amazon.de*
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[wolfgang]

Rezension: Das Geheimnis der großen Schwerter 1: Der Drachenbeinthron | Tad Williams

Montag, 12. Dezember 2016 5 Kommentare

Klassische Fantasy im epischen Stil.




Der betagte König Johan liegt im Sterben, und um die Thronfolge entbrennt ein hinterhältiger Kampf unter seinen Söhnen Elias und Josuah. Der Küchenjunge Simon,wegen seiner Zerstreutheit auch Mondkalb genannt, gerät mitten in die Auseinandersetzungen um die Herrschaft über Osten Ard. Welche Ziele verfolgen aber die geheimnisvollen Elbenvölker der Nornen und Sithi, denen einst das Land gehörte? [© Text und Cover: Klett-Cotta Verlag

[trennlinie] 

Im März erscheint mit „Das Herz der verlorenen Dinge" ein neues Buch von Tad Williams, das in der Fantasywelt von Osten Ard spielt. Anlass für mich, in die Saga der großen Schwerter einzutauchen. Mit 976 Seiten ist schon dieser erste von den bisher erschienen vier Bänden ein echtes Schwergewicht. 

Solange der weise und angesehene König Johan noch lebt, ist es friedlich in der Welt von Osten Ard. Das ändert sich schnell nach seinem Tod, als sein ältester Sohn Elias den Thron erbt. Unter Einfluss fremder Kräfte wendet er sich gegen jeden, der seine Macht gefährden könnte und bringt den Frieden im Land ins Wanken. Es sind nicht nur die Menschen, die in Aufruhr geraten. Es deutet sich an, dass sich auch Völker und Wesen regen, die eigentlich nur noch in alten Legenden bekannt sind. 

Der größte Teil des Buchs dreht sich um den vierzehnjährigen Simon, den wir auf ein großes Abenteuer begleiten. Als Waise wächst er unter Aufsicht der Küchenmägde auf, langweilt sich aber bei seinen Hilfsaufgaben und streunt am liebsten durch die Burg. Auf diesen Streifzügen sieht und hört er so einiges von den Vorgängen unter den Regierenden, und ehe er sich versieht, findet er sich auf der Flucht vor den Schergen des neuen Königs. Eine Reise voller Entbehrungen und feindlicher aber auch freundlicher Begegnungen beginnt. 

„Die Morgensonne des vierundzwanzigsten Tages im Maiamonat strahlte auf Hernysadharc hinunter und verwandelte die goldene Scheibe auf der Spitze des höchsten Daches des Taig in einen Reif aus blitzender Flamme." (S. 551) 

„Das Geheimnis der großen Schwerter" bietet klassische Fantasy, wobei sich der menschliche Teil der Welt an unsere anlehnt. Nicht nur die Monatsnamen sind ähnlich, die vorherrschende Religion gleicht sehr dem Christentum. Statt dem Kreuzzeichen gibt es das Zeichen des Baumes, denn das Äquivalent von Jesus wurde an einem Baum hingerichtet. Und wer an den einen Gott nicht glaubt, gilt als Heide. Die Burgen, die Armeen und die Monarchie erinnern mich in vielen Bereichen an das Mittelalter, angereichert allerdings mit Fantasiewesen und Völkern, die nicht menschlich sind. 

Tad Williams lässt sich viel Zeit beim Erschaffen seines Fantasyreichs. Das erste Buch der Saga der großen Schwerter ist nicht allzu temporeich. Gerade dies lässt mich jedoch wunderbar eintauchen in diese detailreiche und nachvollziehbare Welt. Die Handlungsstränge werden dabei nie zu komplex, so dass ich den Überblick nicht verliere. Und Simon ist ein unfreiwilliger Held, den ich gerne begleite und mit ihm leide und hoffe auf seiner schicksalhaften und gefahrvollen Reise. 

Persönliches Fazit 

Der erste Band von „Das Geheimnis der großen Schwerter" führt mich in ruhigem Tempo in die detailreiche Welt von Osten Ard ein. Etwas mehr Action hätte ich mir zwar gewünscht, trotzdem konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, denn die Reise von Simon in einer sich dramatisch verändernden Welt ist spannend und verspricht auch für die Folgebände beste Fantasyunterhaltung. 

© Rezension: 2016, Marcus Kufner 


Aus dem Amerikanischen von Verena C. Harksen 
2014, gebunden, 976 Seiten, ISBN: 9783608938661 


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[marcus]

Unser Geschenkidee für Verliebte: das Buch `Schreiben Sie mir, oder ich sterbe`

Sonntag, 11. Dezember 2016 2 Kommentare

Die bewegendsten Liebesbriefe berühmter Frauen und Männer 


In Liebesbriefen finden Sehnsucht, Treue, Verwirrung und Verzweiflung ihren unmittelbaren Ausdruck, oft entstehen literarische Meisterwerke daraus. Dieser hochwertig ausgestattete Band erzählt die Geschichten der Liebenden in Wort und Bild und versammelt Briefe u.a. von Johann Wolfgang von Goethe, Marlene Dietrich, Edith Piaf, Oscar Wilde und Virginia Woolf.
Von großen Gefühlen in großen Worten. In ihren Briefen werden Berühmtheiten zu Menschen [Text & Cover: © Piper Velag]

[trennlinie]

„Es gibt kein Land auf Erden, in dem nicht die Liebe Verliebte zu Dichtern macht.“
   Voltaire 

Kaum etwas auf der Welt bewegt unser Herz so sehr wie ein in Worte gefasstes Liebesgeständnis – umso mehr, wenn es handgeschrieben ist, auf einem Blatt Papier und in einem schönen Kuvert, das wir voller Spannung und Ungeduld aufreißen. Auch im Zeitalter von E-Mails und SMS hat der Liebesbrief nichts von seinem Zauber verloren. 

Mit diesen Sätzen aus dem Vorwort ist mir schon aus dem Herzen gesprochen, denn ich liebe handgeschriebene Briefe. Ich freue mich über jeden einzelnen Brief, der in meinen Briefkasten flattert, wie ein kleines Kind - vor allem in unserer heutigen stressigen Zeit, in der so viel Kommunikation über das Internet abläuft. Der Zauber ist auch heute noch vorhanden. 




Habt ihr schon einmal einen Liebesbrief bekommen? Besitzt ihr diesen noch? Sicher, oder? Ich hebe alle Briefe und Karten immer auf und sammle sie in einer schönen Kiste und in besonderen Momenten öffne ich diese und lese und stöbere in diesen Briefen. Das löst immer Glücksgefühle aus und macht große Freude. Bei Liebesbriefen liegt da natürlich noch einmal mehr ein besonderer Zauber darüber. Liebe vergeht … Liebesbriefe sind unsterblich. 

Dieses wahrlich bezaubernde Werk besteht aus Liebesbriefen berühmter Frauen und Männer zweier Jahrhunderten wie z.B. Kafka, Churchill, Marie Curie, Virginia Woolf, Tucholsky, Brecht, Oskar Wilde, Romy Schneider und viele mehr und vereint wirklich alles, was Liebende durchleben: Sehnsucht, Verzweiflung, pulsierende Leidenschaft, Poesie, Romantik, Tragik, Glück und Freude. 

„Dies Leben pulsiert mit Sonnenschein und Seligkeit, grenzenlos.“
    Katherine Mansfield an Garnet Trowell

Die Liebesbriefe sind zum Teil im Original mit abgedruckt, was einen authentischen Einblick in die jeweilige Zeit verleiht. Fotografien und / oder zeitgenössische Gemälde der Liebenden und viele Hintergrundinformationen (in einer anderen Schriftfarbe gehalten) runden jeden der Briefe gekonnt ab. Ein ausführliches Quellenverzeichnis bietet zudem die Möglichkeit, sich ausführlicher einzulesen, wenn man denn möchte. Dieses Geschenkband ist hochwertig gebunden und mit Lesebändchen versehen und macht optisch als auch inhaltlich richtig viel her. 

„Was für Nächte verbringe ich in Deinen Armen… Ohne Unterlass rufe ich in mein Gedächtnis Deine Küsse, Deine Träume, Deine liebenswürdige Eifersucht zurück.“
    Napoleon im Juli 1796 an Josephine

Liebesgeschichten, die das Leben geschrieben hat. Ein Werk, in dem man immer wieder blättern, schwelgen und sich einlesen kann. Briefe, die emotional berühren und die man einfach auf sich wirken lassen muss. Mir macht es immer wieder große Freude, das Buch zur Hand zu nehmen und ich bin mir sicher, dass es eine ganz wunderbare Geschenkidee für verliebte Paare ist, die das geschriebene Wort lieben. Ein positiver Nebeneffekt setzt auch unmittelbar ein: man möchte direkt zum Füller greifen und losschreiben! 
In einer Welt voller Emails und Kurznachrichten ist das doch ganz wunderbar, oder? 


© 2016, Alexandra Zylenas

Schreiben Sie mir oder ich sterbe - Liebesbriefe berühmter Frauen und Männer | Piper Verlag
Herausgegeben von Petra Müller und Rainer Wieland
2016, HC, 296 Seiten, ISBN 978-3-492-05794-3
Buch bestellen bei Amazon.de*


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[alexandra]

Rezension: Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer | Mario Fesler

4 Kommentare


Das Leben macht es der dreizehnjährigen Lizzy nicht leicht: ein Körper, der tut, was er will, Eltern, die nichts kapieren, und Klassenkameraden, die abfällig auf sie und ihre beste Freundin Kristine herabgucken. Da macht das anstehende Schulfest die Laune nicht besser – denn da darf sie garantiert eh wieder nur die Gläser spülen. Als sie diesen Gedanken im falschen Moment laut ausspricht, hat sie plötzlich ihre eigene Projektgruppe mit allen Außenseitern der Unterstufe am Hacken. Doch schon bald stellt sie fest: Wenn so ein „Klub der Verlierer“ erst mal in Fahrt kommt, ist die Niederlage nicht so vorprogrammiert, wie alle denken … [Text & Cover: © Magellan Verlag]

[trennlinie]

Lizzy lässt uns eintauchen in ihre Gefühls- und Gedankenwelt, in ihren Alltag und Kampf mit sich und ihrer Welt. Für mich als Erwachsene spannend. Ein Rückblick in die eigene Teeniewelt und auch als Spiegel der heutigen Zeit.

Lizzy erzählt von ihrem Alltag und ihrem Kampf ums „Überleben“ in der Schule. Eine Geschichte aus dem wahren Leben. Pubertät, Freundschaften - Teenies haben es nicht leicht, egal in welchem Zeitalter. Egal ob Außenseiter wie Lizzy oder auch die sogenannten Idole der Schule, Teenie ist Teenie. Sich selbst und seinen Platz im Leben zu finden, sich zu behaupten und nicht zu ducken, ist nicht einfach und erfordert viel Mut. Mut den auch Lizzy aufbringen muss. Mut sich mitzuteilen, zu vertrauen und nicht unterkriegen zu lassen.

Alles dreht sich um den bevorstehenden großen Tag des Schulfestes und dementsprechend groß ist ihre Aufregung. Als Lizzy ein Tagebuch geschenkt bekommt, ist sie zunächst sehr skeptisch. Findet sie es doch ziemlich altmodisch und weiß nichts groß mit anzufangen. Doch Stück für Stück vertraut Lizzy ihrem Tagebuch so einiges an und schreibt sich ihren Frust von der Seele.



Mit einem Schmunzeln, vielem Grübeln und auch Augenzwinkern hat es mir Spaß gemacht dieses Buch zu lesen. Lizzy hat eine trockene humorvolle Art und zog mich direkt in ihren Bann.

Die Protagonisten sind alle gut beschrieben und auch gut vorstellbar. Sich in die Geschichte hineinzuversetzen ist nicht schwer, egal wie alt die Leserin oder der Leser ist. Ab und an ertappte ich mich augenrollend und leicht angesäuert. Mensch Lizzy, wehre dich – war einer meiner Gedanken. Doch man darf ihr Alter nicht vergessen. Wie war ich selbst in diesem Alter, wie verhalten sich die Kids heute?! Sie überstehen den Tag, den Schulalltag. Ihnen fehlt der Mut sich zu behaupten. Mit Recht? Mobbing ist leider ein großes Thema und wird es auch noch weiterhin sein. Umso wichtiger ist so eine Geschichte wie diese. Niemand ist dazu verdammt ein wirklicher Verlierer zu sein, dass wisst ihr hoffentlich und dieses Buch macht dies klar.

Das Cover ist bezaubernd gestaltet. Bunt und wirr wie die Welt eines Teenies halt. Der Anfang jedes Kapitels zeigt an, wie viele Tage noch bis zum Schulfest vergehen und mit einer verspielten Umrahmung versehen. Die Schriftart und –größe der Tagebucheinträge ist im Gegensatz zum restlichen Buch verändert und etwas kleiner.
Der Magellan Verlag hat sich durch die immer wiederkehrend auffälligen Cover seiner Bücher in mein buchiges Herz geschlichen. Wer weiß, ob mir das eine oder andere Buch sonst aufgefallen wäre, wenn die Cover nicht so einzigartig und wiedererkennend gestaltet wären.


Persönliches Fazit

Ein gelungenes und lesenswertes Buch. Noch einmal eintauchen in die Gefühls- und Gedankenwelt eines 13 Jährigen Mädels. Genial, authentisch, flüssig, lustig und doch auch wach rüttelnd geschrieben. Auch wenn die Geschichte hier und da etwas provozierend geschrieben ist, so macht sie deutlich, dass es sich lohnt, mit etwas Mut für sich und sein Ideal zu kämpfen.

Wir Erwachsenen, ja auch Du! - Lebt nach dem Motto „Sei die Person die du als Kind gebraucht hättest“ und bewahrt trotzdem das Kind in Euch.
Wie philosophiert man so schön: „Noch einmal wieder Kind sein, aber mit dem Wissen von heute“. Könnte die Welt dann vielleicht eine bessere sein?

© Rezension: 2016, Susa


Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer | Mario Fesler | Magellan Verlag
Ab 12 Jahre
2016, Gebundenes Buch, 240 Seiten, ISBN: 978-3734850257
Buch bestellen bei Amazon.de*


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[susa]

Unsere Geschenkidee: Das Burger-Buch `BURGER UNSER`

Samstag, 10. Dezember 2016 2 Kommentare

DAS MUST-HAVE FÜR ALLE BURGER-LIEBHABER!

Es ist nicht das erste und sicherlich nicht das letzte Buch, das über Burger geschrieben wurde – aber vermutlich das beste!


Neben allem Wissenswerten und genialen Bildern verrät es sämtliche Tipps und Tricks für die eigene Herstellung göttlicher Burger. Der Theorieteil liefert Hintergründe und Rezepte zu den Themen Fleischauswahl, Pattyblends und knackige Beilagen sowie mehr als 50 Saucen und perfekte selbst gebackene Buns. Im zweiten Teil finden sich nicht nur opulente Beefburger, sondern auch vegane und süße Kreationen, sodass keine Wünsche offen bleiben. Abgerundet wird das Standardwerk durch eine Übersicht der besten Burger-Läden im deutschsprachigen Raum.
Ob Burger-Novize oder -Professional – das Burger Unser verspricht den Eintritt ins Burger-Paradies! Nicht mehr und nicht weniger. Amen. [Text, Cover & Video: © Callwey Verlag]

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Es gibt mittlerweile wahrlich eine riesige Auswahl an Kochbüchern mit Burger-Kreationen und man stellt sich dann natürlich auch die Frage: Muss denn noch eins sein? Ja, es muss! Dieses Werk der fünf Autoren & Köche Hubertus Tzschirner, Nicolas Lecloux, Dr. Thomas Vilgis, Nils Jorra und Florian Knecht ist nicht einfach irgendein Burger-Buch - nein: es ist DAS Burger-Buch schlechthin! Die fest und vor allem sehr hochwertig gebundene Ausgabe kommt mit seinen 288 Seiten und knappen 2kg sehr massiv daher, ist aber auch mit massiv leckeren und sehr vielfältigen Rezepten gefüllt. 

Zu Beginn des Buches findet man erst einmal eine Art „Bedienungsanleitung“ und jedes Kapitel bzw. Thema beginnt mit einer ausführlichen, bebilderten Schritt-für-Schritt-Anleitung, die wirklich sehr gut gelungen ist und quasi keine Fragen offen lässt. Unter dem Thema „Wissen statt Glaube“ findet man immer wieder äusserst hilfreiche Tipps und Tricks und lernt wirklich Wissenswertes aus der Küche im richtigen Umgang mit Zutaten und was unser Tun bewirkt. So wird zum Beispiel erklärt, was Wechselwirkungen zwischen Salz und Gluten bewirken, wie Salz eigentlich den Teig verändert, auf was es eigentlich bei der Zubereitung von Mayo ankommt oder welchen Einfluss der Temperaturverlauf beim Fleischbraten auf den Geschmack hat. Die sehr detaillierten Hintergrundinformationen überzeugen und ein jeder kann hier noch das ein und andere lernen.

Die Rezeptvielfalt ist grandios und das nicht nur im Bereich der Burger. Es gibt rundherum auch eine große Auswahl an Rezepten für Buns, Sossen und verschiedene Beilagen. Jedem Thema wird ausführlich Zeit gewidmet. So findet man alleine schon 18 Rezepte für „Eingelegtes“ oder 18 Rezepte nur für Ketchup & Mayos. 

Die Fotografien sind äussert hochwertig, gestochen scharf und lassen einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. ich habe selten so gelungene Foodfotografie in einem Kochbuch gesehen. Das Buch hat sogar eine eigene und vor allem sehr beliebte Facebook-Seite. Ich kann es verstehen, denn auch ich bin ein kleines bisschen verliebt in dieses Buch und dem „Burger Unser“ verfallen. Ein Highlight in meiner Kochbuch-Sammlung, dass ich immer wieder gerne zur Hand nehme. 

Aufgrund der Hochwertigkeit und Exklusivität hat das *BURGER UNSER auch einen stolzen Preis, der aber in meinen Augen auch vollkommen gerechtfertigt ist. 
Wir haben das Buch auch schon an Freunde verschenkt und es kam immer super an. Ein mächtiges Werk voller Burger-Kunst und ein wahrlich edles Buch zum verschenken an alle, die gerne in der Küche tüfteln und Burger lieben.

"Der belgische Samurai" von Seite 228 ist ein Traum. Wir haben Buns gebacken, die Samurai-Sosse nach Rezept ist herrlich gelungen, die in Ahornsirup und Balsamessig geschmelzten Zwiebeln sind ein Traum. Und Süßkartoffel-Pommes auf dem Burger - das müsst ihr mal probieren, einfach köstlich! Geh aber natürlich auch als Beilage.

Diese Burger sind einfach lecker !!!




© 2016, Alexandra Zylenas

Buchinformation:
 Burger Unser | Callwey Verlag
2016, HC, 288 Seiten, ISBN 978-3-7667-2201-0
Buch bestellen bei Amazon.de*


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[alexandra]

Rezension: Schneestill | Anna Stern

Mittwoch, 7. Dezember 2016 0 Kommentare


Eine atmosphärische Suche nach der Wahrheit. 
















Im  winterlichen Paris begegnet der Student Roel in einer Bar der geheimnisvollen Théa, deren melancholische Erscheinung ihn fasziniert. In einem Zeitungsartikel über eine soeben aus dem Gefängnis entlassene Frau, welche des Kindsmordes angeklagt war, erkennt er am nächsten Tag Théas Gesicht wieder. Da ihn die Geschichte nicht mehr loslässt und er an der Schuld der jungen Frau zweifelt, will er der Wahrheit nachgehen. Bei dieser Entscheidung spielt auch ein von Théa aus Papier gefalteter Schwan eine bedeutende Rolle. Roels Suche durch die schneebedeckten Straßen von Paris führt ihn zu einem herrschaftlichen Haus, wo er Théa auch tatsächlich wiedertrifft. Im Laufe eines kalten Winterabends gewinnt Roel schließlich Théas Vertrauen und erfährt ihre Version der Geschichte. Doch handelt es sich hierbei auch wirklich um die Wahrheit? Geschah bei diesem Mordfall ein Justizirrtum oder leidet die junge Frau an Realitätsverlust? [© Text und Cover: Salis Verlag

[trennlinie] 

Sie geht ihm nicht mehr aus dem Kopf, diese mysteriöse und faszinierende Unbekannte, der Roel in einem ziemlich heruntergekommenen Bistro begegnet. Er ist geschockt, als er ihr Bild in der Zeitung entdeckt und erfährt, dass sie gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Er ist hin und her gerissen zwischen dem Entsetzten gegenüber der Tat und dem Unglauben, dass diese zarte junge Frau eine Mörderin sein soll. Aber er kann es nicht lassen, er macht sich auf die Suche nach ihr. Nachdem er sie gefunden hat und sie nach dem Mord gefragt hat, erzählt sie ihm davon. Es ist hart, die Details dazu zu hören, ist es doch eine furchtbare Sache, wenn es um tote Kinder geht. Ob sich die Ereignisse allerdings so zugetragen haben, wie Théa sie schildert, ist die entscheidende Frage… 

Die Charakterisierung ist eine der Stärken dieses Buchs. Roel ist mit sich und seiner Lebenssituation nicht sonderlich glücklich. Und er ist unsicher, ob er Théa ansprechen soll, würde es aber auf jeden Fall bereuen, wenn er es lassen würde. Das macht ihn für mich zu einem sympathischen und glaubwürdigen Protagonisten. Und Théa ist mit ihrer Art eine sehr ungewöhnliche Person. Da geht es mir wie Roel, ich will auch mehr von ihr erfahren. 

„Für einen Moment schloss er die Augen. Gierig atmete er den Geruch des Feuers, des sterbenden Holzes und der gefangenen Buchstaben und Geschichten ein. Gab es etwas Schöneres als einen Raum voller Bücher? Und dazu das Flüstern eines warmen Feuers und die leisen, leicht melancholischen Klänge einer Musik, die glücklich machte?" (S. 96) 

Bei manchen Büchern fragt man sich, was der Text mit dem Titel zu tun hat. Bei „Schneestill" passt der Name perfekt. Drückt er doch die Stimmung aus, die von dem verschneiten und kalten Paris ausgeht. Anna Stern erzeugt mit einem schnörkellosen und trotzdem poetischen Schreibstil eine ruhige und melancholische Atmosphäre. Da komme ich mir fast so vor, als wenn ich mit am Glühweinstand stehen würde. 


Persönliches Fazit 

Ein wundervoller Debütroman! Roel, auf der Suche nach der Wahrheit, und Théa, die vermeintliche Mörderin, sind interessante Charaktere. Mit ihrer schönen, klaren Sprache erzeugt Anna Stern eine besondere Atmosphäre. „Schneestill" war für mich ein besonderer Lesegenuss. 


© Rezension: 2016, Marcus Kufner 


Schneestill | Anna Stern | Salis Verlag
2014, gebunden, 256 Seiten, ISBN: 9783906195179
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[marcus]