Rezension: Im Jahr des Affen | Que Du Luu

Sonntag, 28. August 2016 0 Kommentare

"Hast du heute schon Reis gegessen?"


Mini ist eine Banane: außen gelb und innen weiß. Ihr Vater hingegen bleibt durch und durch gelb: Er spricht nur gebrochen Deutsch und betreibt ein Chinarestaurant.
Als ihr Vater ins Krankenhaus kommt, muss Mini im Restaurant schuften, sich mit dem trotzigen Koch streiten – und sie kann Bela nicht wiedertreffen, bei dem sie so viel Ruhe gefunden hat. Dann reist auch noch Onkel Wu an. Der traditionsbewusste Chinese holt die Vergangenheit wieder hoch: das frühere Leben, die gefährliche Flucht als Boatpeople aus Vietnam. [Text & Cover: © Carlsen Verlag, Königskinder]

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Minh Thi - von ihren Freundinnen der Einfachheit halber Mini gennant - ist auf dem Weg, erwachsen zu werden und auf der Suche nach ihrer eigenen Identität. Hin und her gerissen zwischen zwei Kulturen, weiß sie nicht so recht, wo ihr Platz ist im Leben. Was bedeutet Heimat? Muss sie sich für ihre Herkunft schämen?
Es ist ihr sehr peinlich, von ihren Mitschülern und Freundinnen arbeitend im chinesischen Restaurant ihres Vaters in Herford gesehen zu werden. Sie fängt an, sich für Jungs zu interessieren und vor allem Bela, der ihr Herz schneller schlagen lässt, soll sie dort nicht sehen. Ihr Vater schuftet regelrecht, es gibt keinen Ruhetag im Restaurant und kleine Pausen verbringt er liegend auf den Stühlen. Doch das wird irgendwann zu viel und er bricht zusammen, muss plötzlich mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus. Mini bleibt gar nichts anderes übrig, als für ihn einzuspringen und zu arbeiten. Dort muss sie sich aber auch dem Personal gegenüber beweisen. Und Onkel Wu ist auch keine wirkliche Unterstützung, denn auch er hat immer etwas an ihr auszusetzen. So kommt es ihr zumindest vor.

Onkel Wu hält Mini "für eine Banane" – außen gelb und innen weiß. Er sagt, sie sei vom Aussehen her eine Chinesin, aber innerlich eine Deutsche. Er ärgert sich, dass sie fast nichts über ihre Abstammung und über die chinesische Kultur weiß bzw. gelernt hat und sich auch ganz offensichtlich nicht dafür interessiert.
Mini jedoch kämpft mit den kulturellen als auch sprachlichen Unterschieden, sie findet tatsächlich nicht so recht den Mut, sich mit ihrer Herkunft zu befassen, ahnt sie doch im tiefsten Inneren, dass es da ein Geheimnis geben muss. Nach und nach erfährt sie mehr, von Onkel Wu, vom Koch Bao, der sie aus für sie unerfindlichen Gründen immer ignoriert. Erfährt mehr darüber, wie sie eigentlich nach Deutschland kam. Von der Flucht aus Südvietnam, vom Aufenthalt in dem thailändischen Flüchtlingslager bis hin zur Ankunft in Deutschland. Und dabei lernt sie auch mehr über ihren Vater kennen und merkt, dass er ihr bisher regelrecht fremd war.

Que Du Luus gewählter Sprachstil ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, aber es lohnt sich, sich auf diesen Stil einzulassen, denn gerade das macht es letztlich so sehr aus. Durch ihre kurze, knappe und teilweise - wie es scheint - emotionslose Sprache spiegelt sich gut Minis Innerstes wider. Dazu trägt natürlich auch bei, dass Mini als ich-Erzählerin auftritt.

IM JAHR DES AFFEN ist in Teilen ein autobiografischer Roman. Que Du Luu, 1973 geboren in Saigon/Südvietnam, ist chinesischer Abstammung. Nach Ende des Vietnamkriegs flüchtete sie wie Millionen andere Boatpeople über das Meer. In Bielefeld betrieb die Familie ein China-Restaurant.

Persönliches Fazit

Ein Jugendroman, der mit leisen Tönen daher kommt, aber deren Protagonistin Mini einem nach und nach ans Herz wächst. Klug und unterhaltsam, oftmals auch sehr nachdenklich stimmend, erzählt der Roman über die Schwierigkeit der Selbstfindung, der eigenen Identität und über die Suche nach Zugehörigkeit und Glück - und kommt dabei völlig ohne Action und Cliffhanger aus, was für ein Jugendbuch sehr mutig und ungewöhnlich ist, aber perfekt zur Thematik passt.

© Rezension: 2016, Alexandra Zylenas


Im Jahr des Affen | Que Du Luu | Carlsen Verlag, Königskinder
ab 14 Jahren
2016, Hardcover, ISBN 9783551560193
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[alexandra]

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