Rezension: Der Spion des Dogen | Stefan Maiwald

Donnerstag, 20. Juli 2017 0 Kommentare

Intrigen am Markusplatz


Venedig, 1570. Eine Intrige bringt Davide Venier, einen angesehenen Geschäftsmann, über Nacht um sein Vermögen und für zehn Jahre in die berüchtigten Bleikammern, das Staatsgefängnis der Serenissima. Dort lernt er den Osmanen Hasan kennen, der nicht nur sein Schachpartner wird, sondern ihm auch die Kunst der Selbstverteidigung und wertvolle Tricks für den rauen Alltag im Kerker beibringt. Davide erweist sich als gelehriger Schüler, woraufhin er ein unerwartetes Angebot erhält: Straferlass gegen Spionagedienste für den Dogen. Davide willigt ein, doch seine Mission könnte brisanter kaum sein: Das Osmanische Reich rüstet sich für einen Krieg gegen Venedig. Und: Ein gefährlicher Killer ist in der Stadt eingetroffen... [© Text und Cover: dtv Verlag]

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Der Plot klingt nicht nur spannend, er ist es auch. Die üble Intrige, gegen die der arme Davide sich überhaupt nicht wehren kann, beendet auf einen Schlag sein bisher so kommodes Leben in den besseren Kreisen. Selbst seine Beziehungen zu einigen der Mächtigen der Stadt helfen ihm nicht. Als der Kanzler ihm nach rund einem Jahr im Gefängnis die Spionagedienste anbietet, bleibt ihm gar nichts anderes übrig, als zuzusagen. Daraus entwickeln sich zwei Handlungsstränge: zum einen bekommt er wichtige Aufgaben übertragen, die durchaus Einfluss auf das Schicksal seiner Stadt nehmen können. Zum anderen nutzt er seine wiedergewonnene Freiheit, um die Hintergründe der Machenschaften gegen ihn persönlich aufzudecken. Eine sehr gelungene Konstellation.





Davides Schicksal ist sehr gut in das historische Umfeld eingebettet. Die politische Situation rund um das Mittelmeer, aber auch die komplexen Machtverhältnisse in Venedig selber bilden den passenden Hintergrund, werden aber nie zu langatmig ausgeführt. Auch Davides enge Freundschaft zum Schriftsteller Cervantes, der seinen Don Quijote zum Zeitpunkt dieser Geschichte noch nicht geschrieben hatte, trägt dazu bei. Nur das Treffen mit dem sechsjährigen Shakespeare wirkt auf mich erzwungen, das hat schließlich auch keinerlei Einfluss auf die Handlung.






Ich habe Stefan Maiwalds ersten Roman sehr gerne gelesen. Das liegt hauptsächlich an seinem guten sprachlichen Timing, das Buch liest sich äußerst flüssig. Obwohl seine Begeisterung für Venedig spürbar ist, verfängt er sich nicht in endlosen Beschreibungen örtlicher Details. Und trotzdem werde ich, wie ich es von einem historischen Roman erwarte, in die Zeit und an den Ort des Geschehens versetzt. Nur mit der Auflösung am Schluss (keine Sorge, ich verrate nichts) bin ich nicht ganz glücklich. Man könnte sie als einfallsreich bezeichnen, auf mich wirkte sie eher aufgesetzt. Vielleicht dient sie aber auch als Vorlage für weitere Abenteuer, denn Davide Venier wird als Held in einem weiteren Roman wiederkommen.


Persönliches Fazit

„Der Spion des Dogen" überzeugt mich mit einer stimmigen Atmosphäre, einem fähigen Helden und vor allem mit einem ausgezeichneten Lesefluss. Auch wenn der Schluss auf mich etwas erzwungen wirkte: wer gerne flotte historische Romane liest, ist hier gut aufgehoben.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Der Spion des Dogen | Stefan Maiwald | dtv Verlag
2016, broschiert, 412 Seiten, ISBN: 9783423261241
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[marcus]

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