Rezension: Als wir fast mutig waren | Jen White

Montag, 7. August 2017 1 Kommentar




Stell dir vor, du bist zwölf Jahre alt und wirst von deinem Vater nach einem Streit an einer Tankstelle zurückgelassen, mitten in der Wüste von Arizona. Es ist mörderisch heiß, du hast Durst und eine kleine Schwester an deiner Seite, die nur Flip-Flops trägt und genauso große Sehnsucht nach eurer Mutter hat wie du. Aber immer, wenn du nicht mehr weiterweißt, holst du dein Notizbuch heraus und machst dir einen genauen Plan: Vertrau deinem Instinkt. Hör auf dein Herz. Sei mutig, wenn du kannst. – Dies ist die Geschichte von Liberty und ihrer kleinen Schwester Billie, die mehr als nur fast mutig sein mussten, auf ihrem abenteuerlichen Weg zurück nach Hause. [© Text und Cover: Carlsen Verlag]

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Es ist ein Schock für Liberty, dass sie sich mit ihrer Schwester völlig auf sich allein gestellt an dieser Tankstelle am Rande der Zivilisation wiederfindet. Sie waren es immer gewohnt, dass es jemanden gab, der sich um sie kümmert. Liberty hat allerdings von ihrer Mutter gelernt, dass sie als die Ältere für ihre kleine Schwester verantwortlich ist. Das hat sie so verinnerlicht, dass sie jetzt in dieser Situation nicht in Verzweiflung gerät, sondern auf ihre Art versucht, Bedrohungen zu erkennen und Lösungen zu finden. 

„»Wir sind auf der Suche nach zwei kleinen Mädchen, die hier waren. Möglicherweise wurden sie ausgesetzt.«
Sofort hasste ich das Wort: ausgesetzt. Als hätten wir niemanden auf der ganzen Welt, der sich um uns kümmert. Wusste der nicht, dass ich die Verantwortung hatte?" (S. 55)

Das Abenteuer der beiden Mädchen wird von Liberty in der Ich-Perspektive erzählt. Die Gefahren sind also aus ihrer Sicht eher subjektiv. Ob beispielsweise der Tankstellenwärter ihnen tatsächlich Böses will, ist nicht sicher. Allerdings ist ihr dieser schmuddelige Typ so unheimlich, dass die Mädchen lieber vor ihm weglaufen und ihn nicht um Hilfe bitten. Im Buch wird damit plakative Gewalt vermieden, was es zu einer kindgerechten Lektüre macht. Spannend ist der Trip allemal. Es ist nicht vorherzusehen, was die beiden auf ihrem Weg erleben werden und wie es für sie ausgehen wird.






Ich frage mich natürlich, was zum Teufel in dem Vater nur vorgeht, dass er Liberty und Billie allein zurück lässt. Wie kann er nur so etwas herzloses tun? In Rückblenden erfahren wir mehr darüber, wieso die Beziehung der Eltern nicht funktioniert hat und was mit ihrer Mutter passiert ist. Allerdings wird das nur häppchenweise erzählt, so dass sich erst langsam und puzzleartig ein Gesamtbild ergibt. Meine Neugier wurde auf diese Weise jedenfalls geweckt und die kurzen Kapitel sind nur so dahingeflogen. 

Persönliches Fazit

„Als wir fast mutig waren" macht deutlich, was eine starke Bindung zwischen Schwestern bewirken kann. Sie geben sich gegenseitig Halt, um diese extreme Herausforderung zu bestehen. Ich fand es mal spannend und mal amüsant, wie sie sich auf ihre Art durchkämpfen. Eine Empfehlung gerade für junge Leser ab 12 Jahren, die die beiden Mädchen gerne auf ihrem unfreiwilligen Abenteuer begleiten möchten.

© Rezension: 2017, Marcus Kufner


Als wir fast mutig waren | Jen White | Carlsen Verlag
2017, gebunden, 320 Seiten, ISBN: 9783551556806
Aus dem Englischen von Sylke Hachmeister
Ab 12 Jahren
Buch bestellen bei Amazon.de  (Affiliate Link)


[marcus]

1 Kommentar:

  1. Toll, dass es eine Schwestern-Geschichte ist! Ein Buch für mich. Danke dafür!

    Neri, Leselaunen

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