LÄRM UND WÄLDER | JUAN S. GUSE

Montag, 1. Februar 2016 0 Kommentare

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Die Sicherheitsvorkehrungen in Nordelta wurden erhöht. Reiterstaffeln patrouillieren durch die Straßen, die Wachmänner tragen letale Waffen. Seit zehn Jahren wohnt Pelusa mit ihrer Familie in der Gated Community nördlich von Buenos Aires. Nach ihrer Zeit in den Anden genießt sie das sichere Zusammenleben mit den freundlichen Nachbarn. Doch als gewaltsame Unruhen Nordelta zu erreichen drohen, entwickelt sich unter den Bewohnern ein Klima der Angst. Während Pelusas Mann Hector vom Bau unterirdischer Bunker träumt, hat ihr Sohn Henny längst Pläne für eine Mondbasis zur Rettung der Menschheit entworfen. In seinem Debütroman beschreibt Juan S. Guse eine Gesellschaft in Alarmbereitschaft und erzählt von Orten der Leere und Hysterie, in denen die Lebensentwürfe seiner Figuren zu scheitern drohen. [Klappentext + Cover: © Fischer Verlag]

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[mk] Der Autor deutsch-argentinischer Abstammung Juan S. Guse siedelt seinen Debütroman in zwei abwechselnd erzählten Zeiten an. In einem Teil lebt Pelusa mit ihrem ersten Mann in einem sehr einsam gelegenen Haus in den Vorläufern der Anden. Für ihn ist es ein angenehmes Leben, fern von der Hektik der Städte kümmert er sich um Haus, Hühner und Grundstück. Pelusa kann sich nur mit ihren Büchern und den Videokassetten, die ihr ihre Schwester hin und wieder schickt, widmen. So verlockend ein stressfreies Leben sein mag, das wäre mir dann doch auch zu langweilig.

Der größere Teil des Buchs spielt einige Jahre später. Pelusa wohnt jetzt mit Hector und ihren zwei Söhnen in einer Community, einem von der Außenwelt durch Mauern und Wachpersonal abgeschirmten Viertel. Hier ist alles sehr gepflegt, es gibt schöne Gärten und künstliche Seen. Die Bewohner gehen in dieser trügerischen Sicherheit ihrem Alltag nach. Wenn man mal in die Stadt fahren muss, kann es zwar sein, dass man wegen Unruhen und blockierten Straßen nicht durchkommt, aber in der Community wurde ja das Sicherheitspersonal aufgestockt, sogar eine Reiterstaffel ist im Einsatz. Und doch spüre ich als Leser die ständig vorhandene latente Angst, dass die Gewalt über die Mauern eindringt und die Bewohner gefährdet.

Hector und sein Freund Alvaro hecken deshalb Pläne aus, wie sie für diesen ihrer Meinung nach unabwendbaren Fall vorsorgen können. Ein Bunker, oder ein Haus weit draußen in der Pampa? Sie streben nach Sicherheit für sich und ihre Familien, doch gibt es die wirklich? 

Die sozialen Diskrepanzen, das Leben außerhalb der Mauern oder die Gründe für die Unruhen sind für sie kein Thema. Damit wird einer Gesellschaft der Spiegel vorgehalten, die mit ihrer Ignoranz selbst für die Ursachen ihrer Ängste sorgt.

Sprachlich ist das Buch ein Genuss. Juan S. Guse geht wunderbar mit Worten um, er wird immer wieder mal poetisch, wirkt aber nie gestelzt und ist immer verständlich. Keine Überraschung, dass er bereits mehrere Auszeichnungen erhalten hat.

'Kein Fleck an der Wand, keine Ablagefläche, keine Sitzfläche ist frei, als hätte man einen Flohmarkt auf einen Laster geladen und durch den Schornstein in die Wohnung geblasen...' ~ S. 275

Dem Buch wurde 'nur' ein halber Schutzumschlag verpasst, ein ausgefallener designerischer Einfall, der gut passt.

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PERSÖNLICHES FAZIT

Ein sprachlich sehr bemerkenswertes Buch, das von seiner latenten Spannung lebt. Die Protagonisten machen stets einen nervösen Eindruck und ständig habe ich das Gefühl, dass da noch etwas passiert, das kann mit der Abschottung nicht gut gehen. Ein Roman, der mir Raum für eigene Gedanken lässt und sicher noch nachhallen wird.

© Rezension: 2016, Marcus Kufner



Lärm und Wälder | Juan S. Guse | Fischer Verlag*
2015, gebunden, 320 Seiten, ISBN: 9783100024343



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